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Skulptur „Atlas“ von Markus Lüpertz mit der Reihe „Arkadienmanifest“ im Hintergrund.

Lüpertz-Ausstellung im Rübsamen-Tiefgeschoss

Die antike Sicht auf Dinge

Es ist die zweite Halbzeit von „Wasserturm außer Haus“. Nach Werken von Joseph Beuys holten der Verein Wasserturm und die Galerie Ursula Lochner Bilder und Skulpturen von Markus Lüpertz ins Rübsamen-Tiefgeschoss.

Dachau – Es ist bereits das zweite Mal, dass dort Kunst von Lüpertz gezeigt wird. 2016 war der selbsternannte Malerfürst sogar persönlich bei der Eröffnung zugegen. Heuer hat er es wegen seines vollen Terminkalenders und weil die Ausstellung recht spontan, aber nicht weniger professionell, geplant wurde, nicht hierher geschafft. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier in einer 50 000-Einwohner-Stadt eine so große Ausstellung von einem der bedeutendsten Künstlern des Neoexpressionismus hier haben“, sagte OB Florian Hartmann beim Kunstabend vergangenen Mittwoch und dankte damit dem Organisationsteam.

2016 habe Markus Lüpertz nach einem Spaziergang durch die Dachauer Altstadt auf der Vernissage gesagt: „Beim nächsten Mal im Schloss“, erzählte Gerhard Niedermair vom Wasserturm-Verein. Die über 100 Besucher lachten. „Das sieht ihm ähnlich. Doch ihr habt alles richtig gemacht und die nächste Ausstellung nicht im Schloss gemacht. Er sagt oft solche Dinge und wartet, wie die Leute reagieren“, sagte Professor Raimund Wünsche, Lüpertz‘ enger Freund und langjähriger Direktor der Glyptothek und der Staatlichen Antikensammlungen München.

In einem 30-minütigen Vortrag ließ Wünsche an diesem Kunstabend die Besucher an Markus Lüpertz Denkweise teilhaben. Er betonte vor allem, wie verbunden sein Freund mit der Antike war. Das erkennen Besucher allein an der Reihe „Michael Engel“, die Michelangelos Gemälde in der Sixtinischen Kapelle zitiert. Lüpertz nimmt den Figuren in teils extremen Körperhaltungen jedoch ihre Tiefe, Farbe und teilweise ganze Gliedmaßen. „Markus hat verstanden, dass die Antike kein Realismus war, sondern dass Natur in verbesserter und überhöhter Form dargestellt wurde“, führte Wünsche aus. Geschichten über Götter und Halbgötter wurden stetig verändert, jede Stadt habe ihre eigene Version gehabt. So liebt es auch Lüpertz mit gleichen Motiven immer wieder neue Bilder zu schaffen. Gut zu erkennen in der Reihe „Arkadien“. Die immer gleiche Rückenansicht einer Frau wird in verschiedenen Situationen dargestellt. „Die meisten wissen nicht, dass antike Skulpturen stets angemalt waren. Die Haare der Frauen meist rot, Bärte manchmal blau“, klärte Wünsche auf und erklärte damit, warum Lüpertz’ Bronze-Skulpturen stets bunt angemalt sind. Auch von diesen sind in der aktuellen Ausstellung einige zu sehen. „Atlas“ beispielsweise, wie er die Weltkugel trägt, die „Eule der Athene“ oder „Prometheus“.

Dass Lüpertz, der sich selbst Malerfürst nennt, immer mit Gehstock und maßangefertigten Anzügen auftritt – „alles nur Attitüde“, erklärt sein Freund Reinhold Wünsche. Warum solle er sich auch bescheiden geben? „Ich habe viele Künstler erlebt. Viele, die nach außen hin bescheiden wirkten, waren hintenrum die Arrogantesten“, erzählt er. Lüpertz sei bei den Museumsangestellten stets beliebt gewesen. Das könnte auch an seinem Humor liegen. Der Titel „Zwei von drei Grazien“ für zwei Bilder sei laut Wünsche ein guter Beweis dafür, dass der Künstler stets ein Augenzwinkern übrig hat.

Die Ausstellung

ist noch bis zum 15. April im Kaufhaus Rübsamen im Tiefgeschoss, Pfarrstraße 1, zu sehen. Öffnungszeiten sind täglich von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Miriam Kohr

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