+
Der Herr der Turbine: Stefan Siegl neben einer der neuen Großturbinen im Dachauer Kraftwerk.

Millionen-Investition in Dachauer Kraftwerk

Jetzt wird jeder Tropfen Wasser genutzt

  • schließen

Nach über zweijähriger Bauzeit haben die Stadtwerke die Großrevision ihrer Turbinen im Wasserkraftwerk Dachau abgeschlossen. Kosten: 2,5 Millionen Euro. Doch für das über 65 Jahre alte Gebäude stehen weitere teure Sanierungsmaßnahmen an.

Dachau – Anstatt wie sonst im Sitzungsraum der Stadtwerke zu tagen, hat der Werkausschuss des Stadtrates sein jüngstes Treffen verlegt: Vor Ort, im Wasserkraftwerk Dachau, wollte sich das Gremium vom Erfolg der 2,5 Millionen Euro teuren Großrevision der beiden Turbinen überzeugen.

Norbert Liebeck, Abteilungsleiter für Abwasser- und Anlagenbetrieb bei den Stadtwerken Dachau, übernahm die Führung der Stadträte. Unterstützt wurde er von Werkleiter Gerald Nübel sowie der guten Seele der Anlage, Maschinenschlosser Stefan Siegl.

Die wichtigste Nachricht lieferte Liebeck gleich vorweg: Mit der Maßnahme erhöhen die Stadtwerke die Leistung des Wasserwerks um bis zu zehn Prozent beziehungsweise rund eine Million kWh jährlich. Hatten bislang die im Dachauer Wasserkraftwerk beschäftigten Mitarbeiter die Maschinen noch manuell bedienen müssen, regelt nun ein Computer den Betrieb. Siegl und Co. sind nun „nur“ noch mit der Wartung betraut, aber: „Wir müssen schon noch schauen, was der Computer macht. Da gibt es viele Sensoren, die viele Probleme machen können“, so Siegl. Durch automatisierte Wasserstandsregelung und Maschinenbetrieb sei es nun aber möglich, tatsächlich „jeden Tropfen“ zu verstromen; laut Liebeck fließt kein „Wasser mehr ungenutzt über das Wehr“.

Die beiden Turbinen aus dem Baujahr 1951 ganz auszutauschen wäre Gerald Nübel zufolge nicht wirtschaftlich gewesen. Stattdessen begnügte man sich damit, die Maschinenhülle an sich zu belassen. Getauscht wurden lediglich Turbinenlager sowie die Erregermaschinen für die beiden Generatoren. Und schon dies war äußerst aufwändig: Nach der Demontage wurden der Reihe nach der Rotor, der Stator, die komplette hydraulische Steuerung sowie die Turbinenwelle mit Laufrad und Leitapparat ausgebaut. Allein die Turbinenwelle wiegt Liebeck zufolge neun Tonnen, „das entspricht in etwa dem Gewicht von sechs Pkw“! Ein Spezialkran und weitere Maschinen seien nötig gewesen, um das Teil zu transportieren.

Angesichts des Aufwands betont Nübel: „Wir haben nur erneuert, was wirklich erneuert werden muss!“ Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl habe die Automatisierung des Wasserwerks nicht. Da die Maschinen nun erheblich leiser liefen, könnten die Mitarbeiter stattdessen wesentlich angenehmer arbeiten und hätten „mehr Zeit für tägliche Routinearbeiten, um den laufenden Betrieb der Anlage sicherzustellen“.

Seit Januar arbeiten die beiden runderneuerten Turbinen nun im Vollbetrieb, nach über zweijähriger Bauzeit. Dennoch wird das Wasserwerk noch für längere Zeit eine Baustelle bleiben. Liebeck formulierte es so: „Wir sind jetzt erst mal fertig, aber ganz fertig sind wir noch nicht!“ Denn nun geht es weiter mit der Erneuerung der Bodenfliesen in dem sechseinhalb Jahrzehnte alten Gebäude, Sanierungsarbeiten unter anderem am sogenannten Leerschuss – wofür bereits rund 2 Millionen Euro eingeplant sind – sowie am Dach der Anlage.

Übrigens: Der durch Wasserkraft erzeugte Strom ist rein ökologisch. Zudem gibt es laut Werkleiter Nübel keine ölführenden Leitungen und Füllungen in den wasserberührten Teilen der Turbinen mehr. „Damit leisten wir einen weiteren Beitrag, die Wasserqualität der Amper zu verbessern!“ Langfristig wollen die Stadtwerke zudem die Kraftwerke in Günding und am Mühlbach einer Revision unterziehen – und ebenfalls automatisieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Parkgebühren bringen Kolbe auf die Palme
Es gibt gute und schlechte Nachrichten für die Besucher des Karlsfelder Sees: So wird etwa die Badesaison verlängert, und es wird mehr Grillzonen geben. Im Gegenzug wird …
Parkgebühren bringen Kolbe auf die Palme
Der Motorradfahrer kann sich nun bei seiner Ersthelferin bedanken
Die junge Frau, die vor einer Woche, am Freitag, 13. April, dem verunglückten 28-jährigen Motorradfahrer zur Seite stand, ist bekannt. Die Polizei meldete sich direkt am …
Der Motorradfahrer kann sich nun bei seiner Ersthelferin bedanken
VW-Bus brennt am Straßenrand: Fahrerin und Hunde in Sicherheit
In der Pollnstraße in Dachau-Ost ist am Donnerstagvormittag ein VW-Bus in Brand geraten, wie die Polizei mitteilte. Die Fahrerin konnte sich und ihre beiden Hunde noch …
VW-Bus brennt am Straßenrand: Fahrerin und Hunde in Sicherheit
Seit einem Jahr bleibt ihr Briefkasten leer - Post ist Anfahrt zu gefährlich 
50 Jahre lang hat es keine Probleme gegeben. Doch seit einem Jahr ist Schluss. Gertraud Krautheim (69) aus Altomünster bekommt keinen Brief mehr zugestellt. Die Gründe …
Seit einem Jahr bleibt ihr Briefkasten leer - Post ist Anfahrt zu gefährlich 

Kommentare