Sylvia Neumeier

Rauschgiftkriminalität steigt

Schüler greifen zu Ritalin

Dachau – Auf Bayerns Schulhöfen nimmt die Rauschgiftkriminalität zu. Das geht aus Zahlen des Landeskriminalamtes hervor. Die Drogenberatungsstelle in Dachau sieht allerdings keine vermehrten Fälle an Schulen im Landkreis.

Einen Anstieg, speziell an Schulen kann Sylvia Neumeier, Geschäftsführerin der Drogenberatungsstelle (Drobs) in Dachau, nicht bestätigen – allerdings beobachtet sie einen erhöhten Konsum von härteren Drogen. „Besonders Amphetamine und andere synthetische Substanzen nehmen zu“, erklärt sie. Die verhältnismäßig leichte Beschaffung über das Internet, im so genannten Darknet, sei eine Gefahr. „Das Badesalz, das per Post kommt, wird halt oft leider nicht ins Wasser gekippt, sondern geraucht“, so die Pädagogin.

Desweiteren beobachtet sie bei Schülern einen Anstieg des Konsums von leistungssteigernden Mitteln, wie zum Beispiel Ritalin. Das Arzneimittel wird eigentlich zur Behandlung von Krankheiten wie ADHS eingesetzt, ist allerdings auch – ohne Rezept natürlich – im Darknet erhältlich. Missbräuchlich eingesetzt, erhöht das Medikament die Konzentration, macht wach – allerdings auch schnell abhängig.

Um Schüler vor Suchtgefahren zu warnen, gibt es einige Präventionsmaßnahmen, die die Drogenberatungsstelle gemeinsam mit den Schulen im Landkreis und dem Gesundheitsamt durchführt. So sei vor 20 Jahren das Ziel ausgegeben worden, dass kein Kind ohne Prävention die Schule verlassen dürfe. Bereits ab der fünften Klasse werden die Schüler über Nikotin und Alkohol aufgeklärt. In den höheren Jahrgangstufen sind dann andere Suchtgefahren an der Reihe. „Wir kooperieren zwar mit den Schulen, allerdings sind bei den Aufklärmaßnahmen keine Lehrer anwesend“, erklärt Neumeier das Konzept. Dann falle es den Kindern leichter, sich zu öffnen.

Das scheint zu fruchten: „In Oberbayern ist Dachau führend bei den unter 18-Jährigen, die in Drogenberatung sind“, sagt Neumeier und erklärt auch gleich, warum das eine gute Nachricht ist. Durch die gute Prävention der vergangenen Jahre würden sich Jugendliche eher trauen, sich Hilfe zu holen, sprich: „Die Zahl der Konsumenten ist wahrscheinlich ähnlich wie in anderen Landkreisen, nur dass sie sich bei uns helfen lassen.“

Die Beliebtheit von Cannabisprodukten nehme zwar aktuell nicht zu, sei aber weiterhin hoch. Hier spricht sich Sylvia Neumeier für eine Legalisierung „unter strengen Auflagen“ aus. Ein kontrollierter Verkauf in Apotheken ab 21 Jahren würde verhindern, dass Minderjährige zu früh mit dem Rauschmittel in Kontakt kommen.

ahu

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