Immer mehr befristete Arbeitsverträge: Der Gewerkschaftsbund spricht von Missbrauch.
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Immer mehr befristete Arbeitsverträge: Der Gewerkschaftsbund spricht von Missbrauch.

DGB klagt

Fast jede dritte neue Stelle ist befristet

Die Nachfrage nach Fachkräften ist enorm. Dennoch ist nach Angaben des DGB fast jede dritte neue Arbeitsstelle befristet. Mitunter ohne jede Grundlage.

Landkreis – Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen in Dachau auf Rekordhöhe. Das ergibt eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach war 2018 fast jede dritte neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle in Dachau befristet (absolut 32,3 Prozent). In Dachau sind besonders Stellen in der Energieversorgung betroffen. Hier waren es laut DGB rund 70 Prozent.

Es gibt Gruppen, die überdurchschnittlich von Befristungen betroffen sind wie etwa Beschäftigte unter 25 Jahren, Helfer oder Frauen. Aber auch bei den über 55-Jährigen lag der Anteil bei 28,8 Prozent. Dies zeige, dass Befristungen längst zu einem Massenphänomen geworden sei, so der DGB in seiner Presseerklärung.

Besonders gravierend dabei ist der Anstieg von sachgrundlosen Befristungen. Gemäß einer neuen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) machten diese im Jahr 2018 4,0 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Bayern aus – insgesamt 256 000 Arbeitsverträge. Der Hauptgrund dafür soll die Überprüfung der Eignung von Beschäftigten sein.

Simone Burger, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands für München Stadt und Land, Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg, kritisiert diese Praxis: „Sachgrundlose Befristungen werden immer häufiger als verlängerte Probezeit missbraucht. Generell haben es Befristete schwer, gerechte Arbeitsbedingungen und gute Löhne einzufordern. Eine Schwangerschaft oder eine engagierte Betriebsratsarbeit kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird.“ Schwer erkämpfte Rechte für einen besseren Kündigungsschutz würden dadurch unterlaufen. „Wir können es nicht hinnehmen, dass immer mehr Beschäftigte Angst um ihre Arbeit und Zukunft haben müssen. Die Abschaffung des Missbrauchs jahrelanger und sachgrundloser Befristungen wurde von den Regierungsparteien im Koalitionsvertrag beschlossen. Nach der parlamentarischen Sommerpause müssen endlich auch Taten folgen. Denn gute Arbeit heißt unbefristete Arbeit“, sagt Burger.

Wer befristet ist, kann auch in anderen Lebensbereichen nicht langfristig planen. Knapp 80 Prozent der befristeten Verträge in Deutschland haben eine Laufzeit von unter zwei Jahren, so das Statistische Bundesamt. „Jeder kann sich vorstellen, was es bedeutet, sich mit einem auf zwölf Monate befristeten Arbeitsvertrag in der Region Dachau auf Wohnungssuche zu gehen. Dies ist ein Albtraum“, so der DGB.  dn

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