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Fast wie im Bierzelt: Die Besucher des Autokonzerts von „Ois Easy“ am Freitag signalisierten bereits mit ihren Outfits, dass sie Lust auf eine bayerische Party haben.

Das letzte Autokonzert

Wunschkonzert mit Volksfest-Flair

Hunderte Handylichter wippten von links nach rechts in die Nacht zum Song „Angel“. Es war ein würdiger Abschluss der Autokonzerte, aus dem die Dachauer Band „Ois Easy“ ein Wunschkonzert machte.

Dachau – Das typische Rausschmeißer-Lied passte zur Atmosphäre, die einen Hauch von Volksfestzelt hatte. Viele hatten sich für diesen Abend auf der Thomawiese mit Lederhosen und Dirndl aufgebrezelt. Statt auf Bänken saßen die Besucher auf ihren Fensterrahmen, Autodächern oder lugten aus dem Dachfenster hervor. Tobias Schneider vom Kulturamt sollte recht behalten, als er vor dem Konzert sagte: „Heute sind vielleicht alle ein bisschen feierwütiger.“

„Euphorisch“ und „enthusiastisch“ sind dann die Worte, die er nach dem Konzert in den Mund nimmt. „Man merkt, die Leute wollten wieder was zu feiern haben.“ Zufrieden sei er mit allen neun Autokonzerten, von denen sieben ausverkauft waren. Sie alle galten als Alternativprogramm zum Musiksommer vor dem Rathaus. „Niemand hätte gedacht, dass die Stimmung so gut sein kann, aber es kam jedes Mal Live-Konzert-Stimmung auf“, erzählt Schneider und gibt zu, auch selbst nicht ganz frei gewesen zu sein von anfänglichen Zweifeln.

Neben der Technik spielten letztlich aber auch die Dachauer mit. Am Freitag mussten sie das auch im Wortsinn – die Band bat sie immer wieder um Abstimmung, welche Lieder gespielt werden sollten. „Die 90er leben hoch“ oder „Zehn Minuten Vollgas“ hieß es zum Beispiel. Mehr Lichtgewitter durch Lichthupen sowie Jubel bekam der zweite Vorschlag, woraufhin „Ois Easy“ Hits wie „Freestyler“, „Jump“ oder „I got a feeling“ interpretierten. Hoch im Kurs waren auch Songs zu „Da tanzt selbst Mutti auf der Bank“, „Danke“ oder „Ballermann“ – spätestens hier sickerte auch musikalisch das Volksfest durch.   

Die Discokugel vor der Bühne wurde nicht nur immer heller, weil es dunkler wurde, sondern weil immer mehr jegliche Lichtsignale des Autos nutzten, um Stimmung zu machen. Auch Feuerzeuge und die eigenen Arme kamen zum Einsatz, was funktionierte, weil vor allem in den vorderen Reihen keiner wirklich im Auto saß – so wie bei den Freundinnen in der ersten Reihe: Steffi und Melli kamen gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. „Das Konzert ist mega und total super“, fand Steffi. Melli lobte auch die Organisation: „Perfekt organisiert, es gab kein Chaos beim Einweisen und die Stimmung ist toll!“

Chef-Organisator Schneider fasst es so zusammen: „Es war schön zu sehen, wie jeder Interpret seine eigene Art fand, mit dem Publikum zu agieren.“

Das Feedback sei durchwegs positiv gewesen, auch von den Künstlern. „Ois Easy“ hätte gesagt: „Mensch, wir hätten nicht gedacht, dass es so toll wird!“ Nur einmal habe sich Schneider zufolge ein Anwohner beschwert, weil das Hupen zu viel geworden sei. Das, so der Kulturamtsleiter, „war auch verboten und Regel Nummer 1“, die allerdings die euphorischen „Ois-Easy“-Fans hin und wieder vergaßen.

Zufrieden mit den Autokonzerten: Dachaus Kulturamtsleiter Tobias Schneider.

Die Dachauer Band war am Ende glücklich, auf der Thomawiese und „zum ersten Mal beim Musiksommer spielen zu dürfen“. „Alle Bands waren dankbar und auch die vier Techniker, das Toilettenpersonal und 14 Security-Mitarbeiter waren froh, dass ein paar Aufträge da waren“, berichtet Schneider über die noch immer gebeutelte Veranstaltungsbranche. Ob es nach diesem Erfolg im nächsten Jahr wieder Autokonzerte geben wird, möchte er nicht beantworten. „Es war interessant und gut, es probiert zu haben“, sagt Schneider und meint, „weiter als vier Wochen im voraus zu planen, macht aktuell keinen Sinn“. Er ist jedoch überzeugt, dass die Veranstaltungen sich mit dem Corona-Verlauf weiterentwickeln würden und dass im Zuge dessen auch „immer mehr Mikro-Veranstaltungen“ geplant werden – in einem kleinen, intimen Rahmen an schönen, öffentlichen Orten, genau wie die Barockpicknicke, die den Abschluss des etwas anderen Musiksommers darstellen werden.

mik

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