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Rausziehen, bevor etwas passiert: Polizeio bermeister Christoph Herrmann stoppt hier einen Autofahrer an der Kontrollstation am Dachauer Familienbad

Kontrollaktion der Dachauer Polizei am Freitag

66 Handy- und Gurtverstöße in vier Stunden

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Die Polizei Dachau hat gestern bei zwei groß angelegten Aktionen in Dachau und Karlsfeld Autofahrer aus dem Verkehr gezogen, die mit dem Handy telefoniert hatten oder nicht angegurtet waren. Der Grund: Gerade die Handyverstöße werden immer mehr. Die Kontrollen bestätigten dies eindrücklich.

Dachau – 600 Handyverstöße hat die Polizeiinspektion Dachau im vergangenen Jahr protokolliert. Und sie hat etwa 1000 Autofahrer gestoppt, die ohne Gurt unterwegs waren. 1600 gute Gründe für die PI, gestern zwei groß angelegte Kontrollstellen – in Dachau am Familienbad sowie in Karlsfeld an der Ecke Bajuwarenstraße/Hochstraße – einzurichten. 27 Beamte der PI sowie des Einsatzzugs Oberbayern Nord waren für die beiden Aktionen abgestellt. Und sie hatten jede Menge zu tun (Einzelheiten siehe Kasten).

Am Familienbad etwa stoppten die Beamten bereits in den ersten 90 Minuten 14 Autofahrer; zwölf waren von ihrem Mobiltelefon abgelenkt, zwei hatten keinen Gurt angelegt. Wohlgemerkt: Für einen Verkehrsverstoß muss der Fahrer sein Handy nicht unbedingt in der Hand halten. Es genügt, wenn es auf seinem Schoß liegt, denn „die Blickebene ist eine gefährliche“, so Polizeioberkommissarin Birgit Surauer.

Ihr Handy auf dem Schoß liegen hatte beispielsweise eine Frau aus dem Landkreis, als sie angehalten wurde. Die für eine Versicherung im Außendienst tätige Autofahrerin meinte, sie habe einen Anruf hereinbekommen und wollte ihre Freisprechanlage via Handy aktivieren. Dabei war sie von einem Polizisten, der sich einige hundert Meter vor der Kontrollstation positioniert hatte, beobachtet worden. Erschwerend kam hinzu, dass im Moment, als das Telefon klingelte, ein Fußgänger die Fahrbahn überqueren wollte, was die Autofahrerin übersah. Bei der Überprüfung ihrer Personalien gab die Frau ihr Vergehen zu. Sie meinte aber, es sei die erste Kontrolle dieser Art, in die sie geraten sei. „Geblitzt worden bin ich natürlich schon, aber Punkte in Flensburg habe ich keine.“ Auf die Frage, was sie von der Kontrolle halte, antwortete sie: „Ich bin der Meinung, dass dies hier eine Abzocke ist!“

Genau das ist laut Polizei eben nicht der Sinn solcher Aktionen wie in Dachau und Karlsfeld. „Wir möchten die Verkehrsteilnehmer damit sensibilisieren und präventiv auf sie einwirken“, stellt Surauer klar. Es sei besser, vorher die Autofahrer anzuhalten, als dass es später zu Unfällen komme. „Die Anzahl der Handyverstöße steigt“, so die Oberkommissarin weiter. Sie seien mittlerweile für 10 bis 30 Prozent aller Unfälle zumindest mitverantwortlich, das sollen verlässliche Studien ergeben haben. Wie uneinsichtig Autofahrer sein können, schildert ein Kollege während der Kontrollen: „Ich habe schon erlebt, dass einer weitertelefoniert hat, als wir ihn schon rausgezogen hatten.“

Im Fall der telefonierenden Autofahrerin aus dem Landkreis wird die Polizei (noch) keine Anzeige erstatten. Zunächst muss die Beweislage endgültig geklärt werden. Es müsse beispielsweise festgestellt werden, dass die Frau deutlich abgelenkt war, so einer der Kontrolleure, der kurz zuvor eine weitere Autofahrerin überprüft hatte. Sie soll ihr Handy sogar am Ohr gehabt haben. Die Angelegenheit war vor Ort jedoch schnell erledigt. „Sie hat uns glaubhaft versichern können, dass sie sich nur am Ohr gekratzt hatte“, so der Kontrolleur.

Ist die Polizei der Ansicht, dass eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, kann es teuer werden. Der telefonierenden Autofahrerin aus dem Landkreis droht ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Liegt eine konkrete Gefährdung des Fußgängers vor, erhöht sich das Bußgeld auf 150 Euro, die Punktzahl auf 2 und es kommt ein einmonatiges Fahrverbot hinzu. Erst im vergangenen Jahr waren die Gesetze für Handyverstöße verschärft worden. Nun sind auch der Blick auf einen Tablett-PC oder das Hantieren an losen Navigationsgeräten strafbar.

Aktionen wie gestern wird die Polizei laut Birgit Surauer öfter durchführen, denn Handyverstöße „bleiben für uns ein heißes Thema“. Wie heiß, erklärt der Verkehrsexperte der Polizei Dachau, Richard Wacht: „Es ist gar nicht so selten, dass auf Blitzerfotos Autofahrer drauf sind, die telefonieren.“

Die Bilanz der Kontrollen:

Die Polizei kontrollierte gestern insgesamt 70 Fahrzeuge im Zeitraum von 8.30 bis 13.30 Uhr. Dabei stellte sie 31 Handyverstöße und 35 Gurtverstöße fest. Ein Autofahrer wurde gestoppt, weil er wegen überlauter Musik im Wagen abgelenkt war. In einem Fall hat ein Handynutzer am Steuer einem Fußgänger das Überqueren der Fahrbahn an einem Fußgängerüberweg nicht ermöglicht

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