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Nur ein Dutzend Mitarbeiter fanden sich gestern zur „aktiven Mittagspause“ vor dem Klinikeingang ein.

Am Helios Amper Klinikum

Protest: Klinik-Beschäftigte in Dachau fordern mehr Personal und Ausfallkonzept

Mehr Personal und ein Ausfallkonzept: Das fordern die Beschäftigten der Helios Amper Kliniken AG in Dachau. Mit ihrer „aktiven Pause“ am Montag wollten sie auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. 

Dachau – Angemessen bezahlt werden, genügend Zeit für die Patienten und Bewohner haben und attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen geboten bekommen: Für viele Pflegekräfte ist das Wunschdenken – leider. Ihre Realität sieht anders aus: Die Mitarbeiter sollen immer mehr pflegebedürftige Menschen in immer kürzerer Zeit mit immer weniger Kollegen versorgen.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erinnert deshalb anlässlich des „Internationalen Tags der Pflege“ gemeinsam mit betroffenen Beschäftigten an die zunehmend dramatische Personalsituation an vielen Kliniken. Unter dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ nehmen bundesweit tausende Beschäftigte an den Protesten teil.

Protest soll auf Personalmangel aufmerksam machen

Um auf den Personalmangel aufmerksam zu machen, haben sich auch die Beschäftigten der Helios Amper Kliniken AG am Montag zwischen 14 und 14.30 Uhr an einer „aktiven Pause“ beteiligt. Dabei versammelten sie sich eine halbe Stunde lang vor dem Klinikeingang. Teilgenommen haben aber weniger Mitarbeiter als gedacht: „Ich denke, das ist eine Mischung aus Resignation und der Tatsache, dass viele Arbeitskräfte den Ausweg inzwischen nur noch in der Kündigung sehen“, sagt Christian Reischl von der Gewerkschaft ver.di.

Das Ziel der teilnehmenden Mitarbeiter ist klar: Sie fordern „möglichst schnell eine betriebliche Regelung für mehr Personal und ein Ausfallkonzept“, wie Martin Tobies, der neue Betriebsratsvorsitzende der Amper Kliniken AG, erklärt.

Mitarbeiter der Klinik sind skeptisch, ob sich Arbeitsbedingungen ändern 

Die Mitarbeiter wünschen sich eine schnelle Veränderung: „Ich persönlich hoffe einfach, dass es besser wird. Aber die Skepsis bleibt“, sagt Esther Richter. Die 53-Jährige arbeitet in der Regelambulanz. „Die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen müssen wieder so attraktiv werden, dass sich auch junge Leute für den Beruf entscheiden.“

Auch Christine Merkl, die als Pflegekraft in der Kardiologie arbeitet, weiß heute nicht, ob sie den Beruf noch einmal ergreifen würde: „Unter diesen Bedingungen würde ich es mir drei Mal überlegen. Und das, obwohl ich meinen Beruf immer noch liebe“, sagt die 54-Jährige.

Nach vorläufigen ver.di-Berechnungen sei der Stellenplan an beiden Standorten der Helios Amper Kliniken in Dachau um insgesamt über 100 Stellen zu niedrig kalkuliert. „Das zeigt einmal mehr, wie prekär die Situation für die Beschäftigten ist und wie groß der Handlungsbedarf von Seiten der Kliniken ist“, sagt Christian Reischl.

Die Erfolgaussichten ihrer Aktion könne Martin Tobies nicht einschätzen. „Ich bin ganz neu in dem Amt und habe noch nicht so viel Erfahrung“, gibt er offen zu. Ihre Hoffnung aufgeben wollen die Mitarbeiter aber unter keinen Umständen. Sie kämpfen weiter für die dringend notwendigen Verbesserungen im Pflegeberuf. Nun müssen sie erst einmal das Ergebnis der morgigen Betriebsverhandlungen abwarten.

Lesen Sie auch: Interview mit dem neuen Dachauer Klinik-Geschäftsführer Gerd Koslowski 

nn

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