71-jährige wegen Betrugs vor Gericht

Die miesen Tricks der „Cash-Oma“

Gestern hat sich vor dem Schöffengericht Dachau ein bemerkenswerter Prozess abgespielt. Im Mittelpunkt: Eine Rentnerin (71), die laut Anklage zwei Frauen um über 400 000 Euro betrogen haben soll und sich von einer Bank hohe Kredite erschleichen wollte (wir berichteten). Die Tricks, die die Angeklagte anwendete, sind an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Dachau – Die Angeklagte hatte bei einer Bank Schreiben über Mieteinnahmen oder Renteneinkünfte vorgelegt; alle gefälscht. Damit wollte sie sich zwei Darlehen über 30 000 beziehungsweise 50 000 Euro verschaffen. Weiter hatte die Dachauerin einer leichtgläubigen Mutter (71) und deren nicht minder leichtgläubigen Tochter (49) laut Anklage über 400 000 Euro abgeschwatzt; in bar, verteilt auf 41 Tranchen. Ihr Versprechen, das Geld zu 12,5 Prozent Zinsen bei einer Versicherung anzulegen, hielt sie nicht ein. Stattdessen legte sie ihren Bekannten lediglich Policen vor; alle gefälscht. Die Geprellten wurden so um ihr gesamtes Geld gebracht.

Mitten im Tatzeitraum (2015 und 2016) hatte sich die „Cash-Oma“ ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück in der Gemeinde Bergkirchen gekauft; heute Bauland und einen „guten siebenstelligen Betrag“ wert, so Vorsitzender Richter Christian Calame.

In der Hauptverhandlung gestern hielt Calame einen dicken Packen Bankauszüge der 71-Jährigen in Händen. Aus den Blättern ging hervor, dass sie in der Vergangenheit unentwegt Gelder zwischen ihren zahlreichen Konten bei zahlreichen Banken hin und her transferierte, um so die erschwindelten Bargeldeingänge zu verschleiern.

Aufgeflogen waren die Darlehen-Deals, weil eine Bankangestellte die Fälschungen erkannte. Die Bargeld-Abzocke kam ans Licht, weil sich Mutter und Tochter einer Bekannten anvertrauten, die zu einer Anzeige riet.

Wer erwartet hatte, im Gerichtssaal auf eine reumütige ältere Dame zu treffen, der sah sich getäuscht. Zwar gab die resolut auftretende Angeklagte die Urkundenfälschungen weitestgehend zu und zahlt Mutter und Tochter derzeit nach einem außergerichtlichen Vergleich Geld in Raten (Höhe unbekannt) zurück. Ansonsten faselte sie von irgendwelchen Mietverträgen mit irgendwelchen Herren, jonglierte mit unterschiedlichen Summen ihre Einnahmen betreffend und behauptete, von Mutter und Tochter „nur“ 232 000 Euro erhalten zu haben. Schließlich gab sie noch zu Protokoll, dass sie die Darlehen locker hätte bedienen können. Eine Vermögensgefährdung der Bank habe nie vorgelegen.

Die Ausführungen der „Cash-Oma“ verwirrten Gericht, Staatsanwältin und Verteidiger Joachim Schwarzenau derart, dass der Anwalt um eine Beratungsunterbrechung bat. Nach Tumulten auf dem Gang – die Angeklagte soll von einigen Zuhörern „instruiert“ worden sein, so Schwarzenau – trafen sich alle wieder im Saal. Der Verteidiger stellte den Antrag, dass ein Gutachter die genaue Vermögenslage der 71-Jährigen ermitteln soll. Staatsanwältin und Gericht stimmten erleichtert zu. Der Prozess wird fortgesetzt.

Thomas Zimmerly

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