Getrübte Weihnachtsstimmung: Dachaus Stadtpfarrer Benjamin Gnan hatte sich auf die besinnliche Weihnachtszeit gefreut, doch daraus ist bislang nichts geworden. Er und seine Kollegen in anderen Pfarrverbänden müssen ständig neue Vorgaben beachten.hab
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Getrübte Weihnachtsstimmung: Dachaus Stadtpfarrer Benjamin Gnan hatte sich auf die besinnliche Weihnachtszeit gefreut, doch daraus ist bislang nichts geworden. Er und seine Kollegen in anderen Pfarrverbänden müssen ständig neue Vorgaben beachten.hab

Getrübte Weihnachtsstimmung bei den Dachauer Pfarrern

Ständig neue Vorschriften für die Weihnachtsgottesdienste: Pfarrer genervt, Gläubige verunsichert

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  • Stefanie Zipfer
    Stefanie Zipfer
  • Thomas Zimmerly
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  • Christiane Breitenberger

Seit Wochen planen die Pfarrer für Weihnachten. Doch das Hin und Her, was nun erlaubt sein soll und was nicht, zerrt an den Nerven selbst der geduldigsten Geistlichen. Und auch die Gläubigen sind verunsichert und zögern, sich für die Gottesdienste anzumelden.

Landkreis – Dachaus Stadtpfarrer Benjamin Gnan ist vorsichtig geworden. Mittel- bis längerfristige Aussagen macht er nur noch äußerst ungern. Zu oft bekomme er Post aus München oder aus dem Landratsamt, die dis bisherigen Planungen über den Haufen werden würden. „Wir kennen uns auch nicht mehr aus“, gibt Gnan zu. Und auf die Frage, ob die jüngste Gottesdienstordnung für Weihnachten bestehen bleibe, sagt er achselzuckend: „Was morgen gilt? Keine Ahnung.“

Pfarrer Albert Hack vom Pfarrverband Bergkirchen-Schwabhausen kann die Gemütslage seines Dachauer Kollegen nachvollziehen. Hack ist schlichtweg „genervt“. Er plane nun seit „fünf bis sechs Wochen“ für Weihnachten – ohne verbindliche, dauerhafte Ansagen aus München: „Ich warte immer noch auf eine Nachricht von unseren Bischof!“

Berndhard Skrabal, Pastoralreferent im Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen, fasst es so zusammen: „Nix Genaues weiß man nicht.“ Und Josef Mayer, Geistlicher Direktor am Petersberg, gibt zu, in diesem Corona-Jahr für die Gottesdienstplanung neben einer gehörigen Portion Geduld auch „logistisches Geschick“ zu benötigen.

Die jüngste Volte der Staatsregierung zu Weihnachten war, dass die Ausgangssperre ab 21 Uhr nun doch für Heiligabend gelten soll. Die Pfarrämter mussten daher alle Gläubigen abtelefonieren, die sich für die späteren Metten angemeldet hatten, und ihnen anbieten, einen früheren Termin zu nutzen. Für die Petersberg-Kirchgänger bedeutet dies beispielsweise, dass sie statt um 23 Uhr nun die Messe um 16 Uhr besuchen können. Laut Pfarrer Mayer hätten dieses „Angebot“ nicht viele nutzen wollen – wofür er sogar Verständnis hat: „Ich bin da ganz ehrlich: Die Zeit für eine Christmette ist eigentlich 23 Uhr, oder zumindest spät am Abend.“ Doch weil er „niemanden im Regen stehen lassen will“, hat er sich noch für ein zusätzliches Anbot entschieden – obwohl er zu dieser Zeit eigentlich frei gehabt hätte. Für alle, die an Heiligabend nicht schon nachmittags kommen wollten, gibt Pfarrer Mayer jetzt am ersten Weihnachtstag um 9 Uhr ein Christamt. Um die Musik kümmert sich eine „Lernorganistin, die extra kommt und sogar extra noch mal vorher übt“, so Mayer.

Pfarrer Gnan spricht ebenfalls von einem „Riesen-Verwaltungsaufwand“. Er habe sich – wie jedes Jahr – auf die besinnliche Weihnachtszeit gefreut, doch daraus sei bislang nichts geworden: „Ständig kriegen wir neue Vorgaben!“

Was Gnan besonders traurig macht: dass die Anmeldungen zu den Gottesdiensten bislang „eher getröpfelt als geflossen“ seien. Sein Eindruck ist, dass die Menschen – nicht nur Alte, sondern auch junge Familien – Angst hätten und aus Vorsicht lieber nicht in die Kirche gehen würden. Gnan betont daher: „Unsere Gottesdienste sind sehr sicher!“

Pfarrer Hack befürchtet ebenfalls, dass manche Kirchgänger angesichts der Auflagen lieber auf einen Gottesdienstbesuch verzichten. Sein „Weihnachtsjuwel“, die Waldweihnacht im Deutenhauser Wald, für die er seit Wochen geplant hatte, darf er nun ohnehin nicht durchführen. Zwar hätte der Gottesdienst unter freiem Himmel stattfinden sollen, allerdings wurde er vom Landratsamt zuletzt als „Großveranstaltung“ deklariert und damit untersagt. Der Dachauer Gnan hatte Feiern unter freiem Himmel für Pellheim und Mitterndorf ebenfalls angedacht, wie er zugibt. Aber wie Hack musste auch er die Erfahrung machen, dass dieses „Raus aus der Kirche so locker und leicht nicht durchzuführen ist“.

Bleibt als letzte weihnachtliche Alternative noch der Online-Gottesdienst, wobei der Dachauer Stadtpfarrer auch hier gewisse Probleme sieht: „Wenn, dann muss das doch gut sein.“ Für eine professionelle Online-Übertragung brauche es aber Know-how und Ausrüstung, weshalb er sich nun begnügt, einen Video-Impuls auf die Internetseite seines Pfarrverbands zu stellen; ansonsten werde man dort einen Link zur Liveübertragung in den Münchner Dom anbieten. Dort, so Gnan, „ist sichergestellt, dass es eine gute Aufzeichnung gibt“.

Auf digitale Bilder setzt – gezwungenermaßen – auch Pastoralreferent Skrabal: Für die Kleinen hatte der Pfarrverband nämlich statt einer Kinderchristmette ein Treffen im Freien geplant, bei der an verschiedenen Stationen die Weihnachtserzählung nachgespielt werden sollte. Da diese Veranstaltung ebenfalls nicht stattfinden darf, werden nun sechs einzelne Videos gedreht, die ab dem Mittag des Heiligen Abends auf dem Youtube-Kanal des Pfarrverbands, den es bereits seit Ostern gibt, angeschaut werden können. Zudem werden sowohl die Christmette an Heiligabend sowie der Gottesdienst am 25. Dezember intern zelebriert und anschließend inklusive Musik auf Youtube hochgeladen: die Mette um 18 Uhr, der Gottesdienst um 8 Uhr früh.

Am Petersberg wagt man sich sogar an eine Liveübertragung: Die Messen am 24. Dezember um 16 Uhr und am 25. Dezember um 11 Uhr können die, die lieber nicht in die Kirche gehen wollen, via Internet verfolgen.

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