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Den Prozess wollte niemand: Dennoch stand ein 20-Jähriger wegen eines sexuellen Übergriffs in Dachau vor Gericht.

Die beiden kennen sich schon lange

Der Prozess, den niemand wollte: Übergriff auf Freundin vor Gericht - Opfer umarmt Täter nach Urteil

Ein 20-Jähriger ist in Dachau wegen eines sexuellen Übergriffs verurteilt worden: Das Opfer kennt er seit Kindertagen.

Dachau – Am liebsten hätten sie die Sache verdrängt, vergessen, ungeschehen gemacht. Jene Nacht im Februar 2017, in der er, 20, sich nach einem unbeschwerten Abend an seine langjährige und gleichaltrige Freundin heranmachte. Doch das Strafgesetzbuch kennt keine Gefühle, nur Tatbestände und Rechtsfolgen.

Der Tatbestand des sexuellen Übergriffs, niedergelegt in Paragraf 177, ist „alles andere als ein geringes Delikt“, wie der Staatsanwalt es formulierte. Der 20-Jährige wurde daher vom Amtsgericht Dachau verurteilt, weil er Paragraf 177 erfüllte oder schlicht, „weil sein Kopf mehr wollte, als nur reden“, so Joachim Schwarzenau, der Verteidiger des Angeklagten.

Die Stunden vor jener verhängnisvollen Nacht saßen die beiden in der Wohnung der 20-Jährigen in Dachau. Man quatschte, sah sich Pornos an. Weil es spät wurde und weil er zuhause mit den Eltern Stress hatte, übernachtete er bei seiner Freundin, die er quasi aus dem Kreißsaal kenne, wie er in der Hauptverhandlung sagte, weil beide am selben Tag in Dachau zur Welt kamen, und mit der er seit Jahren gemeinsam beim Roten Kreuz ehrenamtlichen Dienst schiebe.

Sie lagen im selben Bett. Sie schlief bereits tief und fest, als er irgendwann ihr T-Shirt nach oben und die Jogginghose und das Höschen nach unten schob. Dann rieb er sich an ihr, ohne in sie einzudringen. Erst als er in der Früh zur Arbeit ging, wachte sie auf.   

Die junge Frau beteuerte vor Gericht, in der Nacht nichts mitbekommen zu haben. Erst als ihr Freund aufgestanden sei, habe sie gemerkt, dass ihre Kleidung in Unordnung geraten war. „Zwei Wochen lang wollte ich alles verdrängen, vergessen, doch ich habe gemerkt, dass ich nicht klar komme“, so die 20-Jährige. Sie ging zur Kripo. Seither, so meinte sie, komme sie mit der „Sache“ klar. Sie habe sie dort „abgegeben“. Einen Strafantrag stellte sie nicht.

Was sie wohl nicht wusste: Der sexuelle Übergriff ist ein Offizialdelikt, wie es im Juristendeutsch heißt. Und das heißt wiederum: Die „Sache“ geht vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft musste anklagen, weil es das Strafgesetzbuch fordert.

Im Gerichtssaal entschuldigte sich der Angeklagte noch einmal bei ihr. Und beide umarmten sich lange. Zuvor schon hatte er ihr in einem WhatsApp-Chat alles gestanden und sein Vorgehen „zutiefst bereut“. Doch da war sie bereits bei der Polizei gewesen. Auf Anraten des Anwalts machte er einen Täter-Opfer-Ausgleich, dem sie zustimmte. Die 300 Euro wollte sie nicht. Das Geld ging an das Franziskuswerk Schönbrunn.

Richter Daniel Dorner zeigte sich milde und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldbuße in Höhe von 600 Euro, wobei er Jugendstrafrecht anwandte. 

Thomas Zimmerly


In München schockierte die Öffentlichkeit der sexuelle Übergriff eines falschen Taxifahrers auf eine junge Frau.

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