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Hier kommt niemand mehr rein: Am Wochenende war das Dachauer Klinikum für sogenannte Non-Covid-Patienten geschlossen. Die Verantwortlichen arbeiten nun an einer baldigen (Teil-)Öffnung der Einrichtung.

Patient aus Landkreis Starnberg hatte Coronavirus nach Dachau gebracht

Nach Zwangs-Schließung: Dachauer Klinik nimmt Versorgung schrittweise wieder auf

  • Stefanie Zipfer
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Das Dachauer Klinikum hatte wohl Glück: Stand Sonntagabend, haben sich keiner der rund 200 Patienten und nur sieben der 1000 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, den ein Patient aus dem Landkreis Starnberg zuvor unentdeckt in das Krankenhaus eingeschleppt hatte. Die Klinik will ihre Versorgung in Teilbereichen schon heute wieder aufnehmen.

Die „stroke unit“, also die Schlaganfall-Spezialstation am Dachauer Helios Amper-Klinikum, hat einen guten Ruf weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Aus diesem Grund wurde am 24. März auch ein Patient, der wegen Herzproblemen zuvor in einem Krankenhaus im Landkreis Starnberg behandelt worden war, nach Dachau verlegt. Als sogenannter „Non-Covid-Patient“. 

Das Problem: Der Mann war ein „Covid-Patient“, was jedoch erst eine Woche später, nachdem zahlreiche Mitpatienten „in nahezu alle Stationen“ umverlegt worden waren und Pflegekräfte stationsübergreifend Kontakt hatten, festgestellt wurde. Die Klinik informierte daraufhin sofort das Gesundheitsamt Dachau und schlug, da die Zahl der Kontaktpersonen des Patienten nicht mehr eindeutig nachverfolgt werden konnte, die sofortige, vorläufige Schließung vor. „Die Meldung und Initiative kam von Helios selber“, bestätigt auch Landrat Stefan Löwl, der nun gemeinsam mit dem Krisenstab im Landratsamt, dem Gesundheitsamt und den Klinik-Verantwortlichen an einer Lösung des Problems – zum Wohl aller Patienten und Mitarbeiter – arbeitet. Von der Klinikschließung in Dachau waren seit Freitag nämlich neben den einzelnen Stationen auch die Notfallambulanz, die Hebammen- und die Bereitschaftspraxis betroffen. 

Dass auch das Helios-Klinikum München West in Pasing nur zwei Tage vor dem Dachauer Klinikum geschlossen werden musste, ist laut Landratsamt „purer Zufall“. Dort waren auf verschiedenen Stationen 14 Patienten und zwei Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dass das Coronavirus über das Klinik-Essen, das von Pasing aus nach Dachau geliefert wird, in die Große Kreisstadt kam, verweist Löwl jedenfalls ins Reich der Verschwörungstheorien. Denn: „Das Essen wird ja nicht von einem Pasinger Koch gemacht, sondern kommt aus der Nähe von Würzburg und wird über Pasing nur weiter verteilt.“ Sämtliche Ermittlungen sprächen derzeit eindeutig dafür, dass sich das Virus über den Herzinfarkt-Patienten aus dem Landkreis Starnberg im Dachauer Krankenhaus verbreitete. 

Dabei hatte man wohl Glück im Unglück: Die Testung der Patienten und Beschäftigten am Helios Amper-Klinikum Dachau am Freitag ergab bis Sonntagabend, dass bei den knapp 200 Patienten bisher keine weitere Infektion festgestellt wurde; die Testergebnisse von 40 Patienten sind jedoch noch offen. Bei den über 1000 Beschäftigten liegen bereits von gut der Hälfte die Ergebnisse vor; hier sind tatsächlich sieben Personen positiv getestet und nun vom Gesundheitsamt unter häusliche Quarantäne gestellt worden. Die noch ausstehenden Ergebnisse sollen bis spätestens heute Mittag vorliegen. 

Das weitere Vorgehen sieht nun vor, dass alle Beschäftigten der Amper-Kliniken ab sofort in engen, risikogruppenspezifischen Testzyklen überprüft werden sollen. „Dazu müssen die Testkapazitäten deutlich erhöht werden“, wie das Gesundheitsamt dazu mitteilt. Außerdem würden sämtliche Klinikbereiche „strukturell und organisatorisch möglichst getrennt“. Die Kantinen und die Cafeteria würden nun auch für die Beschäftigten geschlossen beziehungsweise auf „Take-away“ umgestellt und die regelmäßigen Übergabegespräche bei Schichtwechsel neu strukturiert. 

Ziel all dieser, auch baulichen Maßnahmen: die verschiedenen Bereiche im Amper-Klinikum möglichst schnell wieder in Betrieb zu nehmen. Die Geburtshilfe etwa soll bereits im Laufe des heutigen Montags starten. Auch die KVB-Bereitschaftspraxis und die ambulante Nothilfe stehen laut Landratsamt ab sofort wieder für alle Patienten offen. Eine stationäre Aufnahme, auch von Non-Covid-Patienten, ist „ab Mitte kommender Woche voraussichtlich auch wieder möglich“. 

Klar, gibt man am Gesundheitsamt zu, seien die Covid-Tests insofern nicht zuverlässig, da sie nur Infizierte erkennen können, die Symptome zeigen oder bereits Antikörper gegen das Virus gebildet haben; allerdings bildet das Blut frühestens in der zweiten Woche der Infektion diese Antikörper, was bedeutet: Ein Pfleger, der sich an dem Covid-19-Patienten angesteckt hat, konnte den Test am Freitag noch durchaus als Corona-negativ bestehen. „Aber was ist die Alternative?“ fragt Löwl. „Schon bei der Infektion im Altenheim Dachau-Ost mussten wir das Personal trotz Kontakt und nicht ausschließbarer Infektion weiterarbeiten lassen. Wir können ja nicht den ganzen Betrieb zusperren!“ In anderen Krankenhäusern und Altersheimen werde landauf landab daher genauso verfahren wie in Dachau. 

Sechs Menschen aus dem Landkreis Dachau – davon zwei am Wochenende – sind bislang an den Folgen einer Coronainfektion gestorben. Auch der Covid-19-Patient aus dem Landkreis Starnberg verlor am Wochenende den Kampf gegen das Virus. In Dachau werden aktuell 40 Covid-Patienten behandelt.

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