Park und Absperrband
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Der aussichtsreiche Panoramaweg im Hofgarten ist aktuell fast vollständig gesperrt.

Untersuchungen laufen

Beliebter Aussichtspunkt in Dachau gesperrt: Rätselhafte Löcher im Boden entdeckt - gefährliche Ursache?

Teile des Dachauer Hofgartens sind derzeit gesperrt. Denn in den Böden wurden rätselhafte Löcher entdeckt.

Dachau – Die Aussicht vom Hofgarten aus ist zur Zeit begrenzt: Der Weg entlang der Stützmauer wurde abgesperrt. Die Ursache ist möglicherweise gefährlich: Vertiefungen im Boden geben den Verantwortlichen Rätsel auf. Untersuchungen laufen bereits.

Hofgarten in Dachau: Vertiefungen im Boden geben Rätsel auf

Wenn der September jetzt ein paar sonnige Tage bringt, wird es Dachauer wie Gäste der Stadt wieder zu einem Spaziergang in den Hofgarten locken. Doch dort, wo sich ein herrlicher Blick auf München genießen lässt und bei Föhn die Berge zum Greifen nah erscheinen, stehen Flaneure momentan bald vor einem rot-weißen Flatterband.

Denn der Weg, der aussichtsreich an der Stützmauer entlangführt, ist in weiten Bereichen abgesperrt. Die Ursache der Blockade ist so unsichtbar wie möglicherweise gefährlich. Denn bereits im Juli wurden dort von Mitarbeitern der Schlossverwaltung auffällige Vertiefungen im Boden festgestellt.

Dachau: Panoramaweg gesperrt - Herkunft der Löcher im Boden unklar

Darüber informiert auf Nachfrage Franziska Wimberger, Pressesprecherin der für das Dachauer Schloss wie auch für den Hofgarten zuständigen Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Inzwischen wurden die Vertiefungen im Hofgarten wieder aufgefüllt. Doch woher sie rühren, ob hier möglicherweise Gefahren lauern, ist momentan unklar. Ob die starken Regenfälle der vergangenen Wochen zu Erdbewegungen im Untergrund des Schlossbergs geführt haben, kann nur spekuliert werden.

Die Verantwortlichen wollen der Sache fachlich fundiert auf den Grund gehen, das Staatliche Bauamt in Freising kümmert sich um die Ursachenforschung und hat unterstützend auch einen Geologen hinzugezogen. „Ein externes Fachbüro, das auf derartige Untersuchungen spezialisiert ist, wurde beauftragt“, erklärt Andreas Kronthaler, Leiter des Staatlichen Bauamts.

Die Stellen im Dachauer Hofgarten, an denen sich der Boden gesenkt hat, werden mittels Sondierungsgrabungen erkundet. Einige sogenannte Bodenschürfen, das sind lochartige Probegrabungen, seien bereits vorgenommen worden. Zu sehen ist davon aber für Spaziergänger nichts, da die Grabungsstellen am selben Tag wieder verfüllt wurden, wie Pressesprecherin Wimberger erklärt.

Rätselhafte Löcher im Hofgarten: Endgültige Ergebnisse für Ende September geplant

Mit dieser Untersuchung sollen nun Schichtaufbau und Qualität des Bodens erkundet werden. Weiter erhoffe man sich Hinweise auf Hohlräume oder Ausspülungen. Und damit letztlich Aufschluss über die Ursache der Bodenabsenkung, sagt der Leiter des Staatlichen Bauamts, Andreas Kronthaler. Gleichzeitig werden auch Stützmauer und Schlosshang mit untersucht. Die endgültigen Ergebnisse werden Mitte September vorliegen, kündigt Kronthaler an.

Wenn nun in alle Richtungen nach den Ursachen geforscht wird, hat das seine Berechtigung. Denn tatsächlich ist die gesamte Altstadt von Gewölben und Kellern im Untergrund durchzogen. Detailreiche Untersuchungen dazu hat Stadtarchivar Andreas Bräunling gemeinsam mit dem ehemaligen Dachauer Stadt- und Kreisrat wie auch Kenner der Dachauer Gewölbe, Edgar Forster, durchgeführt. Veröffentlicht sind Ergebnisse in dem von beiden zusammen mit Robert Gasteiger 2006 herausgegebenen Buch „Bier, Brauereien und Volksfeste“, wie Bräunling erklärt.

Aber historische Hohlräume unter dem Schlossberg? „Es gibt einen Keller unter dem aktuellen Schlossflügel“, erzählt Bräunling. Und am Fuß der Schlossmauer zu Beginn des Karlsbergs existiere bekanntlich der Eingang zu einem Bunker, der 1944 gegraben wurde und einige Meter in den Berg führte. „Das ist aber bekannt.“

Weniger gängig ist wohl das Wissen, dass im Hofgarten neben dem Tor zum angrenzenden Englischen Garten in früherer Zeit links und rechts Gebäude standen. Auf einem Stich aus dem 17. Jahrhundert seien diese Bauwerke zu sehen. „Es gibt Vermutungen, dass diese unterkellert waren“, sagt der Stadtarchivar. „Aber untersucht ist das nicht.“ Unterlagen und Pläne dazu liegen bei der Schlösser- und Seenverwaltung.

An Spekulationen zu möglichen Ursachen mag sich Andreas Kronthaler vom Staatlichen Bauamt nicht beteiligen. Vielmehr setzt er auf das Gutachten, um dann bei Bedarf Maßnahmen mit der Schlösserverwaltung abzustimmen. Je nach Ursache könne das von einer einfachen Wiederherstellung des Kieswegs bis zur aufwändigen Sanierung reichen. „Das ist momentan offen.“

Bis der Schaden behoben ist, können Besucher des Schlossgartens die beliebte Aussicht nach München und in die Alpen zumindest in dem nicht abgesperrten Bereich genießen. Petra Schafflik

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