Schnellradweg
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Schön...teuer: Dennoch verfolgt die Stadt Dachau das Projekt Schnellradweg nach München weiter.

Die Stadt Dachau verfolgt das Projekt weiter

Radschnellweg: neue Trasse, neue Kosten

Dass es einen Radschnellweg von Dachau über Karlsfeld in die Münchner Innenstadt geben soll, steht seit langem fest. Geändert hat sich, vor allem auf Drängen Karlsfelds, zuletzt nur der Verlauf der geplanten Verbindung – und damit verbunden der Kostenanteil für die Stadt. Trotz Mehrausgaben wollen die Stadträte aber an dem Projekt festhalten.

Dachau – Kämmerer Thomas Ernst hatte den Stadträten im Februar gehörig die Leviten gelesen. Das ganze Jahr über würden sie teure Maßnahmen beschließen, und am Ende, wenn es um den Haushaltsbeschluss gehe, das große Klagelied anstimmen. Dieser Umgang mit Geld, so Ernsts Lamento sinngemäß, hätte letztlich dazu geführt, dass sich die Stadt vom Landratsamt sagen lassen musste, dass ihr Haushalt nicht genehmigungsfähig sei (wir berichteten).

Florian Schiller (CSU) gab zu, diese Sätze des Kämmerers „noch im Ohr zu haben“, als er mit den weiteren Mitgliedern des als Vertretung des Stadtrats tagenden Ferienausschusses über die Frage beraten sollte, ob sich die Stadt weiter an dem Großprojekt Radschnellverbindung München – Dachau beteiligen soll.

Klar, der Plan klingt toll: Vom Dachauer Bahnhof aus soll der Pendler über den „Radler-Highway“ schnurstracks zum Stachus kommen. In Zeiten von Corona und deutlich erhöhten Spritpreisen wäre dies daher, bei schönem Wetter, also eine durchaus attraktive Alternative.

Allein: Das Projekt ist teuer. Nach den ursprünglichen Plänen wäre der Kostenanteil der Stadt für ihren 1,7 Kilometer langen Anteil am Radschnellweg bei einer halben Million Euro gelegen. Nun, nachdem die Gemeinde Karlsfeld ihre Teilnahme an dem Projekt vom Bau einer anderen Streckenführung abhängig gemacht hatte (wir berichteten), verteuern sich die Gesamtkosten für Dachau um 600 000 Euro auf 1,1 Millionen Euro. Soll unter diesen Umständen das Projekt also wirklich weiterverfolgt werden?

Ja, fand das Gremium einschließlich Oberbürgermeister Florian Hartmann. Schließlich sei der Bau der Verbindung erstens ökologisch absolut sinnvoll und die Umsetzung zweitens noch so weit weg, dass man gefahrlos zustimmen sollte. „Ich verstehe die Diskussion um die Kosten nicht, so weit sind wir doch noch lange nicht“, fand etwa Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD). „Im Moment“ seien ja noch gar keine Haushaltsmittel eingeplant, beruhigte auch Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau). CSU-Sprecher Schiller stimmte am Ende ebenfalls zu, da die „Realisierung erst in zwei bis drei Jahren anstehe“. Und Markus Erhorn (FW) betonte zwar, dass „wer will, auch jetzt schon wunderbar mit dem Radl nach München kommt“ und mit dem Schnellweg „mit Sicherheit keine Massen bewegt werden“, aber: „Wenn’s was hilft, dann stimmen wir halt zu.“

So steht nun fest, dass der Radschnellweg auf Dachauer Stadtgebiet folgendermaßan verläuft: von der Bahnhofstraße über die Augustenfelder Straße bis zur Schaigstraße, von dort in die Münchner Straße, über die Kreuzung Münchner/Wallbergstraße/Wettersteinring in den Rothschwaigeweg entlang der B 304 in Richtung Karlsfeld.

Allerdings sind für diesen Trassenverlauf Bauarbeiten nötig. So muss der Rothschwaigeweg zum einen als Fahrradstraße beschildert und für einen Zwei-Richtungsradverkehr baulich verbreitert werden. Vor allem aber muss die Münchner Straße im Teilstück zwischen Schwaigstraße und der Kreuzung Münchner/Wallbergstraße/Wettersteinring komplett umgebaut beziehungsweise mit mindestens drei Meter breiten Radstreifen versehen werden. Dies dürfte laut Justus Hoffmann, zuständiger Ingenieur in der Tiefbauabteilung des Stadtbauamts, „sehr kostenintensiv“ werden; für die Autofahrer, so betonte er, würde die Maßnahme aber keine Auswirkungen haben, da die Radwege ja schon bestünden und nur verbreitert werden müssten.

OB Hartmann versprach am Ende, dass es trotz der nun fixen Trassenführung immer noch einen Weg zurück gebe: Wenn irgendwann klar sei, was das Projekt wirklich kostet, „dann stellen wir es in den Haushalt“. Und dann, so betonte er in Richtung der Stadträte, „ist es Ihre Entscheidung“.

Stefanie Zipfer

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