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Verkehrsberuhigt, mit viel Beton: So soll die Frühlingstraße einmal aussehen.

Dachauer Stadträte diskutieren Entwurf für Bahnhofsareal

Neuer Dachauer Bahnhof: Flaniermeile mit viel Beton

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Das Architekten haben nachgebessert, die zuständigen Stadtratsausschüsse die neuen Pläne weitgehend abgenickt. Der Umbau des Bahnhofsviertels geht damit in die nächste Runde. Dem einen oder anderen Stadtrat ist dennoch ein wenig mulmig zumute. Es fielen Worte wie „Steinwüste“ und „Klotz“.

Dachau – Um den Dachauer Stadträten zu zeigen, wie wunderbar so ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich funktionieren kann, wählte Lukas Hegele vom Architekturbüro Astoc Architects and Planners GmbH drei Beispiele: die Neue Straße in Ulm, den Zentralplatz im schweizerischen Biel und den Opernplatz in Duisburg. Die Zahl der Autos, die dort durchfahren, habe sich Hegele zufolge nach den entsprechenden Umbaumaßnahmen massiv verringert.

„Es funktioniert wunderbar“, lobte Hegele. Dennoch fand sogar Richard Seidl, als Grünen-Stadtrat per se ein Freund von Verkehrsberuhigung, die gezeigten Beispiele „relativ grausam“, die Bilder erinnerten ihn an „Steinwüsten“. Duisburg oder Ulm seien daher bitte ganz sicher „kein Modell für Dachau“!

Auf Begrünung werde viel Wert gelegt

Doch auch wenn Bauamtsleiter Moritz Reinhold und Oberbürgermeister Florian Hartmann eiligst betonten, dass man in Dachau allerorten größten Wert auf Begrünung legen würde, wird mit den immer konkreter werdenden Bahnhofsplänen auch immer klarer, dass rund um den Bahnhof bald viel Beton verbaut wird. Und zwar richtig viel.

Wie berichtet, hatte eine Fachjury im Winter das Kölner Architekturbüro Astoc zum Sieger des städtebaulichen Ideenwettbewerbs gekürt. Aufgabe war, sich zu überlegen, wie man die Bahnhof-Westseite mit einem funktionierenden Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) sowie einer „Bebauung mit gut vermarktbaren Nutzungen“ aufwerten könnte.

Nach einer ersten Präsentation des Siegerentwurfs im Frühjahr und einer anschließenden Bürgerinformationsveranstaltung sollte der Astoc-Entwurf zwar grundsätzlich weiterverfolgt, aber in einzelnen Punkten verändert werden. Das Ergebnis dieser Überarbeitung präsentierte Astoc am Dienstag nun in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Planungs- sowie des Umwelt- und Verkehrsausschusses. Die Diskussion darüber verlief kontrovers, aber am Ende stand das einstimmige Ergebnis: Die Überarbeitung wird grundsätzlich weiterverfolgt, aber erneut mit Hinweisen versehen.

Parkende Autos in der Frühlingstraße sollen laut Planer bald Vergangenheit sein.

Wichtigster Beschluss: Die Frühlingstraße wird künftig ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich. Das heißt: Es gilt Tempo 20, Räder und Autos teilen sich den Straßenraum. Die Busse werden entlang der Frühlingstraße parken, daneben werden drei Gebäuderiegel entstehen. Geparkt wird unter den Neubauten, sämtliche bestehenden Parkplätze an der Frühlingstraße fallen weg. Astoc-Vertreter Hegele begründete dies mit den „Anforderungen“: Für den ZOB gebe es vorgegebene Spurbreiten, die Gebäude müssten einen Mindestabstand zu den Gleisen einhalten. „Der Platz reicht einfach nicht, um die Parkplätze erhalten zu können.“

Horst Ullmann (Bürger für Dachau), Markus Erhorn (FW) und Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) fanden dies jedoch suboptimal. Niemand, der schnell zum Bäcker oder in den Schreibwarenladen wolle, werde dafür die Tiefgarage nutzen. „Ja, wir müssen für eine Verkehrswende neue Wege gehen“, so Schmidt-Podolsky, „aber es kann nicht sein, dass der ZOB zu Lasten der bestehenden Geschäfte geht“!

Solitärgebäude ist vielen Stadträten zu groß

Peter Strauch (CSU) wollte zudem wissen, ob die Münchner und die Innere Schleißheimer Straße, wohin die jetzigen Frühlingstraßen-Nutzer vermutlich ausweichen dürften, den zusätzlichen Verkehr verkraften würden? Bauamtsleiter Reinhold konnte keine 100-prozentig beruhigende Antwort geben, sondern sprach vom Verkehr als „fluidem System“ und dass man stattdessen eben erreichen müsse, „dass das Auto nicht mehr der Verkehrsträger der Wahl ist“. In dem Punkt müssten die Stadträte „mutig sein“.

Volker C. Koch (SPD) hielt die Verkehrsfrage ohnehin nicht für den „entscheidenden Punkt“. Vielmehr gehe es doch um die bauliche Planung des Bahnhofs! Doch auch hier gab es Kritik. Vor allem das sogenannte Solitärgebäude, also das Bauwerk, das direkt auf dem Bahnhofsplatz, wo heute die Busse halten, platziert werden soll, war vielen Stadträten zu groß. „Warum müssen wir so massiv bauen“, schimpfte Schmidt-Podolsky. Dieser „Quader macht alles kaputt. Der ist viel zu klotzig!“

Alf Hoinkis von der Deutschen Bahn AG warnte jedoch davor, nun – anders als noch im Wettbewerb ausgeschrieben – weniger bauen zu wollen. Die Diskussion sei ihm „zu einseitig“. Auch Sören Schneider (SPD) wollte bitte „nicht wieder bei Null anfangen“.

Astoc soll nun prüfen, ob zumindest Kurzeitparkplätze möglich sind

Der Kompromiss: Astoc soll nun prüfen, ob entlang der Frühlingstraße nicht doch Kurzzeitparkplätze möglich wären. Zudem soll das Solitärgebäude auf dem jetzigen Bahnhofsvorplatz kleiner werden und davor „mindestens drei Ausstiegsplätze für Busse“ geschaffen werden. Dieses Angebot, fand CSU-Sprecher Strauch, sei gerade für mobilitätseingeschränkte Menschen wichtig. Markus Kellerer (AfD) fand Busse ebenfalls wichtiger als Bauwerke: „Der Dachauer Bahnhof ist ein reiner Pendlerbahnhof, da brauchen wir keine Flaniermeile. Und schon gar keine Konkurrenz zur Altstadt.“

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