Bagger reißen eine Mauer ein
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Dem Erdboden gleichgemacht: Die letzte Mauer auf dem Papierfabrikgelände an der Ostenstraße

Abrissarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik

Die letzte Mauer ist gefallen

  • Verena Möckl
    VonVerena Möckl
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Bagger haben am Mittwoch das letzte nicht denkmalgeschützte Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der MD-Papierfabrik an der Ostenstraße in Dachau abgerissen.

Dachau – Trümmer bedecken den Boden. Staub liegt in der Luft. Vor wenigen Minuten stand hier noch die Garagenrückwand des ehemaligen Feuerwehrhäuschens, dem letzten Gebäude auf dem MD-Gelände in Dachau. Nun ist die Wand dem Erdboden gleich. Für Adrian Till und Johannes Wirthmüller ein emotionaler Moment. Vor rund einem Monat haben die beiden Künstler von Outer Circle die Wand künstlerisch gestaltet (wir haben berichtet). „Es war uns eine riesen Freude, dass wir unseren Fingerabdruck hinterlassen konnten“, sagt Till.

Künstler widmen Kunstwerk zwei ehemaligen Fabrikmitarbeitern

Ein emotionaler Moment für Sepp Baur. 

Ihr Gemälde widmeten die beiden Künstler den ehemaligen Mitarbeitern der Papierfabrik Friedrich Thoma und Sepp Baur. Letzterer war für die Künstler der wichtigste Korrespondent auf dem Gelände. „Er hat den Schritt gewagt, uns hier Möglichkeiten zu eröffnen“, erklärt Wirthmüller. „Ohne ihn wäre auf dem Gelände von unserer Seite nicht viel passiert.“ Outer Circle ist auf eine besondere Art mit dem Gelände verbunden. Für die Künstler sei der Ort „ein langjähriger Spielplatz“ gewesen, so Till. Denn während der Abbrucharbeiten hatten sie das MD-Gelände, speziell die Freisinger Straße, mit ihrer Graffiti-Kultur entscheidend geprägt. „Bei unserem Gemälde geht es um die Historie der Papierfabrik, die Verarbeitung von Papier und den Abriss“, erklärt Till – kurz bevor zwei Bagger, das Kunstwerk schließlich zerstören.

Das Spektakel lockte interessierte Zuschauer an

Rund 30 Zuschauer waren gekommen, um den Abriss live zu verfolgen. Im Anschluss konnten sie Bruchstücke der historischen Mauer als Andenken mitnehmen. 

Rund 30 interessierte Zuschauer hatten sich an der Ostenstraße versammelt, um den Abriss der letzten Mauer zu beobachten. Auch Kinder waren gekommen, die das Spektakel gespannt verfolgten. Nach den Abrissarbeiten hatten die Besucher noch die Möglichkeit, sich aus den Trümmern ein Stück der Mauer auszusuchen und als Andenken mit nach Hause zu nehmen. So auch Sepp Baurs Enkel, der stolz ein Stück der farbigen Mauer vor sich hertrug.

So geht es mit dem Gelände weiter

„Es ist ein historischer Moment“, sagt Thomas Schächtl, Pressesprecher der Isaria. Für die Projektentwicklungsfirma markiert der Abriss der letzten Mauer den Abschluss der oberen Abrissarbeiten, die eineinhalb Jahre in Anspruch nahmen. „Nun kann der Wiederaufbau beginnen“, verkündet David Christmann, Geschäftsführer der Isaria. Die Projektentwicklungsgesellschaft wandelt das ehemalige Papierfabrik-Gelände in den nächsten Jahren in ein modernes Stadtviertel um. Im künftigen Mühlbachviertel soll es neben Wohngebäuden, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants auch Grünflächen und Gewässer mit einer Uferpromenade geben.

Die schwierige Arbeit, so Christmann, stünde noch bevor: Der unterirdische Mühlbach-Kanal muss in vier Abschnitten in ein neues Bach-Bett gelegt werden, um den Boden zu sanieren. Später wird er wieder zurückverlegt. „Der Fluss soll oberirdisch durch das neue Viertel verlaufen“, erklärt Christmann. Der Isaria-Chef hofft, mit den unterirdischen Arbeiten im nächsten Jahr fertig zu sein. „Ob wir 2023 direkt mit dem Aufbau des neuen Stadtquartiers starten, liegt am Dachauer Stadtrat“, sagt er. Der Bebauungsplan müsse nämlich noch ausgearbeitet werden.

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