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Ein Lastwagen raste nahezu ungebremst in einen Kleinlaster.

Nachfrage bei Polizei

Lkw rast in Kleinlaster: Fahrer trotz Getippe am Tablet nicht schuld?

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Ein Lkw-Fahrer hat am Montag auf der A 8 einen schweren Unfall verursacht. Der Mann hatte gerade sein Tablet bedient, als er mit seinem 40-Tonner nach rechts in Richtung Seitenstreifen abkam. Juristisch ist der Fall heikel.

Sulzemoos – Der 28-jährige Fahrer eines Kleinlasters wartete am Montag gegen 15.10 Uhr auf dem Seitenstreifen der A 8 auf den Pannendienst, als er im Rückspiegel das Unglück auf sich zukommen sah. Ein 40 Tonnen schwerer Lkw fuhr geradewegs auf den Ungarn zu. Dass der Sattelzug langsamer wurde, war nicht zu erkennen. Dem 28-Jährigen blieb nicht einmal mehr Zeit, aus seinem Gefährt zu springen. Durch den Aufprall wurde sein Laster nach vorne über die Leitplanke geschleudert und kippte schließlich in die Böschung. Weil Betriebsstoffe ausliefen, musste die rechte Fahrspur der A 8 in Richtung München drei Stunden gesperrt werden, mehrere Feuerwehren und Rettungsdienste waren im Einsatz. Das Wichtigste aber: Der 28-jährige Ungar überstand den Unfall, wie durch ein Wunder, mit nur leichten Verletzungen. Der Fahrer des Sattelzugs kam mit dem Schrecken davon.

Der Fahrer daddelte am Tablet herum

Ebenso wie die Schadenshöhe, laut Polizei rund 40 000 Euro, steht auch die Unfallursache bereits fest: Der Brummifahrer war abgelenkt. Der 45-jährige Tscheche bediente gerade seinen am Armaturenbrett fest installierten Tablet-Computer, den er auch als Navi benutzte, und geriet dabei immer weiter nach rechts in Richtung Seitenstreifen. Dort rammte er, nahezu ungebremst, schließlich den stehenden Pannenlaster des Ungarn. Der Tscheche gab sofort zu, an seinem Tablet gewerkelt zu haben. Rein juristisch ist die Sache damit klar – zumindest auf den ersten Blick.

Denn: Zwar gelten seit vergangenem Herbst in der deutschen Straßenverkehrsordnung schärfere Regeln, was das Telefonieren und Tippen am Steuer betrifft. Welche Bedienung aber genau noch erlaubt und was schon verboten ist, ist umstritten. An den neuen Regeln „scheiden sich die Geister“, sagt auch Josef Fuksa, Polizeiobermeister der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Fürstenfeldbruck. Und: „Wir müssen erst noch die Urteile abwarten.“

Juristisch ist die Sachlage (noch) nicht eindeutig

Tatsächlich ist nach neuester Rechtslage jede Ablenkung durch jedes elektronische Gerät am Steuer verboten. Dazu zählen nicht nur externe Geräte wie Smartphones oder Tablets, sondern auch im Auto eingebaute Applikationen wie Musik- oder Navigationsgeräte. Während der Fahrt dürfen diese nur noch bedient werden, wenn dafür eine „kurze Blickzuwendung“, ähnlich wie auf den Tacho, reicht. Alle anderen Tätigkeiten an Handy, Tablet oder Navi dürften nur vorgenommen werden, wenn der Motor abgeschaltet ist. „Was aber machen wir bei einem Auto mit Start-Stopp-Automatik“, gibt Polizist Fuksa zu bedenken? Eindeutige Antworten darauf gibt es darauf bislang nicht.

Grundsätzlich sieht sich Fuksa allerdings „nur als Verfolger, nicht als Entscheider. Wir als Polizei tun das, was die Justiz für verfolgungswürdig hält“. Das heißt: Fuksa und seine Kollegen nehmen Unfälle auf und sammeln Beweise zur Unfallursache; inwiefern die Verursacher dann zur Rechenschaft gezogen werden, müssten Gerichte klären. Doch auch das Sammeln der Beweise, erklärt Fuksa, ist für die Polizei nicht immer einfach: Die Untersuchung eines Handys beispielsweise dürfe in der Regel nur auf Anordnung der Staatsanwaltschaft erfolgen.

Trotz dieser juristischen Detailfragen will Fuksa jedoch eines klarmachen: „Egal, ob man am Steuer telefoniert oder etwas tippt: Man ist einfach abgelenkt!“ Gerade Lkw-Fahrer müssten dies beherzigen. Doch permanenter Termindruck als auch technischer Fortschritt machen den Brummifahrern ihre Arbeit nicht leichter. Der Tscheche etwa bekam laut Fuksa über sein Tablet die neuesten Aufträge seiner Spedition geschickt. „Er wollte“, glaubt Fuksa, wohl „einfach nur nachschauen, wo er als nächstes hinfahren muss“.

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