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Hört zu, nimmt Ängste und bietet Hilfe an: Anja Mußmann-Walter vom Dachauer Mehrgenerationenhaus an ihrem „Plauschofon“. Damit sollen einsame Menschen, speziell an Ostern, Gelegenheit zum Reden bekommen.

In der Isolation

Das „Plauschofon“ der Awo hilft gegen die Einsamkeit während der Corona-Krise

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Während der Corona-Krise sind viele Menschen einsam. Darum gibt es im Landkreis Dachau einige Gesprächspartner, an die sich Betroffene wenden können.

  • Wegen Corona-Krise sind viele Menschen einsam.
  • Insbesondere während der Ostertage kann deshalb der psychische Druck steigen.
  • Darum gibt es verschiedene Angebote, an die sich die Betroffenen wenden können - wie das „Plauschofon“ der Awo.

Dachau – Die Sonne scheint, die Temperaturen sind nach oben geklettert: Eigentlich das perfekte Wetter, um Ausflüge zu machen oder Freunde zu treffen. Doch seit der Corona-Krise sind das verbotene Aktivitäten. Weitgehende Isolation von der Außenwelt, das ist jetzt der Alltag der Landkreisbürger.

Doch besonders für Menschen, die alleine wohnen oder mit psychischen Erkrankungen kämpfen, ist diese Situation nicht leicht. Deshalb gibt es in Dachau seit kurzem das „Plauschofon“. Das ist eine telefonische Begleitung seitens des Mehrgenerationenhauses der Awo. Dort darf jeder von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr und 16 und 18 Uhr anrufen, der jemanden zum Reden braucht. „Das Coronavirus befeuert die Ängste des Menschen“, sagt Karin Ulrich, Leiterin des Mehrgenerationenhauses. „Isolation ist für uns soziale Wesen furchtbar!“

Plauschofon der Awo: Einsamkeit ist wegen Corona deutlicher spürbar

Besonders ältere Menschen oder Alleinstehende seien vonEinsamkeit geplagt. „Die ist in der jetzigen Situation deutlich spürbarer als sonst“, sagt Ulrich. Aber auch alleinerziehende Mütter und Väter bräuchten ab und zu jemanden zum Reden. Deshalb bietet sie an: „Wir sind da, damit sich die Menschen etwas von der Seele sprechen können!“ Zwar ist der Andrang noch nicht sonderlich groß, dennoch will das Team um Karin Ulrich das Angebot über die Feiertage ausweiten. „Wir sind zu dieser Zeit nachmittags von 16 bis 18 Uhr da“, so Ulrich. Nach den Feiertagen würde es wieder zu den normalen Zeiten weitergehen.

Karin Ulrich betont, dass das „Plauschofon“ kein Krisen- oder Seelsorgetelefon ist. „Wir sind einfach nur für Gespräche da“, sagt sie. „Wenn jemand mehr Hilfe braucht, greifen wir auf unser großes Netzwerk zurück und vermitteln die Menschen an die richtigen Stellen weiter.“

Hilft Menschen mit psychischen Erkrankungen: Die Caritas Dachau

Schon vor der Corona-Krise hat die Caritas Dachau mit ihrem sozialpsychiatrischen Dienst Menschen in Not geholfen. Normalerweise ist der persönliche Kontakt dabei grundlegend. Doch nun ist das nur noch per Telefon oder online möglich. „Psychisch kranke Menschen sind von der Corona-Krise mehr betroffen“, sagt der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Andreas Miller. „Und auch Menschen, die sich vorher einsam gefühlt haben, spüren das jetzt verstärkt.“ Für die Betroffenen sei es deshalb wichtig, ihre Routine aufrecht zu erhalten. „Die Menschen müssen sich jeden Tag etwas zum Ziel setzen, was ihnen Freude bereitet“, sagt Miller. Das wichtigste aber sei es, die Nachrichten zu begrenzen: „Sonst kommt der Betroffene schneller in eine Negativspirale hinein.“

Das sieht seine Kollegin, die Caritas-Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl, genauso. Sollten die negativen Gedanken dennoch überhand nehmen, dürfen sich die Menschen frühzeitig an die Beratung der Caritas wenden. Die Mitarbeiter helfen bei allen Sorgen. Grundsätzlich empfiehlt Heidi Schaitl während der Isolation, Kontakt zu seinen Bekannten und Verwandten zu halten. „Wer ein privates Netz hat, sollte das nutzen“, sagt sie. Sei es einfach zu skypen oder zu telefonieren, das alles ist laut Schaitl wichtig, um seinen Alltag in der Isolation bewältigen zu können.

Krankenhausseelsorge bietet ebenfalls eine Telefon-Hotline an

Seit 1. April bietet auch die Krankenhausseelsorge eine Telefon-Hotline an. Sie wird für den Landkreis Dachau, die Helios Amper-Kliniken sowie die Dekanate Dachau und Indersdorf angeboten. Dort können sich Corona-Infizierte, Nicht-Corona-Patienten die gerade keinen Besuch empfangen können, deren Angehörige oder Trauernde hinwenden. „Das Seelsorge-Telefon soll Betroffenen in der Krise helfen, wenn sie sich einsam, verunsichert, traurig oder ängstlich fühlen. Es soll entlasten, stabilisieren und Orientierung geben“, so der Pfarrverband „Hand in Hand“. Die Hotline ist täglich von 9 bis 21 Uhr erreichbar.

Die Telefonnummern der Hilfsangebote:

Dachauer Plauschofon: 0 81 31/ 66 55 04 6

Sozialpsychiatrischer Dienst der Caritas: 0 81 31/29 81 40 0

Seelsorge-Telefon: 0151/20 20 04  23

ly

Alle weiteren Neuigkeiten zu Corona im Landkreis Dachau finden Sie in unserem Liveticker.

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