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Polyfka: Schließung der Impfzentren gegen Rat der Experten

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Von: Nikola Obermeier

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Warteschlange vor Rot-Kreuz-Haus
Lange Warteschlangen bildeten sich am Freitag vor dem BRK-Haus. Das sollte in Zukunft nicht mehr passieren: Ab sofort werden wieder Impftermine vergeben. © th

Die Impfzentren im Landkreis Dachau sind seit September zu. Ein grober Fehler, sagt ein Mann aus der BRK-Führung im Landkreis.

Dachau - Mit der Schließung des Impfzentrums seien Strukturen zerstört worden, sagt Paul Polyfka. Der Kreisgeschäftsführer des BRK hat resigniert, weil die Politik nicht auf Experten gehört und wenig vorausschauend geplant habe. Landrat Stefan Löwl dagegen setzt weiterhin auf mobile Impfteams – zunächst.

Das bestätigt Hans-Ulrich Braun, Ärztesprecher im Landkreis Dachau. „Wir müssen jetzt die dritte Booster-Impfung abarbeiten und kommen an das Limit der Belastbarkeit der Mitarbeiter.“ Teilweise sei die Praxis daher telefonisch nicht erreichbar.  

Die Impfteams können laut Günzel bis 22. November 1000 Impfangebote pro Woche schaffen – aufgrund eines vorübergehenden Engpasses an Impfstoffen. Die Impfstoffe müssen zwei Wochen im Voraus bestellt werden – damals hatte man nicht mit dieser Nachfrage gerechnet. Ab Ende November werden die Angebote hochgefahren, laut Landrat Stefan Löwl auf 3000 Impfungen pro Woche über die Impfteams, 2000 über die Hausärzte.

Zu wenig, findet Dr. Stefan Benzinger, Hausarzt in Dachau. In einem Leserbrief (Lokalseite 3) gibt er dem Landrat eine Nachhilfestunde in Mathematik und fordert die Wiedereröffnung der Impfzentren „sofort und mit großer Kapazität“. Denn die „Impfkampagne retten – das schaffen wir Hausärzte nicht alleine“.

Für Landrat Stefan Löwl indes steht fest: „Die Impfung muss zu den Menschen kommen!“ Nachdem ab sofort nur noch nach Terminvergabe geimpft werde, sei in Zukunft auch die Wartezeit kein Problem mehr. Der Landrat wollte allerdings auch nicht ganz ausschließen, dass es wieder ein Impfzentrum geben wird, wie er auf der Pressekonferenz am Donnerstag im Landratsamt sagte.

Mit der Schließung der Impfzentren Ende September sind laut Paul Polyfka „Strukturen zerstört worden – und wir haben einen unglaublichen Kraftakt vor uns, diese wieder so aufzubauen“.

Nach der Schließung des Dachauer Impfzentrums habe das BRK bis Ende Oktober – nach Überstundenabbau – rund 80 Mitarbeiter entlassen. Nun müsse wieder um acht bis zwölf Personen aufgestockt werden, für die beauftragte Erweiterung.

Das BRK prüfe zudem, ob es sich personell ein „Impfzentrum light“ leisten kann, wobei die Räumlichkeiten im BRK-Heim natürlich noch da wären. Denn seiner Meinung nach macht es mit Blick auf die Witterung Sinn, ein stationäres Impfangebot im Landkreis zu haben, mit beheiztem Wartebereich, „kombiniert mit durchdachten, dezentralen Angeboten“.

Seit 1. Oktober sind das BRK und die Johanniter mit Impfteams, unter anderem in einem Bus, im Landkreis unterwegs. Nachdem im Sommer die Nachfrage nach Impfungen in den Impfzentren nachließ und die Zentren nicht mehr ganz ausgelastet waren, hat das Landratsamt auf Empfehlung der Regierung von Oberbayern den Betrieb der beiden Impfzentren eingestellt – aus finanziellen Aspekten.

Man habe damals die finanziellen Aspekte stärker bewertet und „nicht überlegt, wie man durch die vierte Welle kommt“, klagt Polyfka.

Diese beginnt nun, und die die Impfteams im Landkreis erleben prompt einen Ansturm. Wie berichtet, bildeten sich vor den Impfbussen, aber auch vor dem BRK-Haus am vergangenen Freitag lange Schlangen, mehrere Stunden lang mussten die Impfwilligen warten. „Im Moment ist das System nicht steuerbar“, so Polyfka.

Der BRK-Kreisgeschäftsführer ist desillusioniert. „Für mich in meiner Rotkreuzwelt wäre eine solche Form der Arbeit nicht möglich: dass ich von Experten auf eine potenzielle Entwicklung aufmerksam gemacht werde und dennoch anders entscheide.“ Aus Sicht des BRK wäre es sinnvoller gewesen, das Impfzentrum nicht zu schließen für die kurze Zeit, in der es nicht ausgelastet war. Aber, resigniert, ergänzt Polyfka: „Ich will mir keine Gedanken machen, was sinnvoll wäre, weil am Ende anders entschieden wird.“ Das Gefühl der Verantwortung sei verblasst.

Bei den Bürgern, die etwa am Freitag in der Schlange vor dem BRK-Haus standen und auf eine Impfung warteten, möchte sich Polyfka entschuldigen, „dass das BRK seine gewohnte Qualitätsarbeit aktuell nicht leisten kann. Wir holen das Beste aus einer vorgegebenen Struktur raus, die nicht gut ist.“

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