Welche Maßnahmen sind sinnvoll? Teilnehmer an der Diskussionsveranstaltung der CSU in Dachau. foto: cla CSU und Löwl für dieNordost-UmfahrungBürger fordernAlternativen

CSU-Diskussionsveranstaltung zum Thema Verkehr

Ohne Verbesserungen droht Dachau der Kollaps

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Eine optimale Lösung für Dachaus Verkehrsprobleme? Wird es nicht geben. Das war eine Erkenntnis zur Diskussionsveranstaltung der CSU zum Thema Individualverkehr in Dachau. Die zweite Erkenntnis: Verbesserungen sind dringend nötig, ansonsten droht Dachau der Verkehrskollaps.

Dachau – Bei einer Veranstaltung der CSU zum Individualverkehr im Landkreis Dachau wurde im Schützensaal des Drei Rosen eifrig diskutiert, welche Maßnahmen zur Verbesserung sinnvoll sind. Dabei gehen nicht nur die Meinungen der Politiker sondern auch die der Bürger auseinander.

Zwei Themen standen im Vordergrund: Zum einen der Umbau der Münchner Straße, die seit August 2016 auf dem Abschnitt zwischen der Kreuzung Bahnhofstraße/Schillerstraße und der Candisserie nicht mehr vier, sondern nur noch drei Spuren hat, von denen es sich bei einer um eine Multifunktionsspur für Linksabbieger handelt. Querungshilfen für Fußgänger und Schutzstreifen für Radfahrer sollen für mehr Sicherheit sorgen. Das scheint zu funktionieren, wie Richard Wacht von der Polizeiinspektion Dachau erklärte: „Die Unfallzahlen sind um ein Viertel zurückgegangen.“

In den vergangenen beiden Halbjahren hätte es jeweils zwei Unfälle mit Radfahrern gegeben: „Alle im fließenden Verkehr und nicht mit parkenden Autos“, so Wacht. Für noch sicherer hielte er jedoch einen abgetrennten Radweg – doch die Realisierung ist unwahrscheinlich. Bei den Bürgern kam die Umgestaltung ebenfalls an.

Karin Märkl, Inhaberin des Spielwarengeschäfts in der Münchner Straße, zeigte sich zufrieden: „Am Anfang waren wir skeptisch, aber die neue Regelung läuft gut, auch wenn es natürlich noch Verbesserungspotenzial gibt“, sagte sie. Eines ist ihr besonders wichtig: „Unsere Angst ist, dass die Längsparkplätze wegfallen“, erklärte sie. „Das wollen wir auf keinen Fall.“

Auch Michael Kraus vom ADFC Dachau hatte ein Anliegen: „Die Umgestaltung ist schön, kann aber nur der Anfang sein. Radfahrer müssen besser ans Dachauer Verkehrsnetz angeschlossen werden.“

Verkehrsberuhigung, weniger Autos in der Stadt, mehr Raum für Radler und Fußgänger – über diese Ziele waren sich prinzipiell alle einig. Um sie umzusetzen, plädierten die CSU-Politiker für eine Nordost-Umfahrung. Ein umstrittenes Projekt, über das im Stadtrat seit Jahren diskutiert wird. „Alle, die sagen, das brauchen wir nicht, lassen sich auf ein schwieriges und gefährliches Experiment ein“, erklärte CSU-Fraktionsvorsitzender Florian Schiller. Nur wenn es weniger Durchgangs- und Pendlerverkehr durch die Stadt gäbe, könne der Binnenverkehr erfolgreich neu geordnet werden.

Ähnlich argumentierte auch Landrat Stefan Löwl (CSU). „Eine Umfahrung ist die Voraussetzung, um die innerstädtischen Flächen umzugestalten für den Öffentlichen Personennahverkehr, Radfahrer und Fußgänger“, erklärte er. „Und ohne Umfahrung kann man auch im Gewerbegebiet Dachau-Ost nichts mehr machen.“ Er präsentierte ein Gutachten, in dem sowohl eine lange Variante als auch eine kurze Variante untersucht wurden. Das Ergebnis: Bei beiden Varianten würde die Entlastung im Stadtkern von Dachau zwar relativ gering ausfallen. „Eine starke Entlastung wird es aber zum Beispiel für Etzenhausen und Dachau-Ost geben“, so Löwl. „Und manchmal sind auch fünf Prozent Entlastung in der Innenstadt die Entlastung, die dafür sorgt, dass eine Kreuzung wieder funktioniert.“

Dem widersprach der Dachauer Stadtrat Bernhard Sturm (Bündnis für Dachau): „Es gibt eine verkehrserzeugende Wirkung von Straßen“, erklärte er. „Mehr Kapazitäten führen zu mehr Verkehr.“ Einige Bürger plädierten zudem für Alternativen zur Nordost-Umfahrung. Georg Kern forderte etwa eine Kleeblatt-Lösung für die B 471 an der Münchner Straße: „Der ganze Verkehr muss jetzt durch Dachau, um auf die B 471 in Richtung Schleißheim zu kommen“, erklärte er. „Das würde sich schlagartig ändern.“ Auch dieser Vorschlag kam in der Vergangenheit schon mehrfach auf, „aber das ist technisch nicht möglich“, so Löwl. Er wies außerdem die Idee von Leonhard Reif zurück, der sich eine Westumfahrung wünscht. „Es kommt so viel Verkehr von Indersdorf“‘, erklärte Reif.

Neben den großen Projekten sahen viele Bürger weiteres großes Verbesserungspotenzial beim Verkehr in Dachau in folgenden Punkten: ein Parkhaus am Stadtrand; Shuttlebusse, die Pendler zum Bahnhof bringen; Parkplätze auf der Westseite des Bahnhofs; den zeitnahen Bau des Bahnhofsparkhauses und ein Ausbau des ÖPNV. Annemarie Grasse zum Beispiel wohnt in Günding und fährt jeden Tag zur S-Bahn am Dachauer Bahnhof. „Mit dem Bus brauche ich eine Stunde, mit dem Auto 15 Minuten“, erklärte sie. Zumindest hier waren sich alle einig, dass es beim ÖPNV Verbesserungspotenzial gibt. Die nächste Diskussionsveranstaltung soll sich deshalb um dieses Thema drehen.

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