Hurra, endlich fährt er! Dagmar Böhme und die Kinder freuen sich über den neuen Aufzug. sue

Kindergarten St. Hildegard in Dachau-Ost

Nach elf Jahren geht es endlich aufwärts

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Dachau - Ganze elf Jahre lang hat der Kindergarten St. Hildegard in Dachau-Ost um einen Aufzug gekämpft. Erst ein Brief, der persönlich an den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, übergeben wurde, machte den Einbau möglich. Am morgigen Freitag wird der heiß ersehnte Fahrstuhl feierlich in Betrieb genommen.

„An diesem Projekt haben wir wirklich lange gearbeitet. Und lange heißt in diesem Fall Jahre, genau elf Jahre“, berichtet die Leiterin des kirchlichen Kindergartens St. Hildegard in Dachau-Ost, Dagmar Böhme. Die zweistöckige Betreuungseinrichtung befindet sich in einem alten Gebäude aus den 60er Jahren. Es gab lediglich einen Speisenaufzug, der vom Erdgeschoss in den ersten Stock geschickt werden konnte. Doch als das erste Mal ein Kind, das auf einen Rollstuhl angewiesen war, in den Kindergarten kam, wurde deutlich, wie wichtig ein Personenaufzug ist. Denn: „Die Erzieherinnen haben das Mädchen und dessen Rollstuhl stets die Treppe hinauf und herunter getragen“, sagt Böhme. Denn natürlich wurde das Kind in einer Gruppe im Erdgeschoss betreut, aber der Bewegungsraum befindet sich ein Stockwerk höher. Und auch wenn behinderte Kinder nicht mitturnen können, sollen sie dennoch an der Turnstunde teilhaben können, „da, wo es eben geht“, so die engagierte Leiterin. Deshalb kämpfte Böhme zusammen mit ihrem Team um einen Fahrstuhl. Doch das war alles andere als einfach.

„Wir haben immer wieder Anträge an das erzbischöfliche Ordinariat geschickt, aber nie eine Antwort bekommen.“ Auch, als der Kindergarten saniert wurde, wurde der Aufzug nicht eingebaut. „Zu teuer“, sagt Böhme. Doch die Erzieher gaben nicht auf. Zudem wurden sie seit 2006 von einem Förderkreis unterstützt, der sich das Thema Inklusion auf die Fahne geschrieben hat.

Erst beim 50-jährigen Kirchenjubiläum der Pfarrei Heilig Kreuz im Jahr 2014 kam Schwung in die Sache. Denn dazu kam Erzbischof Reinhard Marx nach Dachau. Und diese Chance nutzte Dagmar Böhme: Sie hatte eine kurze Geschichte geschrieben über ein Mädchen im Rollstuhl, das ihre Einrichtung besucht. Und diese übergab sie direkt Kardinal Marx, „als Gute-Nacht-Geschichte“, so Böhme. In der Geschichte heißt es: „... Es gibt keinen Aufzug. Wie gerne würde ich selbstständig nach oben fahren, denn auch an der Turnstunde darf ich teilnehmen. (…) Aber es bedeutet immer einen größeren Aufwand, zwei Personen sind notwendig und sie dürfen auch keine Rückenprobleme haben. So spüre ich wieder einmal, welche ,Belastung‘ ich dann bin.“ Marx hat den Brief gelesen. Denn schon kurze Zeit später kam eine Antwort, in der es hieß, dass er sich kundig machen werde. „Und schon zwei bis drei Monate später rief das Baureferat an und teilte uns mit, dass wir unseren Aufzug bekommen“, freut sich Böhme.

Bis der Fahrstuhl tatsächlich eingebaut wurde, vergingen dennoch nochmal rund zwei Jahre. Doch nun endlich ist es soweit: Morgen wird der Lift mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht.

Vier Personen kann der Aufzug vom Keller bis in den ersten Stock befördern. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für uns auf dem Weg zur Inklusion“, so Böhme. Und auch das Mädchen im Rollstuhl, das vor vielen Jahren die Wichtigkeit eines Aufzuges vor Augen geführt hatte und jetzt ein Gymnasium besucht, hat inzwischen von dem Lift erfahren. „Sie hat uns ihre Glückwünsche ausrichten lassen“, freut sich die Kindergartenleiterin.

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