Eine Frau mit kurzen Haaren und Brille.
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Verlässt Helios nach nur einem Jahr: Pflegedirektorin Gesa Breckweg.

Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe

Pflegedirektorin verlässt Klinikum - nach nur einem Jahr

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Die Pflegedirektorin Gesa Breckweg verlässt das Helios Amper-Klinikum Dachau. Sie war sehr beliebt. Ein Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen das Klinikum.

Dachau – Am Montag hat Klinikgeschäftsführer Florian Aschbrenner vor 30 Mitarbeitern aus dem Pflegebereich verkündet, dass die Pflegedirektorin Gesa Breckweg das Helios Amper-Klinikum verlässt – laut Aschbrenner auf eigenen Wunsch. Heute (24.9.) ist ihr letzter Arbeitstag. Ein langjähriger Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, dessen Name aber der Redaktion bekannt ist, sagt, dass Gesa Breckweg nicht freiwillig gegangen sei.

Die Pflegedirektorin habe nicht nur die Zahlen und den guten Umsatz in den Vordergrund gestellt, sondern auch das Wohl der Mitarbeiter. Über 50 Angestellte wollten nun kündigen, wie in den nächsten Tagen in einem Brief an die Belegschaft des Dachauer Krankenhauses mitgeteilt werden soll.

„Der Mensch stand bei ihr im Vordergrund, sie hat den Mitarbeitern ihre Wertschätzung für deren Arbeit zum Ausdruck gebracht“, so der Helios-Mitarbeiter. Gesa Breckweg sei mit Herzblut dabei gewesen – habe aber auch nicht mit der Geschäftsführung mitgetragen, dass die Untergrenze an Pflegepersonal ständig unterschritten wurde. „Da hat sie gesagt: Das mach ich nicht.“ 30 Patienten und eine Pflegekraft, das sei menschenverachtend und hochgradig gefährlich, so der Mitarbeiter. Auch Gefährdungsanzeigen sollen nicht mehr geschrieben werden. Dabei handelt es sich um ein Instrument der Entlastung: Beschäftigte können ihren Arbeitgeber auf eine Situation aufmerksam machen, die aufgrund von Arbeitsüberlastung zu Schaden bzw. Fehlern in der Tätigkeit führen könnte. Zudem sollen weder Stationen geschlossen noch das Krankenhaus von der Leitstelle abgemeldet werden – aufgrund von Personalmangel. Das alles habe Gesa Breckweg nicht mitgetragen.

„Sie wollte ein Magnetkrankenhaus schaffen, in dem die Leute sich gerne bewerben“, so der Mitarbeiter. Niemals hätte sie aus freien Stücken das Haus verlassen. Zudem sei bereits die Stelle eines Cluster-Pflegedirektors besetzt worden, der sofort zur Verfügung stehe.

Helios betont, dass Gesa Breckweg die Amper Kliniken AG „auf eigenen Wunsch zum 24. September“ verlässt. Sie „möchte sich jetzt einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Die Klinikgeschäftsführung bedauert ihre Entscheidung sehr.“ Dominik Teich, der zum 1. April als Cluster-Pflegedirektor an die vier Helios-Standorte nach Dachau und München gewechselt ist, übernehme die Funktion des Pflegedirektors für Dachau und Indersdorf übergangsweise mit, wie Pia Ott, Pressesprecherin der Helios Amper-Kliniken, mitteilt.

Die Personalsituation in der Pflege ist nach Angaben von Ott nach wie vor stabil. „Personalausfälle durch Krankheit, Schwangerschaft oder Fluktuation werden in bewährter Form durch unterschiedliche Maßnahmen kompensiert, etwa durch unseren Springerpool.“ So einschneidende Schritte wie die Schließung von Stationen stehen ganz am Ende eines definierten Maßnahmenkatalogs. Helios weist die Vorwürfe zurück, dass keine Gefährdungsanzeigen mehr geschrieben würden. „Unsere Beschäftigten wurden und werden von uns explizit gebeten, sich bei ihren Vorgesetzten bei potenziellen Gefährdungen zu melden“, so Ott. „Wir prüfen jeden Hinweis detailliert. Wenn aus der Anzeige ein aktueller, unmittelbarer Handlungsbedarf hervorgeht, reagieren wir sofort. Damit wirken wir der angezeigten Überlastung oder vermeintlichen Gefährdung unmittelbar entgegen.“

Zur Unterschreitung der Personaluntergrenzen erklärt Helios, dass die Verordnung (PpGUV) im Zuge der Corona-Pandemie außer Kraft gesetzt worden sei, nur in der Intensivmedizin und Geriatrie ab 1. August wieder in Kraft gesetzt worden. „In der Phase zwischen der Vorhaltung für Corona-Patienten und Normalbetrieb ließen sich temporäre Unterschreitungen der PpGUV nicht gänzlich vermeiden“, so Ott. „Wir arbeiten derzeit intensiv daran, die bestmögliche Versorgung und die personellen Kapazitäten in der Pflege bestmöglich aufeinander abzustimmen.“

Weder Betriebsrat Martin Tobies noch Gesa Breckweg selbst waren seit Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen. Landrat Stefan Löwl, Mitglied des Aufsichtsrats der Amper Kliniken AG, lernte Breckweg als „kompetent und engagiert“ kennen. Er habe schon zu Beginn des Sommers gehört, dass sie sich anders entwickeln möchte.

Heute (24.9.) ist Gesa Breckwegs letzter Arbeitstag. Nachmittags wollen sich die Mitarbeiter von der beliebten Chefin verabschieden.

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