Ein Bild dieser Waffe, seines Revolvers der Marke Smith & Wesson, Kaliber .357 Magnum, Modell 627, schickte der Angeklagte an seine Ex.

35-jähriger vor dem Amtsgericht Dachau

Liebeskummer mit Waffenschein

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Aus Liebeskummer hat ein 35-jähriger Landkreisbürger seiner Ex wirre Nachrichten geschickt, theatralisch mit Selbstmord gedroht und zu allem Überfluss auch noch seinem Vater eine ungesicherte Schusswaffe samt Munition übergeben. Was folgte, war jedoch kein Liebes-Comeback, sondern eine Gerichtsverhandlung.

Dachau – Zugegeben, die Art und Weise, wie ihn seine Verlobte verlassen hatte, war nicht nett. Ausgerechnet an seinem 35. Geburtstag gab die junge Frau vor, an starken Regelschmerzen zu leiden und zum Arzt fahren zu wollen. Während der gutgläubige Freund besorgt nach ihrem Zustand fragte, stundenlang Nachricht um Nachricht schrieb und die Mailbox ihres Handys voll quatschte, kamen von der Verlobten keine Reaktionen mehr. Als er dann am Abend nach Hause gekommen und die gemeinsame Wohnung halb ausgeräumt vorgefunden habe, da, so berichtet der 35-Jährige, „habe es sogar ich kapiert“: Es war aus. Und die Verlobte weg.

Den jungen Unternehmer, der einen Jagdschein sowie mehrere Schusswaffen besitzt, traf die Trennung schwer, „stocksauer und wütend“ sei er gewesen; weshalb er seiner Freundin auch mittels eines wahren Whatsapp-Bombardements ein ordentlich schlechtes Gewissen machen wollte. „Alles in meinem Leben war ein Fehler“, „Ich muss sterben, damit Andere glücklich werden“, „Vielleicht habe ich das Leben so verdient; darum werde ich es heute beenden“ oder „Ohne dich ist alles wertlos an mir“ waren nur einige der Nachrichten, die auf dem Handy der Geliebten aufschlugen. Und, als hätten die Worte allein noch nicht genug Aussagekraft, schickte er gleich noch ein Bild hinterher: seines Revolvers der Marke Smith & Wesson, Kaliber .357 Magnum, Modell 627.

An dieser Stelle bekam es die junge Frau doch mit der Angst zu tun und ging zur Polizei. 30 Minuten später standen Beamte der Inspektion Dachau vor dem stattlichen Anwesen, in dem der 35-Jährige sowie seine Eltern wohnten. Im Waffenschrank im Keller fanden die Polizisten drei der vier gemeldeten Revolver beziehungsweise Gewehre. Wo die vierte Waffe, der auf dem Whatsapp-Foto abgebildete Revolver sei, wollten die Beamten wissen. „Doch Vater und Sohn drucksten nur herum“, erinnert sich der Beamte. Erst die Androhung einer polizeilichen Durchsuchung – „Wenn wir eine Waffe suchen, sieht das Haus hinterher nicht mehr so aus wie es vorher ausgesehen hat“ – gaben Vater und Sohn nach. Und führten die Ermittler in das Elternschlafzimmer, wo der Revolver, mit fünf Schuss Munition geladen, zusammengebaut und geputzt und völlig ungesichert zwischen Pullovern und Hemden im Schrank lag. „Die war in zwei Sekunden schussbereit. Das ist, wie wenn sie die Waffe unters Kopfkissen legen“, so der Polizeibeamte. Vor allem aber ist das ein Straftatbestand.

Und so kam es am Donnerstag vor dem Dachauer Amtsgericht zu einer Verhandlung, in der dem 35-Jährigen das unerlaubte Überlassen einer Schusswaffe mit Munition und dem 62-jährigen Vater der unerlaubte Besitz einer Schusswaffe samt Munition vorgeworfen wurde. Richter Tobias Bauer bemühte sich um Verständnis: „Ich kann Ihren Ärger und Ihre Enttäuschung nachvollziehen. Auch dass man dann was Dummes macht und ein Foto von dem Revolver verschickt.“ Aber warum, so Bauer, „haben Sie den Revolver Ihrem Vater gegeben“?

Eine schlüssige Antwort darauf bekam er nicht. Der Vater, der im Gegensatz zum Sohn nicht im Besitz eines Waffenscheins ist, erklärte, seinen Sohn nur habe schützen wollen. Und der Junior wand sich: Naja, eigentlich habe er die Waffe ja gar nicht direkt dem Vater übergeben, sondern sie nur zufällig im Keller liegen gelassen – „und dann war sie auf einmal weg“.

Am Ende wurde das Verfahren eingestellt. Der Angeklagte senior muss eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro an den Ortsverein des Bund Naturschutz seiner Heimatgemeinde zahlen. Der Junior bekam eine Geldbuße von 3000 Euro zugunsten des Elisabeth Hospizvereins Dachau aufgebrummt sowie die Auflage, seine Waffenbesitzkarte abzugeben und in den nächsten fünf Jahren keine neue zu beantragen.

Die schlimmste Strafe dürfte aber ohnehin die sein: dass er immer noch Single ist; seine Selbstmorddrohung hatte bei der Verlobten keinerlei Wirkung gezeigt.

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