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Am Pfingstsamstag starb auf der B471 bei Dachau ein Rollerfahrer. Die Unfallstelle war ein Trümmerfeld. Neben den Rettungskräften waren daher auch Notfallseelsorger im Einsatz.

Damit aus Trauma Trauer wird

Nach dem schrecklichen Roller-Unfall: So half ein Seelsorger den Zeugen

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Am Pfingstsamstag ereignete sich auf der B 471 bei Dachau ein schrecklicher Verkehrsunfall, bei dem ein Mann sein Leben verlor. Wie schwer es für Augenzeugen, Einsatzkräfte und vor allem die Hinterbliebenen ist, mit derartigen Unglücken fertig zu werden, weiß Hermann Saur, Leiter der Notfallseelsorge der Erzdiözese München und Freising.

Dachau – Wo Hermann Saur am Werk ist, gibt es im Regelfall Chaos, Zerstörung, Tote und Verletzte. Bitte nicht falsch verstehen: Der 62-jährige Diakon aus München ist ein freundlicher und hochkompetenter Mann! Nur sein Beruf bedingt es leider, dass er immer dort arbeiten muss, wo es besonders weh tut.

Denn: Saur leitet die Notfallseelsorge der Erzdiözese München und Freising. Mit einem Team an unzähligen ehrenamtlichen Helfern ist er damit immer dort zur Stelle, wo gerade etwas Schreckliches passiert. Saur war beispielsweise vor Ort, als eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen abstürzte oder als das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio unterging.

Darüber hinaus ist Saur Feuerwehrseelsorger und damit außerdem zuständig für die seelische Rettung der Retter. Viele Einsätze sind nämlich so grauenhaft, dass es auch die Einsatzkräfte an den Rand ihrer Kräfte treibt.

Wie der Unfall am Pfingstsamstag auf der B 471 in Dachau: Wie berichtet, hatte ein Autofahrer einen Laster überholen wollen, war ausgeschert und dabei frontal mit einem 47-jährigen Rollerfahrer aus Olching zusammengestoßen.Der Olchinger war sofort tot, die Unfallstelle ein Trümmerfeld.

Feuerwehren und Polizei reichten hier nicht mehr aus. Es brauchte, was Hermann Saur als „psychosoziale Notfallversorgung“ bezeichnet: Menschen, die den Augenzeugen, dem Unfallverursacher, den Einsatzkräften und vor allem den Angehörigen halfen, „zu verstehen und zu akzeptieren, was passiert ist“.

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Grundsätzlich, erklärt Saur, setzt bei allen Menschen nach derartigen Unglücken ein mentales Notfallprogramm ein: „Das ist seit der Steinzeit gleich: Wenn der Säbelzahntiger einen verfolgt, kann man nur weglaufen, kämpfen oder erstarren.“ Im Wesentlichen, so Saur, hätten sich diese Stressreaktionen bis heute nicht verändert. Seine Aufgabe sei daher, den Betroffenen über die Dauer dieses Notprogramms hinwegzuhelfen und ihnen klarzumachen, dass sie mit der großen Frage – der Frage nach dem Warum – für den Rest ihres Lebens leben müssen. Oder, wie Saur es formuliert: „Wir kümmern uns um das Trauma, also die große Verletzung der Seele. Wenn wir gute Arbeit leisten, dann geht das Trauma in Trauer über.“

Dabei spielt Religion übrigens keine Rolle. Die Notfallseelsorger des Erzbistums teilen sich im Landkreis die Betreuung der Angehörigen mit dem Kriseninterventionsteam (KIT) des Rettungsdienstes: Werktags sind die kirchlichen Freiwilligen unter der Ägide des früheren Dachauer Krankenhausseelsorgers Albert Wenning, am Wochenende die KIT-Kollegen im Einsatz.

Die Polizei ist ebenfalls dankbar, dass es die seelischen Ersthelfer gibt. Die Überbringung einer Todesnachricht erfolgt, wie zuletzt auch bei den Angehörigen des Olchingers geschehen, gemeinsam. Damit einher geht auch eine weitere, kräftezehrende Aufgabe: Laut Saur wollen 99 Prozent der Angehörigen ihre toten Verwandten noch einmal sehen. Saur und seine Kollegen kümmern sich daher auch darum, dass die Leichen(teile) entsprechend zumutbar gezeigt werden. Der Anblick mag schwer sein, so Saur, „aber wir halten das dann gemeinsam aus“.

Die Arbeit mit den Rettungskräften läuft auf einer sachlicheren Ebene ab. Direkt im Anschluss an einen tragischen Einsatz sagen Feuerwehrler oft: „Passt schon.“ Allerdings fühle sich das Erlebte, nach ein paar Stunden, „richtig heftig an“. Wenn Einsatzkräfte dies wissen, wenn sie „eine Prophylaxe bekommen“, dann, so Saur, „werden sie daran auch nicht erkranken“. Entscheidend sei, ihnen dabei zu verstehen zu geben: „Du hast super gearbeitet, du hast deine Aufgabe super gemacht. Aber du konntest dem Mann nicht mehr helfen.“

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