Vom Job freigestellt, damit sie Heim-Lehrerin sein kann: die Dachauer Mutter Ulrike Hagedorn-Hubert mit den Töchtern Lucie (links) und Luna.  Foto: sim
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Vom Job freigestellt, damit sie Heim-Lehrerin sein kann: die Dachauer Mutter Ulrike Hagedorn-Hubert mit den Töchtern Lucie (links) und Luna. Foto: sim

Notbetreuung mit der Notbesetzung

Dachauer Eltern und Kitapersonal versuchen, mit dem Lockdown klarzukommen

Eltern haben es im Moment nicht leicht. Ähnlich wie Schulen sind auch Kinderkrippen, Kindergärten und Horte geschlossen. Lediglich für „die, die es brauchen“ gibt es laut bayerischem Familienministerium eine Notbetreuung. An den Dachauer Kitas geht man derzeit jedoch sehr großzügig um mit dieser Regelung.

VON SIMONE WESTER

Dachau – Anders als im Frühjahr, als die Notbetreuung nur für bestimmte – das heißt systemrelevante – Berufsgruppen erlaubt war, darf nun bei Bedarf jeder sein Kind in die Kita bringen. Arbeitsnachweise müssen derzeit nicht vorgezeigt werden, erklärt Elke Misun, Fachbereichsleiterin der Awo-Kindertageseinrichtungen, die in Stadt und Landkreis Dachau 960 Kinder betreuen.

Aus pädagogischer Sicht findet Misun die Maßnahmen sinnvoll: „Je mehr Kinder, desto besser!“ Aus infektiologischer Sicht gelte aber wohl: „Je weniger, desto besser“, weshalb sich die Fachbereichsleiterin auch strengere Notbetreuungsregeln wünscht. Bayern sei hier kulant, findet sie. Bis zum vergangenen Freitag, 9 Uhr morgens, mussten die Eltern den Bedarf angegeben haben. Abgefragt wurde per Eltern-App, eine Neuerung bei der Awo, die laut Misun sehr positiv angenommen wurde.

Genutzt wird die Notbetreuung unterschiedlich. In der Kita „Am Wäldchen“ etwa sind 35 von 50 Kindern in der Notbetreuung, währenddessen in der „Rappelkiste“ bisher lediglich 15 Prozent der Kleinen anwesend sein werden. Egal wie viel kleine Buben und Mädchen auch kommen, für genügend Personal ist bei der Awo gesorgt. Und wenn in einer Gruppe nur zwei Kinder da sind? „Dann müssen auch zwei vom Personal da sein“, erklärt Misun. Denn weder darf ein Kind allein auf die Toilette gehen, noch alleine im Gruppenraum zurückbleiben.

Alleine bleiben müssen auch die Kinder von Mina und Gianluca Fracasso nicht, die beide im Ristorante „Roma“ arbeiten. Sie dürfen in die Kita, da ihre Eltern im familieneigenen Lokal arbeiten müssen. Zwei ihrer vier Kinder sind in der Kita, die beiden „Großen“ im Homeschooling und haben dabei aber weiterhin Anspruch auf ihren Hortplatz. Denn wenn andere Kinder mittags zum Essen nach Hause kommen, müssen bei den Fracassos in der Regel sowohl die Eltern, als auch die Großeltern arbeiten. Somit ist Mina Fracasso froh, dass es in der Awo-Kita so gut läuft. „Ich bin sehr zufrieden“, betont sie.

So ist es auch bei Silvia Würl. Die 46-Jährige arbeitet als Krankenschwester und ist als alleinerziehende Mutter von drei Kindern auf die Notbetreuung angewiesen. Obwohl ihr Arbeitgeber sehr viel Verständnis zeigt – ohne eine gut funktionierende Kinderbetreuung ginge bei ihr nichts. Im städtischen Kindergarten „Purzelbaum“ in Dachau-Süd kann der vierjährige Ferdinand jeden Tag von 7 bis 16 Uhr kommen, oder auch nicht. Würl schätzt die Flexibilität sehr, denn auch sie muss flexibel sein in ihrem Beruf – gerade in Zeiten der Pandemie.

Die 43-jährige Ulrike Hagedorn-Hubert ist erstmal bis Ende Januar zuhause bei ihren Töchtern Lucie und Luna. Im ersten Lockdown im vergangenen Jahr war sie im Krankenstand und hauptberuflich „Lehrerin“ zuhause. Jetzt ist sie noch bis Ende des Monats von ihrem Arbeitgeber freigestellt und braucht deshalb auch keine Notbetreuung. Eigentlich. Denn obwohl sie daheim ist, merkt sie, dass vor allem ihrer jüngeren Tochter Lucie die Sozialkontakte fehlen.

Wie wichtig Sozialkontakte sind, weiß auch Alexandra Steinbrich vom Integrationskindergarten am Himmelreich e.V.. Gerade die Integrationskinder hätten spezielle Bedürfnisse und bräuchten dringend das „soziale Miteinander“, erklärt die Erzieherin. Der fast auf Null reduzierte Austausch mit den Eltern – das Rückgrat des Initiativkindergartens – sowie die fehlenden Arbeitskreise würden aber auch dem Team fehlen. Bislang laufe alles reibungslos – in absoluter Notbesetzung für die Notbetreuung. Leider bis mindestens 31. Januar.

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