Diskussion über Bauprojekte in der Altstadt

Die reinste Hängepartie

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Zwei Bauprojekte an der Hangkante der Altstadt haben zuletzt den Bauausschuss des Stadtrats beschäftigt. Einig waren sich die Stadträte darin, jede Wohnbautätigkeit in der Altstadt zu begrüßen. In Detailfragen aber gingen die Meinungen auseinander.

Dachau – Das Anwesen an der Konrad-Adenauer-Straße 14 wird sein Gesicht verändern. Zum Besseren? Stadtrat Claus Weber (Freie Wähler) findet nicht: „Ich kann mir so einen modernen Klotz in diesem Bereich nicht so recht vorstellen.“ Auch Volker C. Koch (SPD) gab zu bedenken: „Ja, das ist schon sehr modern...“ August Haas (CSU) dagegen war der Meinung: „Der Bau hat klare Linien, eine logische Fensterverteilung. Das fügt sich ein.“

Am Ende erteilte das Gremium dem Bauvorhaben dann doch einstimmig sein Plazet. Damit bekommt das Nachbaranwesen des ehemaligen Hörhammer-Bräu, das zum denkmalgeschützten Ensemble „Altstadt mit Schloss“ gehört und im Erdgeschoss ein Nagelstudio beherbergt, ein neues Rückgebäude. Der bislang bestehende Rückbau und das Verbindungsgebäude werden abgerissen und stattdessen, in den Hang hinein, drei neue, große Wohnungen mit bis zu 206 Quadratmetern Fläche geschaffen. Das Mitspracherecht der Verwaltung beziehungsweise des Denkmalschutzamtes zur Gestaltung der Fassaden hat dabei seine Grenzen: Die Fenster beispielsweise werden – zumindest in den ersten Planungen – modern raumhoch, die Dachgeschosswohnung erhält zudem eine Dachterrasse. Stadtrat Weber bat daher die Verwaltung eindringlich, „doch nochmal genauer hinzuschauen. Das ist mir sehr wichtig“!

Eine wesentlich längere Diskussion ergab sich anschließend über das Bauvorhaben an der Konrad-Adenauer-Straße 22. Auch dort geht es darum, einen rückwärtigen Anbau zu schaffen – allerdings in wesentlich größeren Dimensionen. So möchte der Bauwerber ein Mehrfamilienhaus in den Hang bauen, den bereits bestehenden Rückbau sanieren und dazwischen einen kleinen Hof entstehen lassen. Zudem ist eine Tiefgarage für zwölf Stellplätze mit Autolift und Zufahrt von der Konrad-Adenauer-Straße vorgesehen. Besitzer des Hauses, das früher das Café Brüller beherbergte, ist Helmut Geißler, Ehemann von Bündnis-Stadträtin Sabine Geißler.

Im vergangenen Frühjahr hatte der Bauausschuss die Planung bereits für unzulässig erklärt, die Räte hatten vor allem die Ausdehnung des geplanten Neubaus in den Hang hinein bemängelt. Nun stieß auch die nachgebesserte Version auf Unmut – vor allem bei der CSU-Fraktion. Diesmal war die geplante Tiefgarage der Stein des Anstoßes, wobei die CSU-Stadträte – normalerweise stets um ausreichend Stellplätze bemüht – die Dimension der Garage bemängelten. Während der Bauherr plant, über die Konrad-Adenauer-Straße eine Zufahrt zur Tiefgarage zu bauen und diese Zufahrt mit massiven Stützwänden zu versehen, forderten Gertrud Schmidt-Podolsky und Peter Strauch, das sogenannte Kutschertor als Zufahrt zu nutzen. Schmidt-Podolsky betonte zwar: „Wir wollen nichts verhindern, wir wollen etwas entstehen lassen!“ Dennoch bekam Geißler nun auch im zweiten Anlauf keine Zustimmung für sein Bauprojekt. Er soll nun, so lautete am Ende der Beschluss, mit der Bauverwaltung noch einmal über die Größe der Tiefgarage verhandeln.

Stadtratsältester Günter Heinritz versuchte die Diskussion mit einem gewagten Blick in die Zukunft zu beschließen: „In 20 Jahren ist der Bedarf an Stellplätzen sowieso ein ganz anderer.“ Damit, so seine Hoffnung, „hätten wir das ganze Gewürge über eine Tiefgarageneinfahrt vom Hals“.

Stefanie Zipfer

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