Mal silbrig, kühl oder schroff, dann wieder anschmiegsam, weich und lieblich: Violinistin Hyeyoon Park und der Pianist Benjamin Grosvenor bei ihrem Auftritt beim Schlosskonzert. Foto: habschied
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Mal silbrig, kühl oder schroff, dann wieder anschmiegsam, weich und lieblich: Violinistin Hyeyoon Park und der Pianist Benjamin Grosvenor bei ihrem Auftritt beim Schlosskonzert. Foto: habschied

Endlich wieder Schlosskonzerte! Perfektion bei beiden Auftritten

Nach vielen Monaten Zwangspause gab es endlich wieder ein Dachauer Schlosskonzert – da heißt, eigentlich gab es sogar gleich zwei,

VON SUSANNA MORPER

Dachau – Weil der Renaissancefestsaal im Augenblick aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln nicht voll besetzt werden darf, spielten die Violinistin Hyeyoon Park und der Pianist Benjamin Grosvenor sowohl um 18 als auch um 20.30 Uhr. In ungewohnt kleiner Zahl tröpfelten die Zuhörer auf ihren mit ausreichend Distanz im gesamten Saal verteilten Plätzen ein, wobei diese Sitzordnung zwei akustische Effekte mit sich brachte: Erstens konnte man die feinen Nuancen und dynamischen Schattierungen und generell die Klangschönheit des Spiels von Parks und Grosvenors abwechslungsreichem Spiel in aller Deutlichkeit wahrnehmen, weil weniger Schall vom Publikum absorbiert wurde. Zweitens gab es zwar weniger Leute, die zwischen den Sätzen raschelten oder husteten, gleichzeitig nahm man aber jedes kleine Nebengeräusch viel lauter und störender wahr als sonst.

Obwohl die beiden Künstler ihr Programm um ein Stück verkürzt hatten, damit die Veranstaltung gemäß der aktuellen Regelung für Konzerte ohne Pause und mit nur einer Stunde Gesamtlänge stattfinden konnte, war die Energie, Konzentration und Perfektion der Musiker bei zwei Auftritten am selben Abend bemerkenswert. „Natürlich war das zweite Konzert von der physischen Kraft her anstrengender, aber ich würde nicht sagen, dass einer der Auftritte leichter oder angenehmer gewesen wäre als der andere“, erklärte Hyeyoon Park hinterher. „Beide Konzerte waren sehr intensiv“, stimmte ihr Benjamin Grosvenor zu.

Von Anstrengung oder gar Erschöpfung der Interpreten war allerdings auch im zweiten Konzert bis zur letzten Sekunde nichts zu spüren. Sie entführten die Gäste mit den „Mythen“, op. 30, von Karl Szymanowski in eine schillernde, märchenhafte Fantasiewelt. Farbenreich und dynamisch wie agogisch hervorragend ausgearbeitet erzählten sie auf ihren Instrumenten von Blumen und Naturgeistern, ohne dass ihre ausdrucksstarke Gestaltung je aufgesetzt gewirkt hätte. Park formte ihren Klang und ihr genauestens überdachtes Vibrato mal silbrig, kühl oder schroff, dann wieder anschmiegsam, weich und lieblich, Grosvenors Finger entlockten den Tasten perlende und ätherische, aber auch temperamentvolle und wilde Schattierungen.

Auch das zweite Stück des Programmes, César Francks berühmte Violinsonate in A- Dur, war ein außergewöhnlicher Hörgenuss. Elegant und geschmackvoll, kammermusikalisch exzellent umgesetzt und nie langweilig, stellten die beiden Musiker erneut ihr Können unter Beweis. Scheinbar mühelos und mit souveräner Wandelbarkeit spielten sie einander die Bälle zu, die furiosen Ausbrüche gestalteten sie ebenso einvernehmlich und überzeugend wie die abgeklärten, eindringlich ruhigen Passagen.

Trotz der geringeren Zahl der Zuhörer ernteten Park und Grosvenor für ihre Darbietung starken Beifall und Bravo-Rufe. Trotz der enormen Leistung, zweimal an einem Abend mit einem so anspruchsvollen Programm aufgetreten zu sein, bedankten sich die Künstler nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei Zugaben: nach dem hochvirtuosen Ungarischen Tanz, op. 6 Nr. 2, von Sergej Rachmaninov schickten sie ihr Publikum mit dem Abendlied, op. 85 Nr. 12, von Robert Schumann, nach Hause.

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