+
Die Diskussionen um das MD-Gelände gehen weiter.

Bauausschuss

MD-Gelände: Nicht wieder bei Null anfangen

Dachau  Mehr Bürgerbeteiligung, mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Konsens – das will ein Münchner Institut für das Bauprojekt am MD-Gelände schaffen. Doch die meisten Mitglieder des Bauausschusses waren vor allem eines: skeptisch.

Fast eine Stunde lang stellten Ingegerd Schäuble und ihre Kollegin ihr Konzept vor und standen Rede und Antwort. Auf Einladung des Bauamts waren die Damen des Münchner Schäuble- Instituts für Sozialforschung in den Bauausschuss gekommen, um den Stadträten ein Partizipationskonzept für die Zukunft des MD-Geländes schmackhaft zu machen. Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich große Ziele: mehr Bürgerbeteiligung, mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Konsens. Das Institut will vermitteln zwischen allen, die an dem Mammutprojekt im Zentrum Dachaus beteiligt sind – um eine für alle möglichst zufriedenstellende Lösung zu finden.

Doch wie genau dieses „konsensuale Vorgehen“ im Dachauer Fall aussehen soll, blieb in den ersten Ausführungen noch sehr vage. Anhand eines abstrakten Beispiels spielten die Referentinnen ihren Ansatz durch. Einen zeitlichen Rahmen für den Dachauer Fall konnte Ingegerd Schäuble auch noch nicht bieten. „Wir sind hier noch in der Vorbereitungsphase“, sagte sie. Erst im Dezember sei die Stadtverwaltung an ihr Institut herangetreten. Vorstellen könne sie sich als ersten Schritt eine große Infoveranstaltung, bei der alle interessierten Bürger ihre Wünsche an das Projekt formulieren können.

Skepsis im Bauausschuss

Wohl auch, weil in dem ersten Vortrag wenig bis gar nichts Konkretes zur Sprache kam, war den Mitgliedern des Bauausschusses eine gewisse Skepsis anzumerken. „Mich beschleicht ein leichtes Unbehagen“, sagte Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) und wies auf die vielen Arbeitsstunden der integrativen Stadtentwicklung hin, wo man sich bisher um den Dialog mit der Bürgerschaft gekümmert hat. Damit widersprach sie auch OB Florian Hartmanns (SPD) Vorwurf, dass die Bürgerbeteiligung schon viel früher angepackt hätte werden müssen. „Wir haben das sehr wohl praktiziert“, betonte Schmidt-Podolsky. Durch die Blume formulierte die CSU-Fraktion eine grundlegende Frage in Richtung des neutralen Moderationsteams: Brauchen wir Euch überhaupt?

Quer durch die Fraktionen befürchteten die Bauausschussmitglieder, dass die Planung mit einem solchen Konzept wieder von vorne beginnen würde. Dem widersprach Bauamtsleiter Michael Simon. Ausgangspunkt sei der Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs, erstellt vom Architekturbüro Trojan, Trojan und Partner. Diese Grundlage bleibe bestehen. Auch wenn Kai Kühnel (Bündnis) anmerkte, dass der Planungsentwurf noch nicht alle Wünsche berücksichtige und durchaus noch Potenzial für mehr Konsens habe.

Günter Heinritz (SPD) stellte daraufhin die Frage, was denn an der Planung überhaupt noch zu beeinflussen sei. Trotz des Entwurfs seien noch nicht alle Eckdaten festgezurrt, klärte OB Hartmann auf: „Es gibt noch viele Unbekannte.“ Zur Debatte stehen etwa noch „das Mischverhältnis von Arbeiten und Wohnen oder das Höhenverhältnis“, erklärte Bauamtsleiter Simon. Verkehrsplanerisch hingegen stehe das Gerüst, und daran ließe sich auch nicht mehr viel rütteln.

Keine "Weihnachtswunschzettelaktion"

Deswegen stellte auch Ingegerd Schäuble am Ende noch einmal klar: „Unsere Initiative wird keine Weihnachtswunschzettelaktion.“ Sie will keine falschen Hoffnungen wecken. Ein planerischer Kurswechsel um 180 Grad ist nicht zu erwarten. Simon bat das Institut, ein konkretes Konzept für eine Dialogstrategie in Bezug auf das MD-Gelände vorzulegen, über deren Verwirklichung der Bauauschuss dann beschließen soll. Das kollektive Kopfschütteln bei der CSU-Fraktion lässt vermuten, dass Ingegerd Schäuble für eine Zustimmung noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten muss.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Burschen klauen nachts Maibaum - erst mittendrin merken sie, wem er wirklich gehört
Die Burschen aus Prittlbach haben in Indersdorf einen Maibaum geklaut. Doch nicht irgendeinen, wie sie mittendrin bemerkten.
Burschen klauen nachts Maibaum - erst mittendrin merken sie, wem er wirklich gehört
Behörden verbieten Osterfeuer - der Grund ist absurd
Seit 40 Jahren brennen die Arnbacher Burschen in der Sandgrube hinter dem Sportgelände das Osterfeuer ab. Heuer untersagen die Behörden diese Tradition. Weil eine …
Behörden verbieten Osterfeuer - der Grund ist absurd
Vermittler zwischen Patient und Klinik
Als Ergänzung zu ihrem Beschwerdemanagement haben die Helios Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf nun eine sogenannte Ombudsstelle eingerichtet.
Vermittler zwischen Patient und Klinik
Protest gegen das „Quartier Rosenstraße“
Die Anwohner des Neubaugebiets Rosenstraße in Petershausen haben 260 Unterschriften gesammelt und widersprechen damit der Projektplanung für das „Quartier Rosenstraße“. 
Protest gegen das „Quartier Rosenstraße“

Kommentare