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Gerhard Schlabschi ist Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen die Verschandelung eines Dachauer Stadtteils.

Bürgerinitiative gegen neues Gewerbegebiet

Fremdkörper und Feinstaub

Eine Verschandelung des Stadtteils und einen Verkehrskollaps befürchten die Anwohner des Dachauer Seeber-Geländes. Sie haben sich deswegen zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen.

Dachau Im Frühjahr heuer hatte der Bauausschuss der Stadt Dachau eine Reihe von Beschlüssen zur Bebauung des Seeber-Geländes gefasst. Diese Pläne stießen aber nicht nur auf Begeisterung. Deshalb schlossen sich die Anwohner nun zur „Bürgerinitiative anwohnerfreundliche Entwicklung Dachau-Ost“ zusammen, um gegen die aktuellen Planungen vorzugehen.

Die Beschlüsse aus dem Frühjahr bildeten den Abschluss einer langen Planungsodyssee. Schon im Jahr 2006 hatte der Stadtrat entschieden, das Gelände wieder als Gewerbegebiet zu nutzen.

Wo früher von der Firma Seeber Autoteile hergestellt wurden, wird heute die beliebte Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“ des Bayerischen Rundfunks gedreht. Sonst liegt das Gelände brach. Die Anwohner befürchten jetzt eine „Verschandelung des Stadtteils“ und einen „Verkehrskollaps“ mit all seinen Folgen, so Gerhard Schlabschi, Vorsitzender der Bürgerinitiative.

Aber nicht nur die Anwohner sind unglücklich mit den Plänen, das Gelände wieder in ein vielfach genutztes Gewerbegebiet umzuwandeln. Die Gemeinde Karlsfeld, die Untere Naturschutzbehördedes Landratsamts und die Umweltbehörde der Stadt äußerten ebenfalls Bedenken zu den Plänen.

Den Kritikern bereiten dabei mehrere Punkte Sorgen. So beklagen die Anwohner, dass die geplante Bebauungshöhe von 16 Metern wie ein „Fremdkörper“ in der Gegend wirke und fordern deshalb, dass die Höhe auf zwölf Meter begrenzt werden sollte. „Wenn man dort schon ein Industriegebiet plant, sollte es sich zumindest optisch einbinden“, findet Schlabschi. Das Stadtbauamt zeigte sich in diesem Punkt zumindest teilweise nachgiebig und plant nun nur noch für den Bereich an der Anton-Josef-Schuster-Straße mit entsprechenden Bauhöhen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Verkehrsbelastung. Viele Anwohner klagen schon jetzt über Staus auf der Schleißheimer Straße. Ihre Befürchtung ist, dass sich dieses Problem durch das neu entstehende Gewerbegebiet noch weiter verstärken wird und „die Schleißheimer Straße durch das Seeber-Gelände zur meistbefahrenen Straße Dachaus wird“. Sogar der von der Stadt beauftragte Gutachter, so Schlabschi, schlage dringend vor, die Bajuwarenstraße auszubauen. Deshalb müsse die Stadt „die Infrastruktur proaktiv und ganzheitlich für die Zukunft planen“. Aber auch hier beschwichtigt die Stadt: Man werde auch weiterhin die Werte für Lärm und Feinstaub einhalten und die Verkehrssituation so regeln, dass mit keiner zusätzlichen Belastung zu rechnen sei.

Ein weiterer Kritikpunkt kommt von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde und dem Umweltamt der Stadt. Sie bemängeln, dass der Artenschutz von Zauneidechsen nicht beachtet wird. Das Stadtbauamt betont jedoch, dass kein Vorkommen dieser Eidechsenart nachgewiesen worden sei und für den Schutz anderer Arten schon vor Baubeginn gesorgt werde.

Die Stadt will ihren Kritikern aber auch entgegenkommen. So ist die Renaturierung der Würm in diesem Abschnitt geplant. Gerhard Schlabschi lässt sich davon nicht überzeugen: „Die Renaturierung passiert erst, wenn ,Dahoam is Dahoam’ nicht mehr gedreht wird. Wann das genau sein wird, ist aber noch nicht absehbar.“

Klar ist, die Proteste gegen das Projekt werden so schnell nicht abreißen: „Wir werden uns die Verkehrsanalysen weiter genau ansehen und die Bürger über unser Anliegen informieren. Dann sehen wir, wie es weiter geht.“

tb

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