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Glücksfall und Bereicherung: Der Chor der Liedertafel trat zusammen mit Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks auf.

Großes Konzert im Schloss

Liedertafel Dachau: Musikerlebnis mit ungewohnten Klängen

Es war alles andere als leichte Kost, was die Liedertafel Dachau bei ihrem Jubiläumskonzert im Schloss anbot. Doch wer sich auf die Musik einließ, wurde reich belohnt.

Dachau – Die Liedertafel Dachau hat sich bei ihrem Jubiläumskonzert zum 140-jährigen Bestehen im Renaissance-Saal des Dachauer Schlosses einer Herausforderung gestellt: Unter der Leitung ihres jungen Chorleiters Tobias Hermanutz führten der Chor zwei weithin unbekannte geistliche Werke des russisch-amerikanischen Komponisten Igor Strawinsky (1882-1972) auf – einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Musik. Dahinter steckte eine monatelange Probenzeit für die Chormitglieder. Gewonnen werden konnten zur Verstärkung einige Projektsänger.

Mit der Darbietung religiöser Themen des „Bürgerschrecks“ Strawinsky hat die Liedertafel Neuland betreten und auch die Zuhörer herausgefordert. Nach dem „Einhören“ der ungewohnten Klänge bei der Aufführung der „Cantata“ für Sopran, Tenor, Frauenchor und kleines Instrumentalensemble zollte das Publikum den Ausführenden mit donnerndem Applaus Respekt für die bravouröse gesangliche Leistung. Der Beifall galt in gleicher Weise dem Frauenchor und den Solisten, der Sopranistin Judith Spiesser und dem Dachauer Tenor Bernhard Schneider, die ihre Partien beeindruckend vortrugen, wobei sich Schneider stimmlich besser und ausdrucksstark gegen die Instrumentalisten durchsetzen konnte.

Für den zweiten Teil vor der Pause hatte sich der Chorleiter für Mozart entschieden, sozusagen als Balsam für die Seele mit der bekannten Serenade in Es-Dur (KV 375) des Komponisten für Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte, dargeboten von Nachwuchsmusikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die jahrelange Zusammenarbeit der Liedertafel mit Mitgliedern des renommierten Orchesters erwies sich wiederum als Glückfall und als große Bereicherung. Für den Höhepunkt des gut besuchten Festkonzerts trat das Orchester in großer Besetzung zusammen mit dem gemischten Chor auf.

Einige Zuschauer, wahrscheinlich unzufrieden mit der außergewöhnlichen Programmzusammensetzung, hatten sich allerdings bereits in der Pause verabschiedet, versäumten dadurch allerdings das klanggewaltige Feuerwerk, die „Palmensymphonie“ Strawinskys, die als Lobpreis Gottes mit Donnerschlag, Pauken, Trompeten und Orgel erschallte.

Die Liedertafel Dachau meisterte die gesanglich schwierige Herausforderung zum Jubiläum in homogener Geschlossenheit und wurde ihrem Anspruch einmal mehr gerecht. Der musikalische Leiter Tobias Hermanutz kommt ohne große Gesten aus, souverän und unaufgeregt dirigierte er Chor und Orchester. Sichtlich erfreut über den großen Beifall, kündigte er als Zugabe noch einmal Strawinsky an: das andächtige Gebet „Pater noster“ zur endgültigen Verabschiedung.

Ingrid Koch

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