Gegen antisemitische Parolen

Reuven Rivlin besucht als erster israelischer Staatspräsident die KZ-Gedenkstätte

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Gabriele Hammermann kämpft gegen antisemitische Parolen. Sie ist die Leiterin der Dachauer KZ-Gedenkstätte. Zum ersten Mal kommt am kommenden Mittwoch ein israelischer Staatspräsident in die Gedenkstätte – ein deutliches Zeichen in einer feindseligen Zeit. Und „eine Aufwertung für den Erinnerungsort“, sagt Hammermann.

Dachau – Die antisemitischen Stimmen in Deutschland werden lauter. „Gerade deshalb müssen wir die Erinnerungskultur hochhalten“, sagt die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Gabriele Hammermann. Sie kritisiert vor allem die Parolen der Alternative für Deutschland (AfD): „Sie fordert die finanzielle Unterstützung für die Erinnerungskultur ausbluten zu lassen“, sagt Hammermann. Der Besuch vom israelischen Staatspräsident Reuven Rivlin in der Dachauer Gedenkstätte am kommenden Mittwoch, 6. September, soll ein deutliches Zeichen dagegen sein.

Reuven Rivlin ist zum ersten Mal in Dachau. Er ist der erste israelische Staatspräsident, der die Gedenkstätte besucht. Zwischen 1933 und 1945 waren über 200 000 Menschen aus ganz Europa in Dachau inhaftiert, 41 500 wurden dort ermordet. Rivlin und seine Ehefrau Nechama Rivlin sind nur für zwei Tage in Deutschland, sie besuchen unter anderem den Gedenkort für das Olympiaattentat in München und die KZ-Gedenkstätte. Rivlin wird am Internationalen und am Jüdischen Mahnmal einen Kranz niederlegen, gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender, Ministerpräsident Horst Seehofer mit Ehefrau Karin Seehofer.

Es sei eine enorme Aufwertung für den Erinnerungsort, dass Rivlin kommt, sagt Hammermann, „in einer Zeit, wo es viele demokratiefeindliche und antisemitische Angriffe in unserer Gesellschaft gibt.“ Sie kämpft gegen die Parolen der AfD, insbesondere des beurlaubten Geschichtslehrers Björn Höcke. Sie kämpft gegen das Vergessen, wie es die AfD am liebsten hätte.

Deshalb soll die Gedenkstätte bis Ende der 2020er Jahre neugestaltet werden. Im April vergangenen Jahres bezeichnetet der Landtagsabgeordnete Martin Güll den Erinnerungsort als verlottert (wir haben berichtet): Mit beschädigten Infotafeln, veraltetem Konzept und zu wenig Personal. Das soll sich ändern, sagt Hammermann. Im Schubraum, einem Hauptraum des Museums in der Gedenkstätte, wo die Häftlinge einst ankamen und ihre Privategenstände abgeben mussten, soll es neue Vitrinen mit rekonstruierten Gegenständen geben. Die Dachauer Gedenkstätte arbeitet dabei mit der Gedenkstätte Yad Vashem aus Jerusalem zusammen, die Gegenstände bereitstellt.

Zudem soll der Dokumentarfilm über den Ort des Grauens überarbeitet werden, die Wiesen um das Krematorium vom Wildwuchs befreit werden, und am ehemaligen SS-Schießplatz am Kräutergarten soll ein Seminarhaus entstehen, wo die Besucher über die NS-Ernährungspolitik und die Nachkriegsgeschichte lernen können. Zudem sollen die zwei rekonstruierten Baracken neu gestaltet werden und die Grabreihen am Friedhof Leitenberg freigelegt werden, der Friedhof wurde ursprünglich als Massengrab von den Nazis angelegt – alles gegen das Vergessen.

Rivlin soll Gabriele Hammermann dabei helfen: Der frühere Anwalt sagte einst zur Beziehung zwischen Deutschland und Israel: „Diese Freundschaft ist keinesfalls eine Entschädigung für den Holocaust“, aber sie beruhe auf gemeinsamen Werten, wie Demokratie und Meinungsfreiheit.“

Rivlin in der Gedenkstätte

Am Mittwoch, 6. September, um 16.30 Uhr besucht der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin und seine Ehefrau Nechama Rivlin die KZ-Gedenkstätte. Er wird begleitet von einer israelischen Delegation, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender und Ministerpräsident Horst Seehofer mit Ehefrau Karin Seehofer. Nach der Begrüßung durch Kultusminister Ludwig Spaenle, Holocaust-Überlebenden Abba Naor und dem Vorsitzenden des Dachau-Kommitees Jean-Michel Thomas, wird Rivlin durch die Gedenkstätte geführt und wird danach einen Kranz an zwei Mahnmalen niederlegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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