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Starb mit 78 Jahren: Wolfgang Gerstner war eine Dachauer Institution.

Große Trauer um eine Dachauer Institution

Nachruf: Wolfgang Gerstner ist gestorben

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Wie erst am Wochenende bekannt wurde, ist bereits am vergangenen Dienstag Wolfgang Gerstner im Alter von 78 Jahren gestorben.

Dachau – Damit verliert die Große Kreisstadt eine Institution und einen außergewöhnlich engagierten Sportfunktionär, Kommunalpolitiker und Handwerksmeister, vor allem aber: einen liebenswerten Menschen.

Seinen 79. Geburtstag hätte er in drei Wochen gefeiert, doch Glasermeister Wolfgang Gerstner hat vorher den Kampf gegen eine lange, schwere Krankheit verloren. Geboren am 20. August 1939 in Reichenberg, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind mit seiner Familie aus dem Sudetenland vertrieben und kam schließlich nach Günding. Nach der Schule absolvierte Gerstner bei der Firma Bruckmann in München eine Lehre zum Buchdrucker. Dort arbeitete er bis 1964. In diesem Jahr heiratete er Edith Eberle, die Nichte des berühmten Glasmalers Syrius Eberle (gestorben 1967), der Anfang des 20 Jahrhunderts in der Dachauer Altstadt ein Zinngießerei-, Glaserei- und Bilderrahmungsgeschäft eröffnet hatte.

Wolfgang Gerstner schulte folgerichtig zum Glaser um und legte die Meisterprüfung ab. 15 Jahre später übernahm er den Betrieb, den 1933 Wilhelm Eberle, der jüngere Bruder von Syrius – Edith Gerstners Vater – übernommen hatte. Denn ab 1933 hatte sich Syrius Eberle nur noch der Kunstmalerei gewidmet. In vielen Kirchen im Landkreis Dachau sind von ihm bis heute Glasfenster oder Glasgemälde zu finden.

Laden und Werkstatt in der Gottesackerstraße in Dachaus Altstadt wurden ab 1979 von Schwiegersohn Wolfgang Gerstner fortgeführt. Das Geschäft ist bis heute in der Familie, denn „Glas Eberle/Gerstner“, wie es jetzt heißt, wird von Sohn Markus Gerstner weiterführt.

Wo es nötig war und er es als wichtig befand, engagierte sich Wolfgang Gerstner weit über seinen Beruf hinaus. So war er zwei Jahrzehnte im Glaser-Innungsvorstand Oberbayern und unter anderem Mitglied des Gesellen- und Meisterprüfungsausschusses, lehrte an der Berufsschule.

Sohn Markus spielte Fußball beim ASV Dachau, so verwunderte es kaum, dass sich Wolfgang Gerstner auch im Sportverein einbrachte: Zehn Jahre lang führte er die Fußballabteilung.

Auch die Kommunalpolitik beschäftigte Gerstner; er trat damit quasi in die Fußstapfen des Onkels seiner Frau Edith: Syrius Eberle war im Widerstand gegen das NS-Regime aktiv gewesen und war nach dem Krieg in den Dachauer Stadtrat gewählt worden. Wolfgang Gerstner trat der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB) bei und wurde nur ein Jahr später, 1990, in den Stadtrat gewählt. 18 Jahre lang wirkte er in diesem Gremium mit, drängte dabei nie in die erste Reihe, doch sein Wort hatte Gewicht. Denn Wolfgang Gerstner konnte gut mit den Menschen – und sie mit ihm: Seine ruhige, besonnene Art half so manchen Zwist schlichten. Sohn Markus Gerstner: „Er hat sich selbst nie wichtig genommen, sondern geschaut, dass es anderen gut ging.“

Wolfgang Gerstner hinterlässt Frau, Sohn, Tochter und zwei Enkeltöchter. Der Trauergottesdienst findet am Mittwoch, 1. August, um 11 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakob statt; anschließend ist um 12 Uhr die Beerdigung im Waldfriedhof.

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