+
Wie im Süden: Obstbäuerin Manuela Sandmair mit ihrer Tochter Margareta auf den staubtrockenen Feldern bei Langenpettenbach.

Ohne Bewässerung geht nichts mehr

Dachauer Landwirte leiden unter Dauer-Dürre

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
    schließen

Erst ein Winter ohne Schnee, jetzt ein knochentrockenes Frühjahr, das sich anfühlt wie Sommer: Das hat Folgen für die Landwirtschaft. Kreisbauernobmann Anton Kreitmair sagt sogar: „So eine Situation wie heuer weiß ich noch nie.“

Manuela Sandmair ist Obstbäuerin aus Langenpettenbach. Seit 1803 ist ihr Sandmairhof in Familienbesitz. Die Natur im Jahresverlauf, die Kultivierung der Böden, die optimale Ausbringung der Saaten: für die Sandmairs eigentlich Alltagsgeschäft. Doch in diesem Jahr sagt Manuela Sandmair beim Blick auf ihre Felder: „Es tut weh.“ Um die Erdbeerernte zu retten, bewässern die Sandmairs seit zwei Wochen ihre Felder. Die roten Früchte, so die Erlebnisbäuerin, „müssen ja jetzt wachsen“. Natürlich koste die Bewässerung Geld und Arbeit, aber: „Sonst kriegen wir eine Missernte.“

August Haas’ Gemütslage ist ähnlich. Der Dachauer Gemüsebauer unkt im Scherz: „Ich glaube, die haben Tiefdruckgebiete abgeschafft.“ Im Ernst aber erklärt er, dass er seine Pflanzen – vor allem Salat, Kraut, Sellerie und Zwiebeln – derzeit mit dem Güllefassl bewässert. Dies sei „reine Lebensrettung, damit das Gemüse nicht eingeht“.   

Beide, Sandmair wie Haas, kennen die Gründe für die aktuelle Situation, die Kreisbauernobmann Anton Kreitmair so formuliert: „Der Winter war sehr trocken. Den Böden fehlt dadurch die Frühjahrsfeuchtigkeit. In den letzten Wochen gab es ebenfalls keine Niederschläge – und es ist weiterhin kein Regen in Aussicht.“ In Summe, so Kreitmair, führe dies zu einer „Situation, die ich so noch nie um diese Jahreszeit erlebt habe“. Der Kleinberghofener beschreibt den Zustand als „dauertrocken“, der auch von Laien mittlerweile wahrgenommen werden könne: „Man sieht es. Bei uns schaut’s aus wie im Süden.“

Die Leidtragenden dieser südlichen Verhältnisse sind Kreitmair zufolge Obst- und Gemüsebauern wie Sandmair und Haas. Sämtliche Frühjahrssorten, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln sowie der Anbau von Futterpflanzen wären aktuell dringend auf Regen angewiesen. Und zwar nicht auf einen sintflutartigen Sturzregen, sondern auf „einen langsamen warmen Landregen“.

August Haas und Manuela Sandmair sind der gleichen Meinung, da die künstliche Bewässerung „nur eine Notlösung sein kann, damit die jungen Pflanzen überleben“, so die Langenpettenbacherin. Die Qualität ihrer Erdbeeren – „wir betreiben Freilandanbau“ – sei besser, wenn man der Natur nicht auf die Sprünge helfen müsse.

Klar, dieses Frühjahr ist „bedrohlich“ und „extrem“, wie die beiden Landwirte betonen. Der Trend habe sich aber schon lange abgezeichnet. „Wir hatten schon in den letzten fünf, sechs Jahren eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit“, berichtet Haas. In diesem Jahr komme lediglich hinzu, dass die Böden wegen des trockenen Winters keine Wasservorräte hätten. Auch Sandmair, für die gerade die Monate April und Mai besonders wichtig sind, gibt zu, schon seit zwei Jahren mittels Bewässerung Dürrephasen überbrücken zu müssen.

Kreitmair aber gibt sich (noch) optimistisch. Sollte es Anfang Mai noch anhaltend regnen, dann könne sich die Natur erholen. Die Böden im Landkreis Dachau hätten – im Gegensatz beispielsweise zu Ackerflächen in Franken – die Eigenschaft, Wasser gut speichern zu können. Während man in Franken also schon heute von einer Missernte ausgehen müsse, „möchte ich hier davon noch nicht reden. Dafür ist es noch zu früh“. Mitte Mai erst könne man „gesichert bewerten“, wie sich die Trockenheit auswirkt. Fest steht für Kreitmair angesichts der guten hiesigen Böden schon jetzt: „Auch wenn das viele nicht hören wollen: Aber wir müssen immer wieder zufrieden sein, dass wir hier im Landkreis Dachau wohnen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zweckverband übernimmt Parkraumkontrolle
Zweckverband übernimmt Parkraumkontrolle
Die Graffiti-Mauer fällt zuletzt
Die Graffiti-Mauer fällt zuletzt
Dachauer ins Hotel gelockt und ausgeraubt
Dachauer ins Hotel gelockt und ausgeraubt
Gründer der Jetzendorfer Hinterhofmusikanten feiert 70. Geburtstag
Gründer der Jetzendorfer Hinterhofmusikanten feiert 70. Geburtstag

Kommentare