Neue Veranstaltungsreihe in KZ-Gedenkstätte

Für die Zeit nach den Zeitzeugen

In der KZ-Gedenkstätte Dachau beginnt am Mittwoch eine neue Veranstaltungsreihe: Unter dem Titel „Erinnerung und Familiengedächtnis“ berichtet Alexis Haulot über das Leben mit seinem Vater Arthur.

Dachau – „Falls ich hier überlebe, werde ich nie bedauern, hier gewesen zu sein.“ Diesen Satz seines Vaters Arthur hat Alexis Haulot nie vergessen. Er zeigt die ungewöhnliche Fähigkeit des ehemaligen KZ-Häftlings, allem etwas Gutes abzugewinnen. Arthur Haulot wurde am 15. November 1913 im belgischen Lüttich geboren. Zunächst Journalist, leitete er ab 1939 das belgische Generalkommissariat für Tourismus. Er gehörte dem Politbüro der sozialistischen Partei an und ging 1940 nach der deutschen Besetzung Belgiens in den Widerstand. Im September 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt und in Dachau befreit. Arthur Haulot war Gründungsmitglied des Internationalen Häftlings-Komitees, setzte sich als belgischer Generalkommissar für Tourismus für die Rechte von Arbeitnehmern ein und starb am 15. November 2005 im Alter von 91 Jahren.

Heute, exakt 104 Jahre nach der Geburt seines Vaters, spricht Alexis Haulot mit Gabriele Hammermann, Leiterin der Dachauer KZ-Gedenkstätte, über das Leben mit seinem Vater, der am 29. April 1945 aus dem KZ befreit wurde. Das Gespräch, das um 19 Uhr im Besucherzentrum der Gedenkstätte beginnt, ist die erste Veranstaltung in der Reihe „Erinnerung und Familiengedächtnis“ und soll, so Hammermann, „neben der Erinnerung an die ehemaligen Häftlinge auch die Folgen der KZ-Haft für die nachfolgenden Generationen und die familiären Formen der Erinnerung weitergeben“.

Hintergrund der neuen Reihe ist, dass die Zahl derer, die noch aus erster Hand über die Geschehnisse in den Lagern berichten können, immer geringer wird. „Bereits in einigen Gedenkstätten werden Veranstaltungen zum Thema der zweiten und dritten Generation angeboten“, so Hammermann. So habe man nun auch – in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Dachaukomitée und finanziert durch EU-Mittel – versucht, „eine Verknüpfung der Erinnerung an die KZ-Überlebenden und die Formen familiärer Vermächtnisse“ zu schaffen.

Inwiefern die „Familiengedächtnisse“ eine ähnliche Wirkung wie die Zeitzeugengespräche hervorrufen könne, „wird man sehen“, so Hammermann. Grundsätzlich habe die Reihe „einen deutlich anderen Fokus“: den Umgang der Familien, aber auch von Gesellschaft und Politik in den Heimatländern mit dem Thema. Hammermann hofft, dass sich „daraus neue, spannende Fragen ergeben werden. „In jedem Fall halten wir bei der Weiterentwicklung der Gedenkstätte die enge Anbindung der Familien der KZ-Überlebenden für sehr wichtig, auch vor dem Hintergrund der internationalen Bedeutung des Gedenkortes Dachau.“

Die Zeitzeugengespräche soll es jedoch, so lange wie möglich, weiterhin geben. Die „Familiengedächtnisse“ werden parallel dazu stattfinden. Nach dem Auftakt am heutigen Mittwoch, bei dem Schüler der Bavarian International School Haimhausen ab 18 Uhr zudem Gedichte Arthur Haulots vortragen, soll es im Frühjahr 2018 eine weitere Veranstaltung in diesem Rahmen geben. 

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