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"Angielisten" ein Herz und eine Kehle

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Ein Blick ins Bierzelt © Christian Chymyn

Dachau - Angela Merkel hat am Dienstag das Festzelt in Dachau besucht - und dabei die Sympathien gewonnen. Die Anwesenden waren am Ende ein Herz und eine Kehle.

Rund um die Thomawiese war jedes Fleckchen, das so aussah, als könnte man sein Auto draufstellen, zugeparkt. Die Kanzlerin mobilisierte die Massen. Derart, dass das große Festzelt aus allen Nähten platzte. Einlassstopp hieß es bald. Wer zu spät kommt, den bestraft nicht das Leben, sondern die Security. Das große Murren blieb aus. Angie hören statt sehen, war das Alternativprogramm. Und mancher, der über lange Arme und eine sportliche Ausbildung verfügt, versuchte über die Köpfe des Wachpersonals hinweg ein Foto von der Protagonistin des Abends zu schießen.

Aber auch wer drin war und einen Sitzplatz ergattert hatte, war bisweilen unglücklich. „Hey, verschwind’!“ „War Dein Vater Glaser, schleich Dich!“ Weil viele „Angielisten“ zwar ins Zelt, jedoch dort keinen Platz für ihre vier Buchstaben fanden, standen sie oft im Weg herum.

Als die Kanzlerin aufs Podium schritt, setzten die meisten ihre Bierkrüge ab. Angie winken, statt trinken. Als die Kanzlerin sprach, versiegte der Bierfluss beinahe. „Mei, einen Stress ham mir koan“, meinte eine Bedienung lächelnd, „und wenn der Spaß vorbei is, erst recht ned. Dann hau’n die doch alle ab.“

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Das taten die Dachauer nicht. Man merkte: Sie mögen die Frau im Hosenanzug und dem merkwürdig gebeugten Gang. Nach der gut 40-minütigen Rede taten nur ganz wenige so, als wären sie auf der Flucht und huschten auf leisen Sohlen von dannen. Die allermeisten huldigten der CDU-Chefin, sehr viele stehend. Zuvor fiel auf, dass die Dachauer immer dann in Wallung gerieten, als Merkel die Worte „bayerisch“ oder „die Bayern“ formte. Das zündete. Da wurde im Zelt die „Bayerische Einheit“ zelebriert. Und als Merkel mit feiner Ironie die Grünen wegen deren Forderung nach einem Vegetariertag maßregelte („Ich bin eine Pastorentochter. Bei uns kam freitags nie Fleisch auf den Tisch, aus religiösen Gründen“), da wurde die Bayerische zur Deutschen Einheit.

Als das letzte Merkelwort verklungen war, OB Peter Bürgel Merkel offiziell in Dachau willkommen geheißen hatte und nachdem der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Dachau – huschhusch – vollzogen war, intonierte die Taktgeberin Deutschlands samt der lokalen Politprominenz oben auf der Bühne die Bayernhymne. Das Zelt war nun ein Herz und eine Kehle.

Thomas Zimmerly

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