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Die Busse im Landkreis Dachau leiden unter Fahrgastschwund.

Folgen der Coronakrise für ÖPNV 

Landkreis stellt Bus-Maßnahmen zurück

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Einige geplante ÖPNV-Verbesserungen für den Landkreis Dachau werden verschoben. Grund ist unter anderem Corona.

Landkreis – Während der Coronakrise wollte kaum jemand den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) benutzen. Die Busse des Landkreises Dachau hatten nur noch 50 bis 60 Prozent ihrer Normalauslastung. Dementsprechend brachen die „Fahrgeldeinnahmen dramatisch ein“, so Albert Herbst, der im Landratsamt für den ÖPNV zuständige Abteilungsleiter, der sogleich nachschob: „Die 100 Prozent werden wir so schnell auch nicht mehr erreichen!“ Weil wegen laufender Ausschreibungsverfahren und fortgeschrittener Planungen auch noch die Zeit drängt und der Kreishaushalt ganz allgemein wegen Corona entlastet werden soll, gab es für die Landkreisverwaltung gleich eine Handvoll Gründe, dem Verkehrs- und Kreisausschuss umfangreiche Rücknahmen oder Verschiebungen bei an sich bereits beschlossenen oder geplanten ÖPNV-Verbesserungen zur Abstimmung vorzulegen.

Wie mehrfach berichtet, hat der Landkreis in Zusammenarbeit mit der Stadt Dachau in Sachen ÖPNV sehr viel angeschoben. Der im Dezember 2018 verabschiedete gemeinsame Nahverkehrsplan sah Ausweitungen, Taktverdichtungen, neue tangentiale (Expressbus-)Verbindungen sowie einen umfangreichen Ausbau des Ruftaxis vor. Nach dem Votum der beiden Ausschüsse in der gestrigen Sitzung schaut die Welt für Bus- und Ruftaxireisende jedoch völlig anders aus. Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen beschlossen:

. Die für 2022 geplante Ausweitung auf einen 20-Minuten-Takt bei den Linien 702/710 sowie 701/711/712 werden nach Entscheid der Kreisräte/-innen nun doch im Dezember 2021 umgesetzt – nicht in vier Jahren.

. Die für 2022 geplante Ausweitung der Linien 705/715/782 wird zurückgestellt. Hierbei muss der Landkreis gemeinsam mit dem MVV handeln. Bei diesem Projekt wird in das laufende Ausschreibungsverfahren eingegriffen.

. Gemeinsam mit dem MVV wird das laufende Ausschreibungsverfahren für die Regionalbuslinie 771 fortgeführt. Der Landkreis Freising hat den Planungen zum 771 bereits zugestimmt. Diese wurden im Kreisausschuss erläutert. Dadurch wird auch diese Linie zum Dezember 2021 umgesetzt. Ebenso wie die Linie 772.

. Das geplante Bedarfsverkehrskonzept wird um ein Jahr nach hinten verschoben, da weitere Planungen nötig sind, die auf Änderungen bei anderen Projekten durch Corona zurückzuführen sind. Für dieses zusätzliche Jahr werden die aktuell bestehenden Ruftaxi-Linien der Gemeinden verlängert und die Finanzierung wird für dieses Jahr durch den Landkreis übernommen. Nach dem Jahr soll das landkreisweite Bedarfsverkehrskonzept aber nach Willen der Politik und Verwaltung weiterhin umgesetzt werden.

- Die Ringbuslinien X201, X800 und Expressbuslinien 771, 772 und X732 werden zudem umgesetzt.

.  Das Angebot des Verkehrsunternehmens für Leistungsausweitungen auf der Regionalbuslinie 703 ab dem Jahresfahrplan 2021 wird nicht angenommen. Eine Neuausschreibung ab 2025 wird jedoch weiter verfolgt.

. Die Verhandlungen mit dem Verkehrsunternehmen über eine Direktvergabe der Leistungsverbesserungen auf den Regionalbuslinien 704/706/721werden fortgeführt.

. Der Landkreis verlängert die Verträge über jeweils zwei Jahresfahrplanperioden nach dem bestehenden Leistungsangebot für folgende MVG-Stadtbuslinien: Linie 160 mit Überführen in den Dauerbetrieb und den Linienwegänderungen in Karlsfeld über die Osten- bzw. Hochstraße bis einschließlich dem Jahresfahrplan 2023. Linie 172ohne Leistungsausweitung an Samstagen bis einschließlich dem Jahresfahrplan 2023.

   Der Landkreis erhofft sich von den Maßnahmen jährliche Einsparungen in bis zu siebenstelliger Höhe. Dazu kommt, dass Bund und Land einen millionenschweren ÖPNV-Rettungsschirm planen. Die Verantwortlichen im Landratsamt sind sich im Klaren, dass der ÖPNV zwar eine freiwillige Aufgabe des Kreises ist. Aber: „Er gehört zur Daseinsvorsorge und ist quasi eine Pflichtaufgabe“, so Herbst, der in Aussicht stellte, dass die jetzt verschobenen Projekte in besseren Zeiten doch noch verwirklicht werden könnten.

zim

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