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Zurück ins Leben mit deer Gewalt: Viele Frauen müssen nach dem, Frauenhaus diesen bitteren Weg gehen.

Frauenhaus Dachau

Zurück zum gewalttätigen Mann

Das Frauenhaus ist die letzte Rettung auf der Flucht vor häuslicher Gewalt. Doch viele Frauen gehen mit ihren Kindern wieder zurück zu ihren gewalttätigen Partnern – weil ihnen keine andere Perspektive bleibt.

Dachau – Ein Frauenhaus ist eine soziale Einrichtung, die Frauen und Kindern, die unter häuslicher Gewalt leiden, vorübergehend eine geschützte Unterkunft bietet. Doch von vorübergehend kann in Dachau nicht mehr die Rede sein. Oft bleiben die Frauen über ein Jahr lang in den beengten Räumen – weil es für sie keine Alternative gibt. Bezahlbarer Wohnraum fehlt, Sozialwohnungen sind so rar, dass eine alleinerziehende Mutter oft zwei bis drei Jahre auf eine solche Bleibe warten müsste. Manche resignieren und wählen den Weg zurück – zu den gewalttätigen Partnern.

„Die Frauen haben nur ein Zimmer. Das Haus ist eine Notunterkunft, keine Dauerbleibe“, sagt Birgit van Gunsteren, Sozialpädagogin des Frauenhauses. Für maximal drei Monate ist der Aufenthalt einer Frau im Frauenhaus vorgesehen. „Natürlich setzen wir die Frauen dann nicht auf die Straße. Es wird ein neuer Antrag gestellt – und noch einer und noch einer.“ Oft sind die Frauen schon längst stabil, bräuchten gar keine sozialpädagogische Betreuung mehr. „Aber sie finden einfach keine Wohnung oder können sie sich schlichtweg nicht leisten.“

Das hat natürlich auch für viele gewaltbetroffene Frauen Konsequenzen. „Wir sind ständig belegt und haben keine Möglichkeit, neue Frauen aufzunehmen.“ Schlimmer: Irgendwann entscheiden sich viele Frauen dafür, zu ihren gewalttätigen Männern zurückzukehren – weil sie keine andere Perspektive haben.

2016 sind fünf Frauen nach einem langem Aufenthalt im Frauenhaus zwischen acht und zwölf Monaten wieder zu ihren gewalttätigen Partnern zurück. „Die Frauen haben alles unternommen, um eine eigene Wohnung zu finden. Sie wollten für sich und ihre Kinder ein Leben ohne Gewalt.“ Dass Frauen ihren Partnern nach so vielen Monaten wieder verzeihen, das habe es früher nicht gegeben, sagt Birgt van Gunsteren. „Aber wo sollen die Frauen denn hin?“

Vom Jobcenter erhält eine Frau mit zwei Kindern einen Wohngeldzuschuss von 521 Euro. Für den Landkreis stehen ihr sogar nur 399 Euro zu Verfügung. „Für diese Preise gibt es aber in Dachau keine Wohnungen.“ Hinzu komme laut Birgt van Gunsteren noch, dass viele Vermieter keine Frauen mit Kindern, die Geld vom Jobcenter beziehen, als Mieter in Betracht ziehen.

Auch auf eine Sozialwohnung können die Damen nicht hoffen. Eine Frau mit drei Kindern steht seit sechs Monaten auf der Warteliste für eine Sozialwohnung im Landkreis. „Sie ist von Platz 55 auf Platz 50 vorgerückt. Da kann man sich ausrechnen, wie lange es dauern wird, bis die Frau eine Wohnung bekommen wird.“ Bei der Positionierung auf der Warteliste gibt es Kriterien wie Familenstand, Anzahl der Kinder, momentane Bleibe, ob eine Behinderung vorliegt. „Letztendlich ist es aber eine Einzelfallentscheidung“, erklärt Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamtes. „Je nach Größe der Wohnung wird entschieden, welche Personen geeignet sind.“  

Im Landkreis suchen derzeit 135 Haushalte, also 323 Personen eine Sozialwohnung. „Die Wartezeit beträgt etwa vier Jahre.“ Es gebe einfach zu wenig Sozialwohnungen. „Das Problem ist, dass die wenigsten Gemeinden das Problem rechtzeitig erkannt und Grundstücke für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt haben“, so Reichelt. Was das Problem verschärft, sind Asylsuchende und die enorme Mietkostensteigerung. In den kommenden zwei Jahren sollen aber landkreisweit über 100 Sozialwohnungen hinzukommen. Allein in Karlsfeld entstehen bis zum Frühjahr 2019 deren 79.

Den Frauen im Frauenhaus nützt das jetzt nichts. Für sie bleibt nur noch die Obdachlosigkeit. Oder der Weg zurück. Auch für die Mitarbeiter ist die Situation trostlos. „Es ist schrecklich mit anzusehen, wie die Frauen es eigentlich geschafft hätten. Und dann sind sie und ihre Kinder gezwungen, sich erneut körperlicher und psychischer Gewalt auszusetzen.“

Regina Peter

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