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Breze auf dem Unterarm, Brot im Ofen: Nicole Schön ist zur Obermeisterin der Bäckerinnung Dachau gewählt worden. 

Bäckerinnung Dachau

Nicole Schön erobert sich eine Männerdomäne

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Zum ersten Mal steht eine Frau an der Spitze der Bäckerinnung Dachau. Nicole Schön (35) führt die Bäckerei Denk in Dachau und ist zur Obermeisterin der Innung gewählt worden.

Dachau – „Für die Jungs ist es wahrscheinlich schon was Besonderes, aber für mich nicht“, sagt die Bäckerin mit dem Brezentattoo auf dem Unterarm pragmatisch: „Wichtig ist doch nur, dass man hinter dem Beruf steht.“

Ihr Vorgänger Ludwig Kloiber hat sein Amt aus familiären Gründen aufgegeben. Deshalb erbarmte sich Nicole Schön unter den Bäckermeistern der rund 20 Innungsbetriebe im Landkreis: „Sonst wären wir mit der Bäckerinnung München zusammengewachsen und da wären wir nur mehr ein kleiner Fisch.“

Das wäre eine bittere Sache geworden, denn bereits vor 108 Jahren – im Jahr 1910 – gründete sich die Bäckerinnung Dachau: Damals legten die Mitglieder Regeln für die Lehrlings- und Gesellenausbildung fest.

„Heute bauen wir als Innung zum Beispiel jedes Jahr Hexenhäuser aus Lebkuchen oder organisieren die Brotprüfung.“ Das soll auch so bleiben, sagt Nicole Schön aus Dachau – nur eines könnte sich in Zukunft ändern: „Ich wünsche mir, dass unsere Bäcker mehr Freizeit haben. Nur arbeiten, das macht einen einfach kaputt.“ Früher gab es mal einen Stammtisch der Bäckerinnung und die Mitglieder haben sich zum Kegeln verabredet, erzählt Schön und schlägt vor: „Wir könnten uns ja zumindest drei bis viermal im Jahr treffen.“

Sie selbst führt zwei Bäckerei-Filialen in Dachau und verrät ihr Rezept für etwas mehr Unabhängigkeit vom Geschäft: „Man muss seinen Mitarbeitern vertrauen und auch mal Aufgaben abgeben.“ Trotz Stress und Konkurrenz durch Großbetriebe ist das Bäckerhandwerk immer noch ihr Traumberuf – seit ihrer Kindheit. „Meine Oma hatte so eine alte Blechdose auf dem Tisch stehen, da hab ich schon immer mit dem Mehl rumgespielt“, sagt sie und lacht.

Nicole Schön schwärmt: „Der Teig macht mir einfach am meisten Spaß, den in der Hand zu haben, die Knetung – das ist einfach ein Gefühl.“ Zuletzt knetete sie natürlich viel Plätzchen- und Stollenteig, selbst ist sie aber kein großer Platzerl-Fan: „Ich esse mal ein Vanillekipferl“, das Brot bleibt ihre Lieblingsbackware: „Das geht einfach immer, ich esse jeden Tag ein Nutellabrot.“

Und das frühe Aufstehen als Bäckerin? „Irgendwann muss man ja sowieso aufstehen. Und in der Früh ist wenigstens noch kein Stau“, erzählt sie.

Sie steht eben hinter ihrem Beruf. Ihr Verpächter, Bäckermeister Peter Denk wurde übrigens auf der Innungsversammlung zum ehrenamtlichen Geschäftsführer der Bäckerinnung gewählt.

ANNA SCHWARZ

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