„Band spielt, Leute auch auf Treppe hören zu
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„Begegnung findet vor Ort statt“: So trat die Band Mozzarella-Group 2017 bei der internationale Jugendbegegnung im Max-Mannheimer-Haus auf und hatte mit dem Zeitzeugen mit Abba Naor (vorne im blauen Hemd) einen aufmerksamen Zuhörer.

Jubiläum wird am kommenden Wochenende in Dachau groß gefeiert

Ort der Begegnung für die Jugend der Welt

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Mit einem sommerlichen Zeltlager an wechselnden Standorten fing es an, nun blickt die Internationale Jugendbegegnung Dachau (IJB) zurück auf 40 Jahre unermüdliches Diskutieren, Lernen und Gestalten lokaler Erinnerungsarbeit. Am Wochenende findet die Jubiläumsveranstaltung statt – mit einem sehr abwechslungsreichen Programm.

Dachau – Jedes Jahr kommen seit 1983 in Dachau mehr als hundert junge Menschen aus aller Welt zusammen, um miteinander und voneinander aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen. Die Themen Nationalsozialismus, Entwicklung von Erinnerungsarbeit und moderne Formen von Diskriminierung sind dabei zentral, heißt es in der Pressemeldung des Trägerkreises der Internationalen Jugendbegegnung. Gefeiert wird das Jubiläum am kommenden Wochenende mit besonderen Veranstaltungen im Max-Mannheimer-Haus (siehe Kasten).

Die Begründer der Internationalen Jugendbegegnung um Frank Striegler „wollten damals einen Ort schaffen, an dem Zeitzeugen ihre Erlebnisse berichten konnten und sich junge Leute darüber austauschten“, erklärt Ludwig Gasteiger, Vorsitzender des Kreisjugendrings und Sprecher des Trägerkreises der Internationalen Jugendbegegnung. Diese Form der Erinnerungsarbeit, die heute selbstverständlich erscheint, „das gab es in den 80er Jahren noch nicht“. Die Ideen der Gründer bezeichnet Gasteiger als „wegweisend“.

Bald erwuchs daraus auch die Vorstellung, dass es, nach dem Vorbild der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oswiecim, auch in Dachau einen festen Ort für die Erinnerungsarbeit geben sollte. Einen Platz, an dem Jugendliche sich treffen, sich begegnen, Geschichte verstehen und für die für die Zukunft wichtige Erkenntnisse gewinnen könnten. 1998 wurde schließlich das Jugendgästehaus eröffnet, das seitdem fester Ort der Internationalen Jugendbegegnung ist.

Auch der Trägerkreis hat sich über die Zeit gewandelt, aktuell stehen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, dem Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau und dem Kreisjugendring drei Organisation hinter der IJB. Dabei ist die Art, wie das jährliche Programm erarbeitet und organisiert wird, nach wie vor einzigartig: Denn es ist ein internationales Team junger Ehrenamtlicher, die gemeinsam mit der hauptamtlichen Projektleitung jedes Jahr zu mehreren Koordinationstreffen zusammenkommen und das zweiwöchige Programm vor Ort dann zusammen begleiten und organisieren.

Gerade weil die IJB so stark auf dem freiwilligen Engagement junger Leute beruht, hält es Ludwig Gasteiger für wichtig, dass dieses Treffen heuer nach zweijähriger Pause wieder in Präsenz statt nur digital stattfinden kann. „Denn Begegnung findet vor Ort statt.“

Gekommen sind heuer unter anderem auch junge Leute aus der Ukraine, der Türkei, Kolumbien und Mexiko, berichtet Projektleiterin Stefanie Steinbauer. Als Aufgabe für die Zukunft bleibt, dass Erinnerungsarbeit nicht Routine wird, immer wieder in die aktuelle Zeit übersetzt, Bezüge zum Heute hergestellt werden. Die Zeitzeugen, die stets die Internationale Jugendbegegnung geprägt haben, gelte es „mitzunehmen in diesem Prozess“. Auch neue Wege will man beschreiten, wie heuer etwa mit dem Pussy-Riot-Konzert.

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