Kultusministerium will umstrittene Gedenkstätten-Personalie klären

„Eher unschön“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Dachau – Die Diskussion darüber, ob Karl Freller als Leiter der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten quasi im Alleingang über die Neubesetzung leitender Positionen in der Dachauer KZ-Gedenkstätte entscheiden darf, zieht mittlerweile Kreise.

Ein Touristenmagnet: Rund eine Million Menschen besuchen jedes Jahr die KZ-Gedenkstätte Dachau. Nur das Schloss Neuschwanstein und das Deutsche Museum in München zählen mehr Besucher.

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), als Mitglied des Stiftungsrats von Freller bislang nicht in die Personalie eingebunden, und Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) hatten sich gestern Nachmittag zu einem Telefonat in Sachen Gedenkstätte verabredet.

Wie berichtet, will Freller, der auch CSU-Landtagsabgeordneter ist, seine bisherige Büroleiterin Dr. Erika Tesar zur neuen Chefin der Bildungsabteilung der Gedenkstätte befördern. Die Stelle ist aktuell ausgeschrieben, laut Freller hätte sich bislang aber kein geeigneter Kandidat gefunden. Seine Büroleiterin halte er dagegen für hoch qualifiziert; zudem sei er als Stiftungsdirektor berechtigt, die Umbesetzung Tesars von München nach Dachau – trotz des expliziten Widerstands der Dachauer Gedenkstätten-Mitarbeiter – durchzusetzen. Dass sich Stiftungsleiter Freller und Gedenkstätten-Chefin Dr. Gabriele Hammermann in der Vergangenheit nicht immer einig waren, vor allem, was den Umfang der Neugestaltung der Anlage betrifft, ist ein offenes Geheimnis.

Im Gespräch zwischen Minister Piazolo und dem Dachauer OB ging es allerdings weniger um die persönliche Beziehung zwischen Freller und Hammermann, sondern vor allem um verfahrensrechtliche Fragen. Laut Gedenkstättengesetz darf der Stiftungsrat nämlich über die Positionen des Stiftungsdirektors, der Gedenkstättenleitung sowie „leitende Mitarbeiter“ befinden. „Da will ich als Stiftungsrat natürlich wissen: Wer sind diese ,leitenden Mitarbeiter’?“, so Hartmann.

Offensichtlich will auch das Kultusministerium die Frage beantwortet wissen, inwieweit der Stiftungsrat ein Mitspracherecht in dieser Personalfrage hat. Piazolo nämlich habe Hartmann zugesichert, „sich den Prozess anzuschauen und zu klären“.

Doch auch wenn diese angekündigte Prüfung noch läuft, befürchtet Hartmann einen Image-Schaden für die Dachauer KZ-Gedenkstätte: Die öffentlich gewordene Auseinandersetzung zwischen Gedenkstätten-Mitarbeitern und Stiftungsdirektor sei in seinen Augen nämlich „eher unschön“, zumal „bei solchen Geschichten immer irgendwas hängen bleibt“.

Landrat Stefan Löwl (CSU) beobachtet die Vorgänge in der KZ-Gedenkstätte ebenfalls aufmerksam. Zwar ist er, anders als Hartmann, nicht Mitglied im Stiftungsrat, sorgt sich aber dennoch um den guten Ruf des weltweit bekannten Erinnerungsorts. Löwl betont, alle drei Beteiligten – also Freller, Hammermann sowie Tesar – „sehr sehr sehr sehr zu schätzen“ und ihnen „höchsten Respekt“ entgegen zu bringen. Grundsätzlich, betont Löwl weiter, halte er eine Diskussion über die Ausrichtung der Gedenkstätte nicht für falsch. Allerdings sollte diese Diskussion „konstruktiv-respektvoll“ erfolgen und bald zu einer Lösung kommen. Um das Renommee der Gedenkstätte nicht nachhaltig zu beschädigen, müsse anschließend „das Ergebnis dieser Lösung von allen Seiten akzeptiert werden“. „So viel Professionalität“, so Löwl, „erwarte ich!“

Gabriele Hammermann bittet derweil um Verständnis: Sie wolle Personalfragen grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit kommentieren. Allerdings stehe sie weiterhin „im Dialog mit allen beteiligten Stellen“.

Rubriklistenbild: © Foto: Habschied

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