Obdachloser wegen Einbruch in Bergkirchen angeklagt

Wenn es sich der Einbrecher gemütlich macht

Ein Obdachloser ist im Mai vergangenen Jahres in ein Haus in Bergkirchen eingebrochen. Der Mann trank Prosecco, aß Nutella-Brote, zündete Teelichter an und lackierte seine Fingernägel. Nun steht er vor Gericht.

Bergkirchen – Es ist eine Horrorvorstellung für jede Familie. Während alle schlafen, bricht ein Unbekannter ein, durchsucht Haus oder Wohnung und durchwühlt die intimsten Sachen.

Auch Familie Huber (alle Namen geändert) aus Bergkirchen merkte nicht, als in der Nacht vom 16. Mai bis zum 17. Mai 2017 ein Fremder in ihr Heim eindrang (wir haben berichtet). Der Obdachlose Felix S. hatte es jedoch mutmaßlich nicht nur auf Geld und Wertsachen abgesehen – er wollte es sich schlicht auch einmal wieder gut gehen lassen. Im Haus der vierköpfigen Familie öffnete sich der 56-Jährige nach eigener Aussage erst einmal eine Flasche Prosecco. Dann aß er Nutella-Brote und Eierpfannkuchen, machte sich anschließend im Wohnzimmer der Hubers unweit des Kamins ein Kissenlager zurecht. Dort zündete er Teelichter an, lackierte seine Fingernägel und sah fern.

„Ich stehe auf Teelichter“, sagtee er am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht, wo ihm der Prozess gemacht wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Einbruch und Sachbeschädigung vor. Felix S. richtete der Anklage zufolge im Haus einen Schaden von mehreren Tausend Euro an – so habe er etwa die Couch mit Nagellack beschmiert und die Sauna unter Wasser gesetzt. Er hätte ja Klarlack genommen, aber es habe im Haus nur roten Lack gegeben, erwiderte er auf die Frage des Richters, warum er denn so eine Sauerei angerichtet habe.

Der in Oberhaching geborene S. räumt zwar Sachbeschädigungen ein, bestreitet jedoch einen Großteil der ihm zur Last gelegten Diebstähle. Es stimme, dass er Schuhe, einen Schlafsack und Kleidung mitgenommen habe. Der Vorwurf, teure Luxusgegenstände wie eine noble Damenuhr an sich genommen zu haben, sei dagegen an den „Haaren herbeigezogen.“ Der Wohnungslose soll unter anderem Bargeld, ein I-Phone, einen Geldbeutel samt Inhalt, Parfüms, diverse Wertgegenstände sowie eine teure Handtasche der Marke „Michael Kors“ gestohlen haben. In letzterer soll er laut Polizei Beute aus dem Haus getragen haben.

Die Staatsanwaltschaft beziffert den Gesamtwert des Diebesguts auf gut 10 000 Euro. Wann genau er das Haus der Familie wieder verließ, konnte S. nicht sagen. Die Polizei fand den gelernten Bauzeichner zwei Kilometer vom Haus entfernt in einem Feld im Kerzenschein sitzend. Er trug laut Ermittlern die Kleidung von einem der Söhne der Hubers und hatte die Designer-Handtasche der Bergkirchener Mutter dabei.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass S. schizophren und deshalb nicht schuldfähig ist. Sie hält ihn jedoch für allgemeingefährlich und fordert deshalb, dass er in der Psychiatrie untergebracht wird. Der Oberhachinger wirkt vor Gericht wirr und aggressiv. Obwohl der Angeklagte Beleidigungen gegen Polizisten, Justiz, Psychiater und Migranten ausstößt, bleibt der Vorsitzende Richter ruhig – so gelingt es, ein Bild des Lebens von Felix S. zu zeichnen. Bereits Mitte 20 war S. erstmals in der Psychiatrie – es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Doch immer wieder gelang es ihm, sein Leben in den Griff zu bekommen und Arbeit in diversen Branchen zu finden. Mehrere Jahre war er auch verheiratet. Doch zuletzt ging es für ihn steil nach unten.

Das Gericht will nun kommende Woche klären, ob S. tatsächlich gefährlich ist. Der Angeklagte hat es seinen Ärzten allerdings untersagt, über seinen Gesundheitszustand vor Gericht zu sprechen.

Tobias Lill

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