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Würmchen und Süffchen im Gespräch: Herbert Müller und Richard Wiedl auf der Thomahaus-Bühne.

Opern Ensemble und Hoftheater spielen „Der Vogelhändler“

Entstaubt, bezaubernd, überraschend

Die gute alte Operette lebt – wenn sie so spritzig und witzig inszeniert ist wie „Der Vogelhändler“ in einer Gemeinschaftsproduktion des Lyrischen Opern Ensembles Dachau und des Hoftheaters Bergkirchen. Ein Genuss bis hin zum überschäumenden Finale.

Dachau – Das Lyrische Opern Ensemble Dachau und das Hoftheater Bergkirchen haben im Thomahaus die Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller gespielt. An der erfrischenden Aufführung im Ludwig-Thoma-Haus ist deutlich die Handschrift von Regisseur Herbert Müller erkennbar, der den Text bearbeitet hat, Verstaubtes ausräumt und Seitenhiebe auf aktuelle politische Missstände einfließen lässt.

Die melodiöse, einschmeichelnde Musik, die seit der Uraufführung der Operette 1891 in Wien Weltruhm erlangt hat, bleibt unangetastet und wird instrumental virtuos dargeboten von sechs „kurfürstlichen Musikern“, dirigiert vom musikalischen Leiter der Produktion, Armando Merino. Gesanglich bewegen sich die Solisten auf höchstem Niveau, genauso wie der stimmlich hervorragend besetzte Chor, der, immer in Bewegung, die Leute aus dem Dorf darstellt.

Tobias Zeitz spielt den über die Bühne wirbelnden Bürgermeister Schneck, der um seine Gemeindekasse besorgt ist. Aber es gibt ja die Sparkasse, sie wird als Sponsor und Förderer der Kunst häufiger erwähnt.

Richard Wiedl in der Rolle des „vazierenden“ Prodekans Süffchen und sein „Kollega“ Würmchen (Herbert Müller) ziehen stimmungsgeladen ihre eigene Show ab. Sie haben als wissenschaftliche Experten ihr Urteil über den in die Pfalz als arbeitssuchenden Migranten aus Tirol eingereisten Vogelhändler Adam (Ychi Xu) zu fällen. Bis zum Ende des Stücks stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich dieser Adam in der Lederhose, die nicht so richtig zu ihm passt?

Wenn dann der junge chinesische stimmgewaltige Tenor „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“ erklingen lässt, sind die Zuhörer hingerissen. Und das bleibt bis zum Schluss so in dieser mit Überraschungen gespickten vergnüglichen Aufführung im Bühnenbild von Ulrike Beckers. Die Irrungen und Wirrungen um Liebesbeziehungen, aufmüpfige Untertanen und finanzielle Befindlichkeiten lösen sich in der bunten Operettenwelt auf. Die reizende, kesse Christl von der Post (Janet Bens) entflammt für Graf Stanislaus (Andreas Staufer) und hebt damit höfische Zwänge auf. Die vermögende kurfürstliche Hofdame, Baronin Adelaide (Veneta Radoeva), begnügt sich hingegen mit dem verschuldeten Baron Weps (Frits Kamp).

Und was bleibt der Kurfürstin Marie von der Pfalz (Gesa Jörg) auf der Suche nach ihrem untreuen Ehemann? Sie gestattet Adam, bei ihr zu bleiben. Um weiter mit ihm im Duett die „Rosen aus Tirol“ zu besingen?

Beim überschäumenden Finale rücken noch einmal die selbstbewussten Frauen in den Mittelpunkt des Geschehens: „Kämpfe nie mit Fraun’n“ geben sie als Ratschlag den Männern mit auf den Weg.

Am kommenden Freitag, 19. Mai, um 19.30 Uhr besteht noch einmal Gelegenheit, sich bezaubern zu lassen vom Charme dieses aufwendig inszenierten Klassikers „Der Vogelhändler“.

Im Chor wirken mit: Annette Thomas, Andrea Kronmüller, Nike Schmidt, Linda Sieg, Lena Tynkova, Oleg Tynkov, Stefan Podlech und Ulrich Naumann.

Die Musiker: Cristian Roibu und Christian Zahlten (Violine), Gertrud Rudhardt (Viola), Mirella Nagy (Cello), Cristina Membrive /Ertug Torun (Kontrabass), Anna Winkler-Nam (Klavier).

Ingrid Koch

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