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Am vorletzten Geschäftstag, klingelte noch einmal die Kasse, weil viele Kunden auf Vorrat einkauften.

Vor der Schließung am morgigen Samstag

Leberkäs-Melancholie: Dachauer verabschieden sich von der Metzgerei Gasteiger 

Ist doch nur ein Metzger, der da schließt. Von wegen. Wer dachte, die Dachauer würden die Schließung „ihres“ Altstadt-Metzgers Gasteiger zwar traurig, aber ohne großes Aufsehen hinnehmen, der wurde am heutigen Freitag, dem vorletzten Verkaufstag, eines besseren belehrt. Für Viele ist Gasteiger eine Institution.

Dachau – Ein mehr als voller Parkplatz, Kunden, die bis auf die Straße stehen, im Akkord werden Leberkassemmeln belegt, und Kunden kaufen ein, als gäbe es ab morgen per Dekret kein Fleisch mehr zu kaufen, als stünden fünf Feiertage am Stück an oder als gäbe es keinen anderen Metzger mehr in Dachau.

Leberkässemmeln im Akkord machten die fleißigen Verkäuferinnen in der Metzgerei Gasteiger.

Gibt es schon, aber der Gasteiger-Metzger, der am Samstag völlig überraschend schließt, war eben nicht irgendein Metzger. Berühmt der Schweinsbraten zur Mittagszeit jeden Dienstag, berüchtigt die gern in Kauf genommenen Schlangen und umso trauriger jetzt, das plötzliche Ende.

Der Juniorchef Hans-Peter Gasteiger fällt wegen eines operativen Eingriffs länger aus, Senior Chef Hans-Peter Gasteiger und seine Frau Maria sind schon weit über 70, können und wollen das Geschäft nicht alleine leiten wie früher, denn: „Um unsere bekannte Qualität aufrechtzuerhalten, reicht es nicht nur mit halber Kraft dabei zu sein“, erklärt Maria Gasteiger. Leicht gemacht haben sie es sich nicht. Sie suchten einen Nachfolger, doch „Nachwuchs in diesem Bereich zu finden, ist fast unmöglich“. Fachkräfte im Metzgereiwesen werden händeringend gesucht – kein Wunder also, dass die meisten Verkäuferinnen bereits eine neue Stelle in Aussicht haben, wie Maria Gasteiger berichtet.

„Der Pizzaleberkäs hier ist schon legendär bei uns im Betrieb“, berichtet ein Handwerker, der mit seinen Kollegen in der Schlange steht, um ihn sich ein letztes Mal zu kaufen. Der gleiche Plan reifte bei uns in der Redaktion: wie in guten alten Zeiten Leberkässemmeln für alle Kollegen zu holen. Angekommen beim Gasteiger dann die Erkenntnis: Man ist wohl nicht alleine mit dieser Idee. Zwar war beim Gasteiger um die Mittagszeit nie wenig los, doch der Ansturm an diesem Tag toppt alles.

Den Verkäuferinnen ist eine Mischung aus Stress auf Grund des Ansturms, Freude über die große Anteilnahme und Melancholie wegen des nahen Endes anzusehen. Fast jeder Kunde wird hier mit Nachnamen verabschiedet. Ein Kunde hat Blumen mitgebracht, eine anderer, Ingrid Rabl, die bis aus Altomünster angefahren kam, kauft für 150 Euro Weißwürste, Salami und Fleisch ein. Das ist aber noch nicht die höchste Summe, die Verkäuferin erzählt zwischen dem unablässigen Leberkässemmelnmachen in Akkordarbeit von einer Kundin, die am Donnerstag für 300 Euro einkaufte, um die Gefriertruhe mit Vorräten zu füllen.

Die Liebe der Dachauer für die schließende Metzgerei nimmt teilweise groteske Züge an, eine Kundin fragt geheimnisvoll, fast flüsternd, ob sie etwas von der „leckeren Gewürzmischung“ haben könne (darf sie nicht), andere kaufen – so wie Ingrid Rabl – einfach nur in großen Mengen ein um, so wirkt es, sich noch so lange wie möglich, und sei es in Form von eingefrorenen Weißwürsten, an eine Dachauer Institution zu erinnern, die jetzt verschwindet.

Aljoscha Huber

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