Radfahrer-Kolonne auf einer Straße
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Auf den Weg nach München machten sich rund 100 Radler von Dachau aus, hier in der Münchner Straße. Begleitet wurde die Radfahrt von Polizeifahrzeugen.

Sternfahrt nach München

Radler setzen Zeichen für Verkehrswende

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Rund 100 Radler aus dem Landkreis Dachau haben am Samstag ein friedliches Zeichen für eine Mobilitätswende gesetzt.

Petershausen / Dachau – Tausende Menschen haben am Samstag in München gegen die Internationale Automobilausstellung (IAA) demonstriert. Auch aus dem Landkreis Dachau kamen rund 100 Teilnehmer, die sich an der Sternfahrt beteiligten, zu der ein Aktionsbündnis von Fahrrad- und Umweltorganisationen aufgerufen hatte. Monika Zott vom Kreisverband Dachau des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) ist ganz zufrieden mit der Teilnehmerzahl. „Natürlich ist immer noch Luft nach oben“, so Zott. Doch die Sternfahrt ist ihr wichtig als Zeichen für eine Mobilitätswende. „Wir brauchen im Landkreis und in der Stadt mehr Radverkehr, weniger Autos bedeuten mehr Lebensqualität.“

Gegen 10 Uhr sammelten sich erste Teilnehmer am Startpunkt S-Bahnhof Petershausen, früh da war der Pfaffenhofener ADFC-Kreisvorsitzende Peter Hoffmann, der die Route von Petershausen über Dachau nach München verantwortlich leitete. Einige der Radler waren mit dem Zug angereist, kamen bis aus Fürth, Bamberg und Feuchtwangen, um dann vom Bahnhof Petershausen, an dem auch Regionalzüge halten, zur IAA zu strampeln. Alle wollten ein Zeichen setzen für eine Verkehrswende.

„Die Autos werden immer mehr, und die Autofahrer werden nicht an den Kosten beteiligt“, sagt Florian Schmitz aus Fürth. Der Verkehrssektor habe bisher keinen Beitrag geleistet zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes, kritisiert Sebastian Gross aus Bamberg. Jens und Ulrike Moritz fehlt ein Verkehrskonzept für den ländlichen Raum. „In Feuchtwangen gibt es nicht einmal mehr einen Bahnhof, wir mussten mit dem Auto nach Ansbach zum Zug.“ Kritisiert wurde, dass Autos zu viel Raum einnehmen in den Städten.

Öffentlichem Nahverkehr und Rad soll auch in der Lokalpolitik mehr Bedeutung eingeräumt werden, fordert Johannes Dinkel.

Mehr Radwege wünscht sich Bärbel Lanz aus Petershausen. „Geplant werden die Routen nach Obermarbach und Glonnbercha schon lange, aber nach 20 Jahren ist es damit immer noch nichts.“ In Biberbach wartete ein junger Mann, um sich dem Tross anzuschließen. „Ich bin kein militanter Autogegner, ich möchte nur von Biberbach sicher und gut zur S-Bahn.“

Auf der Dachauer Thoma-Wiese pausierte die Radlergruppe, weitere Radler stießen dazu. Wie Wolfgang Kossa und Sohn Daniel, die ein Zeichen setzen wollten, „weil die Autoindustrie übertrieben bevorteilt wird“. Die Straßen zurückerobern für die Menschen will Bernhard Sturm, ehemaliger Bündnis-Stadtrat und aktiv im Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland. Zu viel Geld sei in den vergangenen Jahrzehnten für Straßen ausgegeben worden, zu wenig für andere Formen der Mobilität wie ÖPNV, Rad- und Fußwege, kritisiert Edith Bauer. „Wir müssen radikal umdenken.“ Frank Hartmann ist mit der ganzen Familie aus Aschaffenburg angereist, „weil wir eine andere Verkehrspolitik wollen.“ Den Kindern in Zukunft eine lebenswerte Welt übergeben, will Mathias, der mit einem Velomobil teilnimmt. Aus dem Landkreis sind Mutter und Tochter Kellner dabei. Auch sie sind für mehr Radverkehr. „Wir sind ohne Auto aufgewachsen, wir kennen es gar nicht anders.“ Johannes Dinkel findet, dass gerade die Lokalpolitik der Verkehrswende mehr Bedeutung geben müsste.

„Weil die Autoindustrie bevorteilt wird“: Wolfgang Kossa und Sohn Daniel radeln mit, um ein Zeichen zu setzen.

Von der Ludwig-Thoma-Wiese aus machten sich die Teilnehmer nach der Pause wieder auf den Weg nach München. Ein Leitungsfahrzeug der Polizei führte die Radlergruppe an, weitere Einsatzwagen und Motorräder begleiteten die Radfahrer, sperrte alle Einfahrten, sodass die Radler als Kolonne ohne Stopp durchfahren konnten. Wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord gestern mitteilte, verlief die Sternfahrt „in unserem Bereich auf jeden Fall friedlich“.

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