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Gefährlich für die Patienten: Die Pflegekräfte im Dachauer Krankenhaus sind immer noch überlastet.

Amper-Klinikum Dachau weiter in der Kritik

Mehr Pflegekräfte sind nicht auf dem Markt

Nach wie vor ist dasPflegepersonal des Helios Amper-Klinikums Dachau überlastet. Allen Besserungsbeteuerungen der Krankenhausleitung zum Trotz. Die Gewerkschaft ver.di sowie der Betriebsrat schlagen erneut Alarm. Wie schlimm es im Haus am Weblinger Hang aussieht, zeigt der aktuelle Fall einer Patientin.

Dachau Seit September vergangenen Jahres berichten die Dachauer Nachrichten immer wieder über Pflegemissstände am Dachauer Krankenhaus. Ein Sieben-Punkte-Plan der Klinikleitung, der unter anderem die Aufstockung des Personals vorsieht, soll Abhilfe schaffen. Bislang ohne Erfolg.

Kommunikation mit Pfleger ist schwierig

Seit Montag vergangener Woche liegt eine alte, pflegebedürftige Dame aus dem Landkreis Dachau in einem Bett des Amper-Klinikums Dachau. Ein Harnweginfekt zwingt die halbseitig gelähmte Frau dazu. „Ich bin entsetzt, was da abgeht“, sagt die Tochter der Patientin. Schon die Aufnahme dauerte Stunden. „Ich habe meine Mutter irgendwann in einer dunklen Ecke entdeckt“, so die Tochter. Als die Patientin auf die Station verlegt worden war, wollte die Tochter, selbst Krankenschwester, nachhaken, ob ihrer Mutter die richtigen Antibiotika verschrieben wurden. Nach ihren Angaben traf sie auf einen ausländischen Pflegehelfer. „Ich konnte mich ihm gegenüber nicht verständlich machen“, so die Tochter. 

Mutter bekommt die notwendigen Antibiotika nicht

Als sie in den folgenden Tagen ihre Mutter besuchte, erfuhr sie von ihr, dass weder am Mittwoch noch am Donnerstag die notwendigen Antibiotika verabreicht worden waren. Erst am Freitag erhielt die alte Dame, die geistig voll auf der Höhe ist, diese Medikamente. Indes: Die dazugehörigen Blutverdünner fehlten in der Medikamentenbox. Und: Die Patientin hatte zwischendurch große Schmerzen, weil der Schlauch des Blasenkatheters zeitweise abgeknickt war, was jedoch niemand bemerkt hatte. „Das ist eine Vollkatastrophe“, meint die Tochter. Eigentlich sollte sie ihre Mutter am Samstag wieder mit nach Hause nehmen. Doch die alte Dame liegt bis heute im Amper-Klinikum.

Beschäftigte der Krankenhäuser können wegen Überlastung nicht alle vorgeschriebenen und notwendigen Aufgaben ausführen. Darauf weist ver.di im Rahmen des bundesweiten Aktionstags „Händedesinfektion“ am heutigen Dienstag hin. In einer Presseerklärung gestern kritisierte die Gewerkschaft erneut die Zustände im Pflegebereich am Helios Amper-Klinikum Dachau.

Günnel: „Die jetzigen Mitarbeiter sind schon länger überlastet“

Laut ver.di müssten sich die Beschäftigten des Dachauer Krankenhauses drei Mal so oft die Hände desinfizieren, als es bislang der Fall ist. Bei 50 bis 70 Patientenkontakten täglich würden dafür in der Dachauer Klinik bis zu 28 zusätzliche Beschäftigte erforderlich sein. Dies ergebe sich aus Berechnungen auf der Grundlage der vorgegebenen Hygienevorschriften, deren Einhaltung die „Aktion Saubere Hände“ seit Jahren fordere.

„Wir tun alles dafür, die Menschen bestmöglich zu versorgen und zu pflegen“, betont Thomas Günnel, Betriebsrat im Dachauer Amperklinikum. „Aber mit noch so viel Einsatz können wir nicht ausgleichen, dass an allen Ecken und Enden Personal fehlt. Die jetzigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind schon länger überlastet.“

Helios: „Auf dem Arbeitsmarkt gibt es kein Personal“

Das Helios Amper-Klinikum Dachau wehrt sich gegen die Vorwürfe von ver.di. „Die durch Verdi immer wieder geforderten zusätzlichen Arbeitskräfte für die Pflege sind in dem geforderten Umfang auf dem Arbeitsmarkt nicht vorhanden. Insofern wird hier vonseiten der Gewerkschaft eine aus unserer Sicht unehrliche Debatte geführt. Wir müssen sinnvollere und wirksamere Lösungen finden, als Personal zu fordern, das es jedenfalls in diesem Umfang auf dem Arbeitsmarkt nicht gibt“, teilt das Krankenhaus mit.

Tochter: „Die Die Überlastung der Pflegekräfte ist gefährlich für meine Mutter“

Man arbeite deshalb intensiv an Strategien, Mitarbeiter in der Pflege zu entlasten. „Unser Weg ist, die Arbeitsabläufe und Strukturen innerhalb unserer Kliniken so zu organisieren, dass Überlastung und Überforderung reduziert werden, vor allem durch eine verbesserte Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen und durch die Etablierung von Berufsgruppen, die die Pflege entlasten, zum Beispiel Serviceassistenten“, schreibt Helios weiter. Klar sei: Die Veränderungen im deutschen Krankenhauswesen würden insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege, ein besonders hohes Maß an Veränderungsbereitschaft abfordern.

Ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit des Pflegepersonals ab sofort fordert die Tochter der alten Dame. Sie sagt: „Fakt ist: Die Überlastung der Pflegekräfte ist sehr gefährlich für die Gesundheit meiner Mutter.“

Von Thomas Zimmerly

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