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Stellt seinen freiwilligen Dienst ein: Schülerlotse Herbert Stanglmayr suchte Unterstützer – vergeblich.

Suche nach Ehrenamtlichen ohne Erfolg

“Weil wir es nicht mehr schaffen“: Schülerlotsen treten in den Streik

Die Schulweghelfer im Kreis Dachau schlagen Alarm: Es gibt immer weniger Ehrenamtliche für das Amt. Die Odelzhauser Lotsen treten deshalb in den Streik.

Odelzhausen – 14.000 Autos fahren jeden Tag durch Odelzhausen, die meisten zu Berufsverkehrszeiten. Wenn Herbert Stanglmayr (67) morgens mit Warnweste und Kelle am Ampelübergang an der Hautpstraße/Einmündung Kohlstattstraße steht, ist der Verkehr enorm. Trotzdem müssen die Kinder die nächsten Monate alleine damit zurechtkommen, denn: Die Schulweghelfer streiken ab sofort.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, weil wir es nicht mehr schaffen“, erklärt Stanglmayr, der seit Monaten nach Unterstützern sucht. In Odelzhausen gibt es nur noch fünf ehrenamtliche Schülerlotsen. Der 67-Jährige hat Aufrufe in der Zeitung, im Radio, in der Gemeinde und natürlich auch in der Schule gestartet. Ohne Erfolg. „Wenn man pro Klasse mit Odelzhauser Schülern nur einen Helfer finden würde, wäre es schon ausreichend“, sagt er. „Aber leider ist selbst von den Eltern niemand bereit, sich morgens eine halbe Stunde zu engagieren.“ In Wiedenzhausen ist die Situation besser, „vielleicht ist dort der Dorfzusammenhalt noch stärker“, vermutet Stanglmayr.

Mehr Anreize für Ehrenamtliche?

Olaf Weins, der vergangenes Schuljahr Elternbeiratsvorsitzender in der Odelzhauser Schule war, sieht vor allem ein Zeitproblem: „Am Willen liegt es nicht“, sagt er. „Aber das Problem ist, dass oft beide Elternteile berufstätig sind und früh aus dem Haus müssen.“ Hinzu käme, dass immer weniger Großeltern im Ort leben, die als Schulweghelfer einspringen könnten. „Vielleicht müsste man auch mehr Anreize für die Ehrenamtlichen schaffen“, meint er.

Die Odelzhauser Schulweghelfer bekommen zwei Essen im Jahr spendiert. Die Stadt Dachau zahlt pro Einsatz eine Aufwandsentschädigung von 5,10 Euro. Doch auch dort fehlen an den Grundschulen Dachau-Ost und Augustenfeld Lotsen. „In Augustenfeld bräuchten wir mindestens ein Dutzend weitere Helfer“, erklärt Stefan Januschkowetz vom Ordnungsamt. In Dachau-Ost wären morgens mindestens 35 Ehrenamtliche nötig – zurzeit sind es nicht mal 20. „Dabei wäre es auch deshalb wichtig, genügend Helfer zu haben, um den gefährlichen Hol- und Bringverkehr an den Schulen einzudämmen“, so Januschkowetz.

„Viele Eltern sagen offen, dass sie keine Lust haben“

Über den ärgert sich auch Susanne Keller, die in Schwabhausen den Schulweghelferdienst organisiert: „Ich finde es erschreckend, dass immer mehr Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule fahren, als die Allgemeinheit zu unterstützen“, sagt sie. Sie ist froh, dass in Schwabhausen viele Helfer schon seit Jahren dabei sind. Denn wenn Keller um neue Lotsen wirbt, stößt sie oft auf Ablehnung: „Viele Eltern sagen offen, dass sie keine Lust haben.“

Ähnlich ist es in Röhrmoos. Dort gibt es fünf ausgebildete Schülerlotsen, sechs weitere wollen die Ausbildung machen. „Die Situation ist grenzwertig“, sagt Georg Niederschweiberer, der den Dienst organisiert. Optimal wäre es, wenn Helfer ein bis zwei Einsätze pro Monat hätte. „Doch das lässt sich nicht umsetzen“, so Niederschweiberer. „Eine Rentnerin hilft inzwischen fast täglich.“

Für die Odelzhauser Schülerlotsen ist die Belastung jetzt zu groß geworden. Die Entscheidung, bis Ende des Jahres keinen Dienst mehr zu machen, ist ihnen nicht leicht gefallen. „Aber es muss sich einfach etwas ändern“, sagt Herbert Stanglmayr. Er verspricht: „Sobald sich weitere Helfer melden, fangen wir sofort wieder an!“ 

Claudia Schuri

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