Umweltausschuss einigt sich

Neues Konzept für Dachau: Weniger Verkehr durch weniger Parkplätze

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In ihrem Ziel, dem zunehmenden Verkehr in Dachau Herr zu werden, sind die Stadträte einen Schritt weitergekommen. Nach langer Diskussion einigten sie sich darauf, im öffentlichen Raum langfristig weniger Parkplätze anbieten und bestehende Stellflächen bewirtschaften zu wollen. Auch der Stellplatzschlüssel wird erneuert.

Dachau – Das Thema ist komplex und von enormer Tragweite für die langfristige Verkehrsentwicklung der Großen Kreisstadt. Dem anfänglichen Wunsch des Umwelt- und Verkehrsausschusses, das Thema erneut zu vertagen und erst noch weiteres Zahlenmaterial anzufordern, wollte Bauamtsleiter Michael Simon am Dienstag daher nicht nachkommen: „Ich kann Ihnen alle Fragen beantworten, die Sie haben“, versprach er dem Gremium. Nur bitte er nun endlich um eine möglichst einstimmige „politische Einschätzung, mit welcher Strategie wir das Problem, dass wir nämlich langsam im Verkehr ersticken, lösen können“.

Sein Vorschlag, und dies hatte er schon in mehreren Sitzungen betont, sei es, über den ruhenden Verkehr Einfluss auf den fließenden Verkehr nehmen zu wollen. Ein „erstaunlich hoher Anteil“ des Verkehrs in Dachau werde zudem durch Binnenverkehr verursacht. Deshalb sei es darüber hinaus wichtig, andere Mobilitätsformen attraktiver zu machen. Angesichts steigender Zulassungszahlen einfach „dem Druck nachzugeben“ und noch mehr Parkplätze zu schaffen – wie es einige andere Städte in der Vergangenheit getan hätten – sei dagegen in seinen Augen „kontraproduktiv“.

Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) warnte in diesem Zusammenhang jedoch vor „Überregulierungswust“ und davor, „nicht den zweiten Schritt vor dem ersten“ zu machen. Sprich: doch bitte erst dann den Autofahrern zu Leibe zu rücken, wenn es tatsächlich praktikable Alternativen – etwa eine Taktverdichtung der öffentlichen Verkehrsmittel – gebe. „Wir müssen hier in Vorleistung“ gehen, so Schmidt-Podolsky.

Norbert Winter (Bürger für Dachau) stieß sich beim Thema Regulierung vor allem an der von Simon vorgeschlagenen Fahrradabstellsatzung: Er glaube nicht, dass es unter Privatleuten einen Bedarf danach gibt. Vor öffentlichen Einrichtungen mache dies Sinn, aber Privatleuten vorzuschreiben, eine bestimmte Fläche für Fahrradparkplätze freihalten zu müssen, „das geht dann doch zu weit“.

Bernhard Sturm (Bündnis für Dachau) regte an, das Thema räumlich differenziert zu betrachten. Bauamtsleiter Simon gab ihm Recht: Gerade in Dachau Süd und Ost werde derzeit viel gebaut, dort sei der „Veränderungsdruck“ damit am höchsten. Aber auch die Altstadt verändere sich gerade, ebenso wie die dörflichen Gebiete Etzenhausen und Mitterndorf.

Aus diesem Grund erteilte der Ausschuss der Bauverwaltung am Ende – einstimmig – folgenden Auftrag: Sie möge einen Vorschlag erarbeiten, wie die Zahl der Parkplätze im öffentlichen Raum langfristig reduziert und der dadurch frei werdende Raum „qualitätsvoll“ gestaltet werden kann; verbleibende Parkplätze sollen künftig bewirtschaftet werden. Außerdem soll die Stellplatzsatzung, die regelt, wie viele Stellplätze im Rahmen eines Bauvorhabens nachzuweisen sind, künftig räumlich und nach Nutzung differenziert werden können; konkret könnte dies bedeuten, dass in Dachau-Ost ein anderer Stellplatzschlüssel gilt als in Udlding. Wichtig in diesem Zusammenhang war dem Gremium jedoch zu betonen, dass das Ziel einer neuen Satzung nicht sei, „den Schlüssel zu reduzieren“! Zudem soll die Verwaltung einen Vorschlag für eine Fahrradabstellsatzung ausarbeiten.

Rubriklistenbild: © dpa / Sebastian Kahnert

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