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Die Kette der helfenden Hände

Nach Schicksalsschlag: Vater versucht Spagat zwischen Kindern, Beruf und der Pflege seiner Frau zu meistern

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Von heute auf morgen waren der Vater und seine beiden Töchter auf sich gestellt: als die Mutter einen schweren Schlaganfall hatte. Unterstützung erhielten sie von der Familienpflege der Caritas – aber nur eine gewisse Zeit lang. Dabei haben die Mädchen und der Vater die Hilfe dringend nötig.

 

Landkreis– Seit dreieinhalb Jahren ist für Familie G. aus dem Landkreis Dachau nichts mehr, wie es war. Im Sommer 2016 erleidet die Mutter im Alter von 43 Jahren einen schweren Schlaganfall. Nach unzähligen Aufenthalten in Kliniken, auf Reha, Intensivstationen ist sie seit kurzem wieder zu Hause – stark beeinträchtigt. Der Vater ist voll berufstätig, kümmert sich am Abend um Hausaufgaben, Essen, Haushalt, die Pflege seiner Frau. An den beiden Töchtern, sieben und acht Jahre alt, geht die belastende Situation nicht spurlos vorüber. Aber die Familienpflege der Caritas, die den Mädchen so gut tun würde, wird von der Krankenversicherung nicht mehr übernommen.

„Ich versuche, den Spagat zwischen Kindern, Beruf und Pflege meiner Frau zu meistern“, sagt Vater Sebastian G. (Name geändert), 47 Jahre alt. Seit dreieinhalb Jahren ist sein Leben aus den Fugen, sind die Kinder mehr auf Krankenbesuch bei der Mutter, als dass sie mit Freunden spielen. „Das ist nicht das unbekümmerte Leben von Kindern, die draußen herumspringen und sich mit Freunden treffen“, so Sebastian G.

Die Spendenkonten der Kette der Helfenden Hände

Die vergangenen Jahre war seine Frau in vielen Krankenhäusern, wurde mehrmals operiert, lange musste Sebastian G. bangen, ob sie überlebt. Dreimal wurde ihr die Schädeldecke entnommen und wieder eingesetzt, bis es endlich wieder aufwärts ging. Sprachzentrum und Motorik sind stark eingeschränkt. „Sie muss alles neu erlernen.“ Seit wenigen Wochen ist die 47-Jährige wieder zu Hause und arbeitet tagsüber in der Werkstätte für Behinderte der Pfennigparade in Unterschleißheim. „Sie ist rechtsseitig gelähmt, das Gehen ist stark eingeschränkt“, berichtet Sebastian G. Auch die Kommunikation geht nur langsam, weil es oft dauert, bis seine Frau ein Wort findet. „Aber sie nimmt die Kinder in den Arm, und die Kinder nehmen sie in den Arm.“ Alle drei brauchen das sehr, sagt der Vater.

Das Wohl seiner beiden Töchter hatte für Sebastian G. immer höchste Priorität. Große Unterstützung fand er von der Familienpflege der Caritas Dachau (Kasten). Zweimal die Woche kam Ivana Strobel am Nachmittag zu ihnen nach Hause und kümmerte sich um die Kinder, betreute sie fürsorglich, machte alltägliche Dinge mit den beiden Mädchen. Die Kinder schlossen sie ins Herz. „Doch die Krankenkasse übernimmt die Familienpflege nur eine gewisse Zeit, genau wie der Jugendhilfeträger“, erklärt Susanne Frölian, Fachdienstleitung des Bereichs Kinder, Jugend und Familien bei der Caritas Dachau. Vor eineinhalb Jahren war Schluss. Die Kosten wurden nicht mehr übernommen. Aus eigener Tasche kann Sebastian G. die Familienpflege nicht bezahlen.

So versuchten der Vater und seine Töchter, den Alltag aus eigener Kraft zu bewältigen – eineinhalb Jahre lang. „Doch ich stoße an Grenzen“, sagt der Familienvater. „Ich hole die Kinder von der Mittagsbetreuung ab, komme nach Hause, versuche, mich um die Hausaufgaben zu kümmern, die sie nicht geschafft haben, Essen zu machen, pflege meine Frau.“

Wie Susanne Frölian erklärt, habe sich herausgestellt, dass auch die Kinder drunter leiden. „Etwa am Verhalten“, erklärt der Vater, eine Tochter reagiere sehr gereizt bei Kleinigkeiten. Daher habe er sich an die Caritas gewandt. Über Spenden wird nun die Familienpflege finanziert, Frau Strobel kommt seit Dezember wieder zweimal die Woche zu den Mädchen, sie backt Plätzchen mit ihnen, bringt sie zu Freizeitaktivitäten, fängt den Familienalltag auf. „Man merkt jetzt schon, dass die Kinder entlastet sind, dass es ihnen gut tut“, sagt der Vater. Aus der Mittagsbetreuung habe er die Rückmeldung, dass die Kleine wieder öfters lacht.

Dank der Unterstützung durch die Familienpflege haben Kinder und Vater am Ende des Tages wieder mehr Kraft, um sich um ihre Mutter und Ehefrau zu kümmern. „So kann sie wieder stärker in die Mutterrolle hineinwachsen – denn das ist ihr Ein und Alles, die Familie.“

Mit der Kette der helfenden Hände werden viele Familien im Landkreis Dachau unterstützt. 

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