Eine Ostfriesin in Bayern: Jubilarin Meta Krasselt wird heute 100 Jahre alt. foto: nn

Meta Krasselt feiert heute ihren 100. Geburtstag

Geburtstagsfeier auf dem Olympia-Turm

„In Oostfreesland is t am besten“, stimmt Meta Krasselt, die am heutigen Mittwoch in Dachau ihren 100. Geburtstag feiert, die Regionalhymne Ostfrieslands mit der Melodie von „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ an. Trotzdem fühlt sich die lebensfrohe Ostfriesin auch in Bayern pudelwohl.

Dachau – „Mein 100. Geburtstag. Meine Güte!“ Dass die herzensgute und so sympathische Ostfriesin heute diese dreistellige Zahl knacken darf, erscheint ihr selbst wohl noch nicht ganz real. Am 18. April 1918 kam sie im Norden Deutschlands in Emden als Meta Christine Elise Barghoorn zur Welt. Von ihren drei Geschwistern lebt nur noch die 13 Jahre jüngere Schwester Erna. Ihre erste Schwester, im Jahr 1919 geboren, starb bereits 1998. Bruder Walter fiel im Zweiten Weltkrieg.

Das Wohnhaus der Familie Barghoorn wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem großen Angriff auf ihre Heimatstadt vollständig zerstört. „Ich war mit meinen Eltern und Geschwistern im Bunker. Als wir wieder nach oben kamen, war alles weg“, erinnert sich Meta. Auch die Färber-Fabrik ihrer Eltern erlitt bei dem Angriff große Schäden.

Ihren späteren Ehemann Gerhard Krasselt lernte Meta auf einem sehr ungewöhnlichen Weg kennen. „Die Schwester von Gerhard hatte seiner Zeit eine Anzeige in einer Färberzeitschrift geschaltet und eine Frau für ihren Bruder gesucht. Ich habe mich dann auf diese Anzeige gemeldet“, berichtet Meta. „Ich hatte mir gedacht, dass ich in der Färberzeitschrift vielleicht einen guten Färber finden würde, der in der Fabrik meiner Eltern mitanpacken könnte. Am 15. Januar 1948 heirateten wir. Die Fabrik hat es aber leider trotzdem nicht geschafft.“

Meta und Gerhard bekamen zwei Töchter: Christiane und Rosemarie. Bis Ende der 50er-Jahre arbeitete Meta zunächst als Kassiererin bei Hertie und anschließend als Sekretärin bei der IG Metall. „Mit 60 Jahren bin ich dann in Rente gegangen. Mein Chef konnte das damals gar nicht verstehen und war ganz enttäuscht, als ich die Firma verließ“, lacht sie. „Aber da fing eigentlich das Leben erst an!“

Bis 1980 pflegte Meta ihre Mutter, die kurz vor ihrem 89. Geburtstag starb. Im Jahre 1988 verschlug es sie schließlich nach Esting bei Olching, wo sie 23 Jahre lang lebte, bevor sie schließlich nach Dachau in die Nähe ihrer Tochter Rosemarie zog.

Zu ihr kommt die 100-Jährige mindestens drei Mal die Woche, und dann wird entweder eine „Koppke Tee“ – wie die Ostfriesen zu einer Tasse echten ostfriesischen Tees sagen – getrunken oder Rummy Cup gespielt. Seit wenigen Jahren wohnt Meta ganz in der Nähe ihrer Tochter im Kursana Pflegeheim in Dachau.

„Als ich noch die körperlichen Möglichkeiten dazu hatte, bin ich unglaublich gerne gereist!“, sagt Meta Krasselt. Und Tochter Rosemarie pflichtet der Mutter bei: „Man glaubt kaum, wo Du überall gewesen bist. In Tunesien, Marokko, auf Kreta, in Amerika oder auch in England. Sogar auf Kreuzfahrtschiffen warst Du unterwegs.“

Dennoch, betont die 100-Jährige, sei sie ein heimatverbundener Mensch geblieben, der zwar gerne in Bayern lebt, wie sie betont, aber dennoch immer wieder in die alte Heimat Emden fahre.

Die Jubilarin hat stolze fünf Enkelkinder: Hilko und Sikko wohnen beide in München, ihre anderen drei Enkel, Jan, Annette und Steffen, leben in Bremerhaven. Doch damit nicht genug: Die Jubilarin hat auch noch vier Urenkel. „Das kann nun wirklich nicht jeder von sich behaupten, und ich bin glücklich, dass ich es erleben darf!“, sagt sie. Die 15-jährige Luzi kam extra vor dem 100. Geburtstag zu ihrer Urgroßmutter, um ihr die Nägel für ihren Ehrentag zu lackieren.

Am heutigen Ehrentag will Meta Krasselt im Kreise ihrer Familie im Restaurant des Olympia-Turms in München Essen gehen. „Damit ich alles wieder von oben sehen kann. Und dort dreht es sich dann auch so schön!“ Ein ähnlich großes Fest wie im vergangenen Jahr zu ihrem 99. soll es aber nicht mehr geben: Damals ließ die Jubilarin sogar 99 Luftballons mit 99 Karten daran steigen. Immerhin zehn der 99 Karten kamen Wochen später sogar zurück!

Gesundheitlich geht es Meta Krasselt gut, auch wenn sie leider nicht mehr laufen kann. „Wenn ihr aber jemand neue Beine gäbe, dann würde sie sofort wieder laufen wie ein Hase“, meint ihre Tochter, woraufhin sich Meta ein Lachen nicht verkneifen kann und zustimmend nickt.

„Wissen Sie“, sagt Meta Krasselt zum Abschluss scherzend und nippt noch einmal an ihrer Tasse, „ich glaube, ich bin überhaupt nur wegen des guten ostfriesischen Tees so alt geworden! Das ist sicher ein Geheimrezept.“ Und in diesem Fall stoßen die Anwesenden heute sicherlich ebenso gerne mit einer Tasse Tee anstelle eines Gläschen Sekts auf den 100. Geburtstag der Jubilarin an!

Nathalie Neuendorf

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