1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Löwl für seine Verdienste um Europa geehrt

Erstellt:

Von: Verena Möckl

Kommentare

Polnische Anerkennung im Dachauer Schloss: Generalkonsul Jan M. Malkiewicz und Landrat Stefan Löwl.
Polnische Anerkennung im Dachauer Schloss: Generalkonsul Jan M. Malkiewicz und Landrat Stefan Löwl.  © Habschied

Die Landkreispartnerschaft von Dachau und Oświęcim ist am Freitag im Dachauer Schloss gewürdigt worden. Landrat Stefan Löwl erhielt die höchste Auszeichnung des polnischen Auswärtigen Amtes. Auch sein polnischer Kollege Marcin Niedziela wurde geehrt: Der ehemalige Landrat von Oświęcim erhielt die Europamedaille posthum.

Dachau – Dorota Niedziela kämpfte mit den Tränen, als sie ans Rednerpult trat. In der Hand hielt sie die Europamedaille, mit der ihr Mann, Marcin Niedziela, der ehemaligen Landrat von Oświęcim (deutsch: Auschwitz) für seinen besonderen Verdienst für ein friedliches Europa am Freitagmittag posthum im Kurfürstensaal des Dachauer Schlosses ausgezeichnet wurde. „Dass sich die Landkreise Dachau und Auschwitz als Freunde begegnen, ist der Verdienst ihres Mannes“, hatte die bayerische Staatsministerin Melanie Huml zuvor betont.

Es war ein besonderer Augenblick. Zum ersten Mal seit 30 Jahren verlieh der Freistaat Bayern die Europamedaille an einen Polen und zum ersten Mal posthum. Marcin Niedziela war im September vergangenen Jahres im Alter von 57 Jahren an einem Krebsleiden verstorben. Ein gerahmtes Bild erinnerte bei der Verleihung an den polnischen Kommunalpolitiker. Einen Mann, der für Freiheit, Frieden und ein gemeinsames Europa stand. Und der sich intensiv für gemeinsame Projekte in den Partnerlandkreisen Dachau und Oświęcim einsetzte.

Die Landkreispartnerschaft von Dachau und Oswieçim ist am Freitag im Dachauer Schloss gewürdigt worden. Landrat Stefan Löwl erhielt die höchste Auszeichnung des polnischen Auswärtigen Amtes.
Wichtige Akteure für die Partnerschaft zwischen Dachau und Oświęcim: die Beauftragten Bernadette Czech-Sailer, Marese Hoffmann und Leszek Szuster (v. l.). Fotos: hab © NORBERT HABSCHIED

Ebenso wie sein Kollege Stefan Löwl. Auch der Dachauer Landrat wurde für die Stärkung der deutsch-polnischen Beziehungen auf kommunaler Ebene geehrt. Der polnische Generalkonsul Jan M. Malkiewicz überreichte Löwl die Auszeichnung Bene Merito, die höchste des polnischen Auswärtigen Amtes.

„Europa, das heißt mehr als gute Autobahnen. Das bedeutet vor allem eines: Frieden!“, hatte Marcin Niedziela bei seinem ersten Besuch als Landrat in Dachau im Mai 2019 gesagt. Dorota Niedziela erinnert sich noch genau an das erste Treffen mit Landrat Löwl. In den Gesprächen, so berichtete sie am Freitag dem Publikum im Schloss, sei es darum gegangen, wie Kinder nach den europäischen Werten erzogen werden können. „Wir müssen eine Welt schaffen, in der für Fremdenfeindlichkeit kein Platz ist“, waren sich Löwl und Niedziela damals sicher.

Unsere Jugend muss fremde Menschen, Kulturen und Länder kennenlernen

In dieser Verantwortung sah der verstorbene Landrat von Oświęcim vor allem die junge Generation. „Unsere Jugend muss fremde Menschen, Kulturen und Länder kennenlernen. Das brauchen wir für Europa“, sagte Marcin Niedziela zu Lebzeiten. Die Begegnung und der Austausch von jungen Menschen war für Niedziela eines der wichtigsten Projekte der Partnerschaft zwischen den beiden Landkreisen.

Ein Herzensprojekt war die internationale Begegnung von Jugendlichen auch für den bereits verstorbenen Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. „Ihr seid nicht verantwortlich, was passiert ist, aber ihr seid verantwortlich, was jetzt passiert“, zitierte ihn die Dachauer Partnerschaftsbeauftragte Marese Hoffman.

Reger Austausch auf verschiedenen Ebenen

In Dachau und Oświęcim gibt es einen regen Austausch auf verschiedenen Ebenen. Zwischen Auszubildenden in den Landratsämtern und Referendaren an den Schulen. Zwischen Feuerwehren, Musikgruppen, Sportvereinen. Und besonders zwischen Künstlern. Seit 33 Jahren verbindet die beiden Landkreise eine tiefe Künstlerfreundschaft. Zu diesem Anlass gab es, wie berichtet, in diesem Sommer eine Kunstausstellung in vier Dachauer Galerien mit 120 Werken von 15 polnischen und deutschen Künstlern.

Die Verbindung zwischen Dachau und Oświęcim lasse sich schwer in Worte fassen, sondern finde ihren Ausdruck am besten in der Kunst, meinte der Partnerschaftsbeauftragte von Oświęcim, Leszek Szuster, der ebenfalls bei der Ehrung im Schloss anwesend war. Ein künstlerisches Symbol für die innige Beziehung zwischen den beiden Landkreisen setzten Schüler an der Greta-Fischer-Schule im Oktober 2018 – mit ihrer Wandmalerei „Peace unites“, was auf Deutsch bedeutet: Friede vereint.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Dachau-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare