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In ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen trafen sich Klinikmitarbeiter am Donnerstag zu einer Kundgebung in der Altstadt.

Protestkundgebung der Klinikmitarbeiter

„Es geht nur noch um Köpfe“

Um gegen die Abeitsbedingungen am Klinikum vorzugehen, hat die Bürgerinitiative „Für mehr Personal in der Pflege“ am Donnerstag eine Protestkundgebung gegen den Pflegenotstand veranstaltet.

Dachau – „Absolut nicht wertschätzend, katastrophal und menschenunwürdig: So sind die Arbeitsbedingungen am Helios-Amper-Klinikum in Dachau für Pflegekräfte. So und nicht anders.“ Claus-Dieter Möbs ist aufgebracht. 25 Jahre lang hat der 66-Jährige als Pflegekraft im Helios-Amper-Klinikum in Dachau gearbeitet. Inzwischen ist der Röhrmooser in Rente.

Trotzdem ist er am Donnerstagnachmittag zum Platz vor St. Jakob gekommen, um an einer Protestkundgebung der Bürgerinitiative „Für mehr Personal in der Pflege – Dachau“ teilzunehmen: „Man lässt seine früheren Kollegen doch nicht im Stich, nur weil man in Rente ist. Ich war ja selbst jahrelang betroffen, und irgendwann muss sich einfach etwas ändern“, sagt Möbs.

Das Motto der Protestkundgebung, zu der mehr als 50 Teilnehmer kamen, lautete: „Solidarität statt Profit“. Das Anliegen der Protestkundgebung ist klar formuliert: Die Initiative fordert eine gesetzliche Mindestbesetzung auf den Stationen, die sich an der Zahl der Patienten und deren tatsächlichem Bedarf orientiert. Darüber hinaus fordern die Teilnehmer den Stopp der Privatisierung der Krankenhäuser sowie eine bessere und tarifgebundene Bezahlung der Beschäftigten.

Christian Reischl von der Gewerkschaft Verdi erklärt in seiner Rede, dass nun die Landesregierung gefordert sei. Hieran solle man vor allem auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen denken. Denn bei der Krankenhaus-Finanzierung sei in den vergangenen Jahren bayernweit „zu sehr geschludert“ worden, erklärt der Gewerkschafter.

Dem schließt sich auch der nächste Redner, Matthias Gramlich, an. Gramlich ist Pflegekraft am Helios-Amper-Klinikum. Was er aus seinem Arbeitsalltag erzählt, schockiert viele der Anwesenden. „Teilweise liegen Patienten stundenlang auf dem Gang. Ein Zimmer, das eigentlich nur für drei Patienten gedacht ist, ist mit vier Patienten voll!“ Oder: „Qualifikation spielt keine Rolle mehr bei der Betreuung – es geht nur noch um Köpfe – egal, ob es sich um eine Fachkraft oder einen Praktikanten handelt. Teilweise muss man als einzelner Pfleger 40 Patienten alleine betreuen. Man kann sich vorstellen, dass das kaum möglich ist“, sagt Gramlich.

Ein Auszubildender des Dachauer Klinikums, der namentlich nicht genannt werden will, bestätigt die Aussagen Gramlichs: „Wenn man morgens auf die Station kommt, weiß man schon, dass man keine Zeit für viele Dinge hat. Dass man sich einmal wirklich um einen Einzelnen kümmern kann, ist leider oftmals eine Seltenheit.“ Dabei sei es für den Genesungsprozess von entscheidender Bedeutung, dass man auch für die Patienten da sei und sich um sie kümmere.

Auch Helga Schmid, eine der Initiatorinnen der Bürgerinitiative, hat Kontakt zu vielen Pflegekräften. Dabei erhalte sie von den Arbeitnehmern vor allem die Rückmeldung, dass die Arbeit in den Kliniken „gar nicht mehr zu bewältigen“ sei. Viel zu viele Menschen würden an Burnout leiden, wobei auch die krankheitsbedingten Ausfälle stetig zunehmen würden. Dies sei eine Tendenz, die in fast allen Krankenhäusern zu beobachten sei, sagt Schmid.

Auf die Frage, wie die Klinikleitung auf die Anliegen ihrer Arbeitnehmer reagiere, antwortet Claus-Dieter Möbs: „So weit ich weiß, kam an die Bürgerinitiative bisher keine Rückmeldung. Helios scheut schlechte Presse wie das Weihwasser.“ So sei es die Herangehensweise, die Probleme so lange auszusitzen, bis die anderen aufgeben.

Doch auf dieses Verhalten haben die Pflegekräfte eine klare Antwort: „Man täuscht sich, wenn man glaubt, dass wir diese Zustände irgendwann akzeptieren! Darum bitte ich: Kämpft mit uns, seid solidarisch und setzt euch für eure Kliniken ein“, ruft Pflegekraft Matthias Gramlich unter lautem Beifall der Teilnehmer. Und fügt hinzu: „Ich bedanke mich für den Applaus. Aber dieser Applaus gebührt eigentlich nicht mir, sondern denen da oben am Klinikum, die sich jetzt gerade in Unterbesetzung die Füße platt laufen und sich um die Patienten kümmern!“

nn

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